Der Souverän hat am 10. Juni 2018 der Neugestaltung des Dorfkerns zugestimmt. Das Projekt RED (Revitalisierung Dorfkern) schreitet voran Richtung Projektauflage Vorprojekt Mitte Oktober 2020 und Baubeginn im Frühling 2021. Es wird mit einer zweijährigen Bauzeit gerechnet.
Text: Reni Bircher, Bild: aearchitektur
In den letzten Wochen hat Gemeinderat und Werkvorsteher Christian Stalder zusammen mit Amtskollege Hansjörg Germann (Ressort Planung und Bau) und Andreas Jud von der Geoterra AG mit beinahe 50 Grundstückseigentümern der Revitalisierungszone das Gespräch gesucht und ihnen die neusten Informationen zukommen lassen. Hauptsächlich ging es um die privaten Flächen und die Werkleitungen, welche während der Umsetzung des RED-Projektes (Zone Dorf-, Dorfbach- und Poststrasse) saniert werden sollen – oder altershalber auch ersetzt werden müssen.
Spannend fand es Stalder zu sehen, wie die Menschen zu Richterswil stehen, die ausserhalb des Dorfkerns oder gar der Gemeinde wohnen. «Diese Leute sind noch immer vom Charme hier überzeugt und sehen RED als Aufwertung ihrer Liegenschaft», erzählt der Werkvorsteher von seinen Erfahrungen.
Den direkten Kontakt zu suchen scheint Stalder unabdingbar, denn bei solchen Gesprächen erhalte er nicht nur einen Eindruck von den Bedürfnissen der Bevölkerung, sondern könne Überlegungsfehler bei der Planung erkennen und diese dann anpassen. Beispielsweise müssen die Platzverhältnisse vor den Grossverteilern zur Zulieferung stimmen, oder die Verankerung für die neue Strassenbeleuchtung kann nicht wie geplant an einer dafür vorgesehenen Hauswand befestigt werden, weil die Wände dort aus zu dünnem Backstein bestehen. «Das sind Sachen, die kommen nur im direkten Gespräch ans Licht und sind nicht auf einem Plan ersichtlich», erläutert Christian Stalder. «Darum sind diese Kontakte auch so wichtig für uns.»
Begegnungszonen im Aufwind
Inzwischen werden diese so genannten Begegnungszonen* höher eingestuft als bis anhin und dürften positiven Aufwind erfahren. So rutschte die Gemeinde Lachen vergangenen September im Gemeinderanking der «Weltwoche» auf Platz 3, und dies vornehmlich dank der verkehrsberuhigenden Massnahmen. In Richterswil beinhalten diese Begegnungszonen beispielsweise (mobile) Pflanzenkübel, Sitzgelegenheiten und eine trottoirfreie Strasse (niveaufrei). Die Anzahl Parkplätze bleibt erhalten.
Um das Dreieck Raben–Freihof–Schmittenbrunnen soll alles Einbahn werden (zwei Seiten sind es schon seit langem). Das Problem sieht Stalder allerdings in der Programmierung der Navigationssysteme, denn diese würden Lastwagen von Zulieferern häufig mitten durch den Dorfkern führen. «Früher fuhren Fahrzeuglenker immer etwa dieselbe Tour und kannten sich somit aus in ihrem Gebiet. Das ist längst nicht mehr so, die Fahrer wechseln ständig und die Zulieferer verlassen sich auf das Navi. Einen Vierzigtönner um die Ecke Post- und Kirchstrasse zu bringen, dürfte kaum möglich sein». Generell will man den Lastwagenverkehr aussen herum führen und dies den Herstellern von Navigationsgeräten melden.
Den Weg zur «Smart Village» beschritten
Die Strassenbeleuchtung übernimmt das Konzept des konzentrischen Wellenganges in Form eines geplanten Kreises auf dem Boden und bestünde aus einer strom- und kostensparenden Lichtquelle. Im Sinne der immer häufiger angestrebten «Smart City»-Ideologie**, werden dies dimmbare LED-Lampen sein. Damit lässt sich die Strassenbeleuchtung entsprechend der Dämmerung abdunkeln, damit die Anwohner nicht von grellem Licht gestört werden, die Passanten aber noch immer ein Gefühl der Sicherheit geniessen können. Auch bei Märkten oder Festivitäten wäre die Beleuchtung leicht anzupassen.
Durch die ausgebreiteten Bautätigkeiten in Richterswil (genauso wie anderswo) wird der Boden «versiegelt» und Wasser, welches vorher natürlich in den Boden sickern konnte, bleibt an der Oberfläche, bis es in die Kanalisation oder ein natürliches Gewässer gelangen kann. Dies führt zu mehr Wassermassen in den Werkleitungen, so auch im Dorfbach, der unterirdisch entlang der Dorfbachstrasse kanalisiert ist. Besagte Wassermassen brauchen immer mehr Platz in den ihnen zugewiesenen Kanälen, und so kommt es durchschnittlich dreimal pro Jahr vor, dass diese an ihre Kapazitätsgrenze gelangen. Zuerst passiert das Wasser, bleibt an der Oberfläche, also auf Strassen und Wegen, und fliesst Richtung See. Wenn jedoch Dauerregen angesagt ist oder eine Rückschlagklappe in einem der privaten Zugänge verklemmt ist (durch Laub usw.), dann kann es passieren, dass das Wasser zurück in die Häuser oder Läden gepresst wird. So schon mehrfach vorgekommen.
