Richterswil

Biodiversität mitten auf dem Wisshusplatz

Der Naturschutz Richterswil-Samstagern hat auf dem Wisshusplatz drei Beete mit einheimischen Pflanzen bestückt. Die genügsamen Gewächse locken Insekten an und erfreuen das Besucherauge.

Text: Reni Bircher/Bilder: rb & zvg

Um der Bevölkerung die Pracht einheimischer Pflanzen aufzuzeigen, fragte der Naturschutz (NSRS) bei der Gemeinde um eine Rabatte auf der Gemeindehauswiese an. Nach einer kurzen Begehung mit Werkvorsteher Christian Stalder regte dieser die Neubepflanzung der drei Beete direkt auf dem Wisshusplatz an. In diesen wuchs zuvor Buchsbaum, der regelmässig vom Buchsbaumzünsler befallen wurde und daher mit Pestiziden behandelt werden musste.
Nachdem die Gemeinde Richterswil den Antrag vom Naturschutz begrüsst und dem Projekt seinen Segen erteilt hatte, kümmerte sich die Auftragsgärtnerei Bachmann um die Entfernung des Problemgewächses.
Zwischenzeitlich machte sich der NSRS Gedanken um die Zusammensetzung der einheimischen Pflanzen – auch essbare – und stellte einen Pflanzplan zusammen. Naturschutz-Mitglieder steuerten Sämlinge aus dem eigenen Garten bei, der Rest der entsprechenden Pflanzen wurde auf dem Spezialitätenmarkt im Grüntal (der Wädenswiler Anzeiger berichtete in der Mai-Ausgabe) eingekauft.

Der Dinge harren

Nach der langen Regenperiode konnte sich die Truppe am 15. Mai endlich an die Umsetzung machen und bestückte die vorbereiteten Beete mit jungen Stauden, fast vergessenen Kulturpflanzen, Kräutern und Wildblumen; alle sind einheimisch und daher an die hiesigen Umweltbedingungen angepasst. Sie sind pflegeleicht und kommen mit kargem Boden und Trockenheit zurecht, sind genügsamer als manche Gartenpflanzen und locken Schmetterlinge sowie andere Insekten an.
Durch geschickte Pflanzenauswahl werden die Beete zu jeder Jahreszeit zum charmanten Blickfang und animiert vielleicht zur Nachahmung im Garten oder auf dem Balkon. Die zu Beginn einer Pflanzung regelmässig nötige Begiessung und der Unterhalt der Rabatten auf dem Wisshusplatz übernimmt der Naturschutz. Nun darf mit Spannung erwartet werden, was für Naturschätze uns beglücken.

Was ist Biodiversität?

Biodiversität ist der Oberbegriff für das komplexe Zusammenspiel allen Lebens auf der Erde.
Es geht um die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten, also auch um die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und um die biologische Vielfalt der Lebensräume (auch Ökosysteme genannt) zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Vielfalt dieser drei Ebenen – Gene, Arten und Ökosysteme – ergeben zusammen die Biodiversität, die biologische Vielfalt. Kurz: das Leben auf unserer Erde und somit den Menschen mit eingeschlossen.
Die Vielfalt des Lebens wird durch verschiedene Einflussfaktoren verändert und bedroht, besonders durch den Klimawandel. Er führt dazu, dass sich Ökosysteme auf lange Sicht verändern. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Art und Weise, wie der Mensch aktiv in Ökosysteme eingreift, indem er Flächen bebaut, bewirtschaftet oder zur Gewinnung von Rohstoffen nutzt. Aber auch die Belastung durch Umweltverschmutzung führt dazu, dass sich Ökosysteme verändern.
Wie viele Arten von Lebewesen es auf der Erde gibt, ist unbekannt. 1,8 Millionen Arten, also nur ein Bruchteil, sind wissenschaftlich erfasst. In den tropischen Regenwäldern werden insgesamt 50 bis 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vermutet.

Gigantischer Dienstleister

Für den Menschen sind die Leistungen der biologischen Vielfalt etwas völlig Selbstverständliches. Arten liefern Nahrungsmittel, Rohstoffe und Arzneien. Ökosysteme sorgen für saubere Luft, sauberes Wasser und fruchtbare Böden, sie leisten Hochwasser- und Erosionsschutz. Als Lebensraum bieten sie uns Erholung und Freizeitmöglichkeiten. Die Industrie ist direkt von vielen Rohstoffen, wie Holz, Ölen, Mineralien oder Farbstoffen abhängig. Arten liefern ausserdem Vorbilder für technische Innovationen.

Abhängig von der Biodiversität

Jede Art ist ein Rädchen im System des Lebens, das sich über Jahrmillionen entwickelt hat. Wir als eine Spezies auf diesem Planeten sind eng mit dem natürlichen System verwoben und direkt von ihm abhängig.
So werden schätzungsweise 60 000 verschiedene Pflanzenarten weltweit in der Medizin genutzt. 30 Prozent des weltweiten landwirtschaftlichen Ertrags hängt von tierischer Bestäubung ab. Rund 100 Millionen Tonnen Wasserorganismen, wie Fische, Muscheln und Krustentiere, werden jährlich gefangen und leisten einen erheblichen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung (Stand: 2006).

Die Natur ist unsere Lebensgrundlage

Eine hohe Biodiversität ist wie eine Lebensversicherung für uns und künftige Generationen. Denn Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur, es erzeugt Stabilität. Nur bei einer hohen Artenvielfalt und einer grossen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art ist die Natur in der Lage, mit veränderten Bedingungen zurechtzukommen: Klimabedingungen, neuen Krankheiten oder Schädlingen. Das Aussterben einer Art hingegen ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten verschwinden jährlich. Derzeit sind etwa 26 000 Arten vom Aussterben bedroht. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem.
Die Frage ist, wann die Ökosysteme ihre Funktionen und damit ihre Dienstleistungen einstellen. (Quellen: Helmholtz/Focus/Weleda)

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