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Lebenszyklus der Biene bestimmt das Geschäft

Dieses Jahr scheint sich ganz besonders anzubieten, um während des persönlichen coronabedingten «Rückzugs» (neue) Beobachtungen zu machen und sich auf die ruhigen, stillen und (über-) lebenswichtigen Dinge zu besinnen: Bienen zum Beispiel.

Text: Reni Bircher
Bilder: zvg

Noch kreucht und fleucht es draussen bei gemässigten Temperaturen: Raupen führen sich das letzte Kohlblatt zu Gemüte, um sich kurz daraufhin zu verpuppen, die Marienkäfer sammeln sich an sonnenbestrahlten Wänden, bevor sie sich in den Winterschlaf begeben, Mauerbienen und ihre Larven harren in ihren mit lehmiger Erde zugemauerten Brutstuben auf den Frühling.

Anders verhält es sich bei den Wildbienen – vorwiegend die gehörnte Mauerbiene –, welche in einem sogenannten «BeeHome» der Firma Wildbiene + Partner ihre Eier abgelegt haben. Die Kokons, in denen sich bis zum Oktober die Larven zu ausgewachsenen Bienen entwickelt haben, werden von Fachleuten aus den Bambusröhrchen entfernt, gewaschen und von Parasiten befreit. 

Danach werden sie getrocknet und gewogen. In Papierschachteln verpackt werden die Mauerbienenkokons in Kühlschränken der Firma überwintert. Die flauschigen Insekten fahren ihren Stoffwechsel runter und sparen so Energie für den Frühling. In der Natur überstehen sie in ihren Niströhrchen sogar Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

Warum ein BeeHome?

Das BeeHome kann auf dem Stadtbalkon, im Einfamilienhausquartier oder im Schrebergarten bedenkenlos aufgehängt werden. Die Startpopulation von rund 25 Wildbienen lässt grosse und kleine Entdecker die emsigen und friedfertigen Mauerbienen bei der Arbeit beo­bachten. Mit wenig Aufwand kann somit jeder zum Wildbienenförderer werden. Wer inspiriert durch das BeeHome noch mehr für die Wildbienen tun möchte, kann seinen Balkon oder Garten mit einheimischen Pflanzen verschönern.

Wer sich für 25 Franken für das Einsenden der Nistbox zur Winterpflege entscheidet, kann danach in der Wildbienen-Statistik der Homepage abrufen, wieviele Kokons geerntet werden konnten sowie weitere spannende Detailinformationen einsehen. Aufgrund des Durchschnittsgewichts eines Kokons wird berechnet, wie viel Nachwuchs im jeweiligen Wildbienen-Häuschen schlummert. Je nach Standort und Jahr können das 300 bis 400 Mauerbienen sein. Der Durchschnitt lag 2019 bei rund 80 Tieren pro Nistblock. 

Es kann vorkommen, dass sich im BeeHome neben der Roten und der Gehörnten Mauerbiene weitere Wildbienenarten einnisten. «Aufgrund der Bauweise der Nistverschlüsse erkennen wir diese Arten bei unserer professionellen Wildbienen-Pflege», erklärt Anna Schmidhalter von Wildbiene + Partner. Diese werden in den Bambusröhrchen gelassen und mit dem Nistblock zurück an den Absender geschickt. Der Block soll unmittelbar nach Erhalt wieder draussen im BeeHome montiert werden, so dass auch die «fremden» Nachkommen zum gegebenen Zeitpunkt schlüpfen dürfen.

Anfang März wird ein Teil der Kokons in Röhrchen gesteckt und als Startpopulation an die Besitzerinnen und Besitzer von Bee­Homes versendet – das Abenteuer beginnt von neuem. Der Grossteil der vermehrten Mauerbienenkokons geht aber an Schweizer Bauern, damit deren Obstplantagen bestäubt werden. Denn das ist der eigentliche Zweck dieser Wildbienen-Vermehrung. Da Wildbienen weniger temperaturempfindlich als Honigbienen sind und schon bei Temperaturen unter zehn Grad ausfliegen, sind sie insbesondere für die Bestäubung früh blühender Apfel- und Kirschbäume enorm wichtig.

Steckbrief Wildbiene

Die Mauerbienen schlüpfen bereits an den ersten milden Frühlingstagen. Zuerst schlüpfen die Männchen, wenige Tage später folgen die Weibchen. Nach der Paarung baut das Weibchen sein eigenes Nest, in dem es jede einzelne Brutzelle mit einer Mischung aus Pollen und Nektar versorgt und ein Ei darauf legt. Die Brutzelle bekommt eine Mauer aus lehmiger Erde, und so reiht eine kleine Nisthöhle an die andere. Zum Schluss wird das Nest mit einem dicken Pfropfen verschlossen.

Mauerbienen sind solitär lebende Wildbienen. Anders als Honigbienen leben diese nicht in einem Staat: Sie haben keine Königin, keine Arbeiterinnen, keine Wachswaben und sie produzieren auch keinen Honig. Die Insekten fliegen sehr weit, bestäuben die Pflanzen und sammeln Pollen in einem Radius von bis zu 300 Metern. 

Mauerbienen sind überhaupt nicht aggressiv, deshalb kann man sich problemlos in der Nähe der Tiere aufhalten und sie in Ruhe beim Nistbau und der (Körper-)Pflege beobachten. Zwar besitzen die Weibchen einen Stachel, aber der ist so klein und weich, dass er die Haut eines Menschen kaum durchdringen kann. Zudem sind Mauerbienen an Süssgetränken oder Esswaren gänzlich uninteressiert. Die Flugzeit einer Mauerbiene beträgt gerade mal sechs bis acht Wochen.

Wachsen geeignete Pflanzen in der Umgebung, kann es gut sein, dass sich in den leer gebliebenen Niströhrchen des Bee­Ho­mes weitere harmlose Wildbienenarten, wie etwa die Blattschneiderbiene oder die Wollbiene einnisten. Diese sind auf ganz bestimmte heimische Wildpflanzen angewiesen und können aktiv gefördert werden. Inspiration findet man dabei auf der Homepage von Wildbiene + Partner.

www.wildbieneundpartner.ch

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