In den nächsten Jahren will die Gemeinde ein Alarmsystem im Kanal einbauen, das bei einer Auslastung des Kanals von 80 Prozent einen Hochwasseralarm bei den Anwohnern und den Behörden auslöst. Je nach Wetterprognose muss dann
reagiert werden. Heute muss ein Mitarbeiter der Werke in den Schacht steigen und den Wasserstand kontrollieren, was nicht ungefährlich ist.
Start im Frühjahr
Gestartet werden soll das RED-Projekt im kommenden Frühling. Damit der Dorfkern in besagtem Gebiet nicht komplett gesperrt werden muss, wird die Sanierung partiell stattfinden. Wo genau die Arbeiten begonnen werden, ist noch nicht klar. «Das muss mit dem Baumeister besprochen werden», erklärt Christian Stalder.n
Aktuelle Informationen können auf der Homepage eingesehen werden: www.redrichti.ch
‚*‘ In einer Begegnungszone gelten folgende Regeln: Höchstgeschwindigkeit 20 km/h; Fussgänger, Velo, Kraftfahrzeuge haben alle das Nutzungsrecht, der Fussgänger hat jedoch Vortritt, darf die Fahrzeuge aber nicht absichtlich behindern; parkiert werden darf nur an den markierten Plätzen.
Diese Form der Verkehrsberuhigung wurde in der Schweiz entwickelt, findet inzwischen aber auch in weiteren Ländern Anklang. Ziel ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Steigerung von Strassenraumattraktivität, indem die Wohn- und Geschäftsnutzung gegenüber der Verkehrsfunktion stärker gewichtet wird. Entgegen den nach niederländischem Vorbild eingerichteten Wohnstrassen sind die Auflagen in einer Begegnungszone weniger streng. Sie wurden 2002 offiziell eingeführt.
‚**‘ Die gesamtheitlichen Entwicklungskonzepte, welche unter dem Begriff «Smart City» bekannt sind, wollen Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten. Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert waren. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demografischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst schliesst der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. (Quelle: Wikipedia)
Mehr zum Smart-Village-Projekt in Richterswil siehe Bericht Seite 6.
Der Souverän hat am 10. Juni 2018 der Neugestaltung des Dorfkerns zugestimmt. Das Projekt RED (Revitalisierung Dorfkern) schreitet voran Richtung Projektauflage Vorprojekt Mitte Oktober 2020 und Baubeginn im Frühling 2021. Es wird mit einer zweijährigen Bauzeit gerechnet.
Text: Reni Bircher, Bild: aearchitektur
In den letzten Wochen hat Gemeinderat und Werkvorsteher Christian Stalder zusammen mit Amtskollege Hansjörg Germann (Ressort Planung und Bau) und Andreas Jud von der Geoterra AG mit beinahe 50 Grundstückseigentümern der Revitalisierungszone das Gespräch gesucht und ihnen die neusten Informationen zukommen lassen. Hauptsächlich ging es um die privaten Flächen und die Werkleitungen, welche während der Umsetzung des RED-Projektes (Zone Dorf-, Dorfbach- und Poststrasse) saniert werden sollen – oder altershalber auch ersetzt werden müssen.
Spannend fand es Stalder zu sehen, wie die Menschen zu Richterswil stehen, die ausserhalb des Dorfkerns oder gar der Gemeinde wohnen. «Diese Leute sind noch immer vom Charme hier überzeugt und sehen RED als Aufwertung ihrer Liegenschaft», erzählt der Werkvorsteher von seinen Erfahrungen.
Den direkten Kontakt zu suchen scheint Stalder unabdingbar, denn bei solchen Gesprächen erhalte er nicht nur einen Eindruck von den Bedürfnissen der Bevölkerung, sondern könne Überlegungsfehler bei der Planung erkennen und diese dann anpassen. Beispielsweise müssen die Platzverhältnisse vor den Grossverteilern zur Zulieferung stimmen, oder die Verankerung für die neue Strassenbeleuchtung kann nicht wie geplant an einer dafür vorgesehenen Hauswand befestigt werden, weil die Wände dort aus zu dünnem Backstein bestehen. «Das sind Sachen, die kommen nur im direkten Gespräch ans Licht und sind nicht auf einem Plan ersichtlich», erläutert Christian Stalder. «Darum sind diese Kontakte auch so wichtig für uns.»
Begegnungszonen im Aufwind
Inzwischen werden diese so genannten Begegnungszonen* höher eingestuft als bis anhin und dürften positiven Aufwind erfahren. So rutschte die Gemeinde Lachen vergangenen September im Gemeinderanking der «Weltwoche» auf Platz 3, und dies vornehmlich dank der verkehrsberuhigenden Massnahmen. In Richterswil beinhalten diese Begegnungszonen beispielsweise (mobile) Pflanzenkübel, Sitzgelegenheiten und eine trottoirfreie Strasse (niveaufrei). Die Anzahl Parkplätze bleibt erhalten.
