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Pfarrer Villwock geht nach Horgen

Thomas Villwock, der Pfarrer der Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten, geht nach Horgen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Hier ein paar Worte zu seinem Weggang, was bleibt und was geht.

Interview: Ingrid Eva Liedtke

Warum gehst Du weg, aus dieser Kirchgemeinde? Suchst Du eine neue Herausforderung?

Ich bin im Jahr 2014 zusammen mit meiner Frau hierhergekommen. Es war meine erste Gemeindepfarrstelle nach Vikariat und Entsendungsdienst. So nennt man in Württemberg die erste Stelle nach dem Vikariat, bei der man nicht selbst auswählen kann, sondern dorthin muss, wohin einen der Oberkirchenrat entsendet. Jetzt – nach ziemlich genau acht Jahren – ziehen wir als Familie mit zwei kleinen Töchtern weiter. 

Was durftest Du hier oben erfahren, bzw. lernen? Was hat man allenfalls von Dir gelernt? Was nimmst Du mit? Was hinterlässt Du?

In den letzten acht Jahren durfte ich in Schönenberg und dann auch in Hütten Pfarrer sein. Pfarrer im ländlichen Raum zu sein ist manchmal noch so, wie man es von früher erzählt bekommt. Mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht. Nicht selten auch Vertrauensvorschuss. Das war für mich als Zugezogenem in mehrfacher Hinsicht nicht selbstverständlich. Auf meine neue Stelle in Horgen nehme ich viele gute Erfahrungen mit. Vieles kann ich in meinen Rucksack packen und damit gestärkt am neuen Ort wirken. Ob man von mir gelernt hat? Es ist nicht mein Pfarrbild, dass ich in erster Linie den Menschen, denen ich begegne, etwas beibringen will. Ich möchte vielmehr den mir anvertrauten Menschen – wenn man das so sagen darf – ein Stück weit begleiten und eine Zeit lang miteinander unterwegs sein. Sollte es sich auf diesem Weg ergeben, dass von mir gelernt werden kann, dann ist das schön. Aber oft lerne ich von den Menschen, denen ich begegne – vor allem über das Leben in all seinen Facetten.

Erinnerungen?

Ich werde mich sicher immer gern an die verschiedensten Begegnungen erinnern. Viele Anlässe, die wir als Kirche in Hütten und Schönenberg mitgestalten durften. Vor allem aber sind es die persönlichen Begegnungen, an die ich mich gerne erinnern werde. Manchmal waren es fröhliche und manchmal traurige. So wie das Leben.

Weisst Du schon, was Dich in Horgen erwartet? Was ist möglicherweise in Horgen anders? Was kannst Du den Horgnern mitbringen?

In Hütten und Schönenberg war ich im Einzelpfarramt tätig. Vieles durfte ich allein entscheiden. Das war sicher einerseits schön, anderseits war es nicht nur ein Dürfen. Oft auch ein Müssen. In Horgen werde ich in einem Pfarrteam tätig sein. Viele Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Das wird sicher entlasten, wird aber auch einige Absprachen nötig machen. Was ich sicher mit nach Horgen bringen kann, ist die Erfahrung, alle Bereiche pfarramtlichen Handelns zu kennen. Gerade weil wir in Hütten und Schönenberg im Gegensatz zu grösseren Kirchgemeinden manche Berufsgruppen gar nicht haben, konnte ich Einblicke in fast alle Bereiche der Kirchgemeinde bekommen.

Hast Du schon eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger? Was wünschst Du ihm auf jeden Fall?

Eine direkte Nachfolge im Pfarramt ist noch nicht in Sicht. Das wäre auch sehr ungewöhnlich. Der Kirchenrat konnte Pfarrer Marcel Plüss mit der Stellvertretung im Pfarramt ab 1. September beauftragen. Eine noch zu beauftragende Pfarrwahlkommission wird dann eine geeignete Pfarrperson suchen, die dann sozusagen meine Nachfolge antreten wird. Ob nun in Stellvertretung oder als gewählte Pfarrperson: ich wünsche ihr auf jeden Fall, dass sie mit derselben Offenheit empfangen wird, auf die ich hier oben auf dem Berg treffen durfte. Ich bin da aber sehr zuversichtlich.

Wie leicht oder schwer fällt es Dir, Deine Schäfchen zurückzulassen?

Rückblickend war meine Zeit als Pfarrer auf dem Berg geprägt von viel Schönem. Nach meinem Verständnis vom Pfarrberuf bin ich nicht der Hirte, die Mitglieder der Kirchgemeinde sind keine Schäfchen – und schon gar nicht meine. Schafe geniessen nicht gerade den Ruf besonders schlau zu sein. Auch das Bild des Hirten, der ein ausreissendes Schaf mehr oder weniger mit Gewalt zurückholt, gefällt mir im Zusammenhang von Pfarrer und Kirchgemeinde nicht. Als Kirchgemeinde sind wir gemeinsam auf dem Weg. Als Pfarrer habe ich die Freiheit, das Leben von Menschen beruflich begleiten zu dürfen. Ich glaube nicht, dass die Menschen in Hütten und Schönenberg von mir abhängig sind, wie Schafe von ihrem Hirten. 

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