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Im Gespräch mit … Ueli Bachmann, Arzt, Präsident Gesellschaft historischer Springbrunnen und Genealoge

Interview & Bild: Reni Bircher

Seit wann leben Sie in Richterswil?

Seit meiner Geburt. Ich wuchs in der vierten Generation in der Mühlenen auf.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Richterswil?

Der See und der eigene Garten. Momentan ist dies auch der einzige Ort, an dem wir unsere neun Enkel sehen können – aus gegebenen Umständen einfach nur vom Balkon aus.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Mitmenschen?

Offenheit und Flexibilität Neuem gegenüber. Mein Vater war so.

Eine Person, die Sie bewundern?

Meine Eltern, die unter schwierigen Umständen vier Kinder grossgezogen haben. Unsere Kinder, die gerade in der derzeitigen Situation ohne unsere Hilfe Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen und Grossartiges leisten. Professor Peter Ziegler aus Wädenswil, der mir mit seinem Wissen und Können tatkräftig zur Seite steht bei meinen Recherchen. 

Was lesen Sie derzeit?

«Eine kurze Geschichte der Menschheit» von Yuval Noah Harari.

Wie kam es zur Stammbaumforschung?

Als ich Kind war, haben meine Eltern von einem Brief erzählt, den eine Verwandte – Ditheli (Juditha) Ochsner geb. Hottinger – im März 1854 geschrieben hat, und zwar am ersten Tag ihrer Ankunft in New York. Sie stammte aus Richterswil und gehörte zu den vielen Menschen, welche ihr Glück in Übersee gesucht haben. 

In diesem Brief war von Stürmen die Rede, von Hungersnot, weil die Überfahrt viel länger dauerte als geplant, und von ihrem Bruder, der unterwegs gestorben war und eine Seebestattung bekam. Das hat mich wahnsinnig fasziniert, und als ich von zuhause auszog, fand ich die Holzschatullen mit zahlreichen Briefen darin, und nahm sie mit. 

Irgendwann hatte ich dann die nötige Zeit und fing gezielt an, nach diesem einen Brief zu suchen – drei dicht beschriebene Blatt Papier. Weil ich die Kurrentschrift (deutsche Schreibschrift, verwendet ab Neuzeit bis Mitte 20. Jh.) aber nicht lesen konnte, besuchte ich einen Kurs bei der Historischen Gesellschaft Wädenswil. Ab da hat es mir «total den Ärmel reingezogen».

Welche Informationsquellen nutzen Sie bei Ihren Recherchen?

Die Kirchenbücher, welche früher vom Pfarrer geführt wurden, gingen ab 1830 ins Staatsarchiv über, und dort darf man Einsicht nehmen. Weil ich wusste, wie mein Grossvater hiess und wann er geboren wurde, habe ich über ihn seine Eltern gefunden usw. So führt das von einer Generation zur vorherigen. Zudem habe ich mich beim «Verein für Familien- und Personenforschung March und Nachbarregionen» (FPF) angemeldet und habe dort viele wertvolle Informationen bekommen, wie ich bei meinen Nachforschungen vorgehen soll. Im Internet stiess ich ebenfalls auf andere Leute, die solche Forschungen betreiben.

Wer ist bis dato der
´frühesteª Vorfahre?

Der Vater von Hans Heinrich Bachmann, der 1552 geboren wurde. Dessen Vorname ist mir aber leider nicht bekannt.

Was ist die spannendste Geschichte hinter einer Person?

Der Brief von Ditheli und die darin beschriebene Auswanderungsreise.

Zweige der Familie reichen bis nach Amerika; hat seit Beginn Ihrer Forschung eine Familienzusammenkunft stattgefunden?

Keine «gesamtheitliche», das wäre wohl kaum möglich. Aber ich habe meine Verwandten in Wisconsin ausfindig gemacht und sie besucht. Dabei zeigten sie mir das Haus, das Familie Ochsner nach ihrer Überfahrt nach Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebaut hat, und das wird sogar noch bewohnt von ihnen! Dass ich dann noch das Grab von Ditheli und ihrer Familie sehen durfte, hat mich sehr bewegt. Natürlich besuchten die Amerikaner auch uns, und ich durfte sie zum Wohnhaus ihrer Vorfahren an der Erlenstrasse begleiten. Das waren aussergewöhnliche Begegnungen.

www.genealogie-bachmann-
richterswil.ch