Um das Dreieck Raben–Freihof–Schmittenbrunnen soll alles Einbahn werden (zwei Seiten sind es schon seit langem). Das Problem sieht Stalder allerdings in der Programmierung der Navigationssysteme, denn diese würden Lastwagen von Zulieferern häufig mitten durch den Dorfkern führen. «Früher fuhren Fahrzeuglenker immer etwa dieselbe Tour und kannten sich somit aus in ihrem Gebiet. Das ist längst nicht mehr so, die Fahrer wechseln ständig und die Zulieferer verlassen sich auf das Navi. Einen Vierzigtönner um die Ecke Post- und Kirchstrasse zu bringen, dürfte kaum möglich sein». Generell will man den Lastwagenverkehr aussen herum führen und dies den Herstellern von Navigationsgeräten melden.
Den Weg zur «Smart Village» beschritten
Die Strassenbeleuchtung übernimmt das Konzept des konzentrischen Wellenganges in Form eines geplanten Kreises auf dem Boden und bestünde aus einer strom- und kostensparenden Lichtquelle. Im Sinne der immer häufiger angestrebten «Smart City»-Ideologie**, werden dies dimmbare LED-Lampen sein. Damit lässt sich die Strassenbeleuchtung entsprechend der Dämmerung abdunkeln, damit die Anwohner nicht von grellem Licht gestört werden, die Passanten aber noch immer ein Gefühl der Sicherheit geniessen können. Auch bei Märkten oder Festivitäten wäre die Beleuchtung leicht anzupassen.
Durch die ausgebreiteten Bautätigkeiten in Richterswil (genauso wie anderswo) wird der Boden «versiegelt» und Wasser, welches vorher natürlich in den Boden sickern konnte, bleibt an der Oberfläche, bis es in die Kanalisation oder ein natürliches Gewässer gelangen kann. Dies führt zu mehr Wassermassen in den Werkleitungen, so auch im Dorfbach, der unterirdisch entlang der Dorfbachstrasse kanalisiert ist. Besagte Wassermassen brauchen immer mehr Platz in den ihnen zugewiesenen Kanälen, und so kommt es durchschnittlich dreimal pro Jahr vor, dass diese an ihre Kapazitätsgrenze gelangen. Zuerst passiert das Wasser, bleibt an der Oberfläche, also auf Strassen und Wegen, und fliesst Richtung See. Wenn jedoch Dauerregen angesagt ist oder eine Rückschlagklappe in einem der privaten Zugänge verklemmt ist (durch Laub usw.), dann kann es passieren, dass das Wasser zurück in die Häuser oder Läden gepresst wird. So schon mehrfach vorgekommen.
In den nächsten Jahren will die Gemeinde ein Alarmsystem im Kanal einbauen, das bei einer Auslastung des Kanals von 80 Prozent einen Hochwasseralarm bei den Anwohnern und den Behörden auslöst. Je nach Wetterprognose muss dann
reagiert werden. Heute muss ein Mitarbeiter der Werke in den Schacht steigen und den Wasserstand kontrollieren, was nicht ungefährlich ist.
Start im Frühjahr
Gestartet werden soll das RED-Projekt im kommenden Frühling. Damit der Dorfkern in besagtem Gebiet nicht komplett gesperrt werden muss, wird die Sanierung partiell stattfinden. Wo genau die Arbeiten begonnen werden, ist noch nicht klar. «Das muss mit dem Baumeister besprochen werden», erklärt Christian Stalder.n
Aktuelle Informationen können auf der Homepage eingesehen werden: www.redrichti.ch
‚*‘ In einer Begegnungszone gelten folgende Regeln: Höchstgeschwindigkeit 20 km/h; Fussgänger, Velo, Kraftfahrzeuge haben alle das Nutzungsrecht, der Fussgänger hat jedoch Vortritt, darf die Fahrzeuge aber nicht absichtlich behindern; parkiert werden darf nur an den markierten Plätzen.
Diese Form der Verkehrsberuhigung wurde in der Schweiz entwickelt, findet inzwischen aber auch in weiteren Ländern Anklang. Ziel ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Steigerung von Strassenraumattraktivität, indem die Wohn- und Geschäftsnutzung gegenüber der Verkehrsfunktion stärker gewichtet wird. Entgegen den nach niederländischem Vorbild eingerichteten Wohnstrassen sind die Auflagen in einer Begegnungszone weniger streng. Sie wurden 2002 offiziell eingeführt.
‚**‘ Die gesamtheitlichen Entwicklungskonzepte, welche unter dem Begriff «Smart City» bekannt sind, wollen Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten. Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert waren. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demografischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst schliesst der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. (Quelle: Wikipedia)
Mehr zum Smart-Village-Projekt in Richterswil siehe Bericht Seite 6.