Aktuell Wädenswil

Zwei einheimische Genossenschaften für die lokale Energiewende

Die Mieter-Baugenossenschaft und die Energie Genossenschaft Zimmerberg nutzen die Kraft der Sonne. Die Überbauung Büelen wird so zum Kraftwerk.

Text: Sarah Ott & Stefan ­Baumgartner; Bilder: zvg

Im Mai 2017 stimmte die Schweizer Bevölkerung mit 58% Ja-Stimmen-Anteil der Energiestrategie 2050 zu. Dadurch soll die Abhängigkeit von fossilen Energien massiv verringert und die Atomenergie durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Im vergangenen November wurde im Kanton Zürich das neue Energiegesetz angenommen, das die Grundlagen für die konkrete Umsetzung bildet. Dieses Gesetz ist am 1. September 2022 in Kraft getreten. Die befürchtete Energiemangellage ist gegenwärtig in der Politik und in allen Medien dominant.

Die Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil hat die Zeichen der Zeit schon länger erkannt und investiert laufend in ökologische Projekte. Bereits im Jahr 2008 wurde bei der Überbauung «Büelen» zur Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser eine Wärmepumpe mit Erdsonde installiert; 2020 kam dann noch «Freecooling», also die Sommerkühlung, dazu. Gleiches wurde für die Überbauung «Neudorf» bereits 2017 realisiert, bei der das Warmwasser zusätzlich mit Sonnenkollektoren auf dem Dach aufbereitet wird. 2020 wurden Sonnenkollektoren auf dem Dach an der Nordstrasse 11 bis 15 installiert. Beachtliche 70% des Warmwassers wird so über das ganze Jahr gesehen mit Hilfe der Sonne erzeugt. Modernste Wärmepumpen ersetzen seit 2020 alte Ölheizungen in den Häusern an der Eichweid- und an der Waisenhausstrasse.
Es braucht aber noch mehr erneuerbare Energie für die Umsetzung der beschlossenen Energiewende. Dies könnte sich laut der «Energie Genossenschaft Zimmerberg» (EGZ) aufgrund der neuen Strompreise für 2023 mehr denn je lohnen. Für PVA-Betreiber heisst das nämlich konkret, dass sich alleine durch die höheren Strompreise und Rückliefertarife für Solarstrom die Amortisationszeiten um mehrere Jahre reduzieren.
Das kommt auch der Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil zugute, die zusammen mit der EGZ im Rahmen des «Kraftwerk Wädenswil» fünf grössere PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 130 kWp (640 m2) im Quartier Büelen in Betrieb nehmen konnte. Über das ganze Jahr hinweg decken diese Solarstrom-Anlagen mit einer Jahresproduktion von knapp 130 000 kWh praktisch 75% des ganzen Stromverbrauchs in den Gebäuden ab. Hans Zbinden von der MBG ist überzeugt, dass sich die nicht ganz billigen Investitionen langfristig lohnen und schätzte die Zusammenarbeit der beiden Genossenschaften EGZ und MBG sehr.

Um ein Gebäude für die Zukunft fit zu machen, lohnt sich gemäss der EGZ eine umfassende Analyse. Die Genossenschaft, die in den Gemeinden der Region Zimmerberg aktiv ist, bietet Beratungen zu Themen rund um Wärme, Strom und Mobilität an. So kann beispielsweise dank einer guten Planung eine Wärmepumpe, ein Boiler oder eine Elektroladestation intelligent mit Solarstrom versorgt werden. Selbst bei zeitweisen Stromausfällen kann mit entsprechendem Batteriespeicher und einer Notstromfunktion eine gewisse Autarkie und somit die Stromversorgung des eigenen Gebäudes aufrecht erhalten werden.

EKZ-Tarife müssen angehoben werden

Die Stadt Wädenswil ist dem Versorgungsgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) angeschlossen. Mit ihren stabilen Tarifen gehört EKZ seit vielen Jahren zu den günstigsten Energieversorgern der Schweiz. Nun müssen mit den deutlich gestiegenen Netztarifen der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid und den massiv gestiegenen Stromeinkaufspreisen die Tarife seit vielen Jahren erstmals nach oben angepasst werden. Dafür gilt ab 2023 am Samstag ganztags der Niedertarif.
Durchschnittlich steigen die Tarife für einen Zweipersonenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 2500 kWh um rund 26 Prozent (um 5,2 Rappen pro kWh auf 25 Rappen pro kWh) beziehungsweise um circa 130 CHF pro Jahr bzw. 11 CHF im Monat. Neu gilt auch am Samstag ganztags der Niedertarif. Bis anhin galt am Samstag von 7 bis 13 Uhr der Hochtarif, dieser wird durch den Niedertarif ersetzt. Somit gilt ab dem 1. Januar 2023 über das ganze Wochenende von Freitagabend 20 Uhr bis Montagmorgen 7 Uhr der Niedertarif. Für Solarstromproduzentinnen und -produzenten gibt es ab 2023 mehr Geld für den ins Netz eingespeisten Strom. Die Basisvergütung steigt um 66 Prozent. Die Vergütung für die Herkunftsnachweise (Zertifikat für den ökologischen Mehrwert) bleibt gleich.

EKZ kauft den benötigten Strom gestaffelt im Voraus am Markt bei verschiedenen Produzenten ein, so auch die Energie für das kommende Jahr. EKZ besitzt nur wenig eigene Produktionskapazitäten im Kanton Zürich (4 Prozent der Versorgungsenergie). Die Stromtranchen werden über rund zwei Jahre eingekauft, beginnend jeweils ca. 2,5 Jahre vor der Lieferung. So wurde der Strom für das Tarifjahr 2023 von Juni 2020 bis April 2022 eingekauft. In diesem Einkaufszeitraum (Juni 2020 bis April 2022) sind die Preise am Markt um rund 500% gestiegen.

EKZ ist einer der grössten Energiedienstleister der Schweiz und versorgt zuverlässig rund eine Million Menschen mit Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie. Eine Übersicht über alle nachhaltigen Stromprodukte ist unter www.ekz.ch/de/privatkunden/strom einsehbar. Auf www.strompreis.elcom.admin.ch lassen sich sämtliche Schweizer Tarife miteinander vergleichen. Welche Auswirkungen die Tarife 2023 auf die individuelle Rechnung haben, können Stromkonsumentinnen und Stromkonsumenten von EKZ auf dem Portal myekz.ch nachsehen.wa/ekz

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