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Die Frohmatt verströmt Zuversicht in Corona-Zeiten

Frohmatt

Das Corona-Virus stellt Bewohnende und Angestellte des Alterszentrums Frohmatt vor spezielle Herausforderungen. Rede und Antwort standen dem ´Wädenswiler Anzeigerª vier Bewohnerinnen der Frohmatt und Angela Kälin-Grunder, 33, Tagesverantwortliche einer Demenzwohngruppe. Sie wohnt in Reichenburg, ist in Wädenswil aufgewachsen und im Herzen Wädenswilerin geblieben. 

Angela Kälin-Grunder meint: «Es gibt auch Positives. Durch diese ausserordentliche Lage rücken wir alle ein wenig zusammen, so etwa in den Pausen, die wir nun nicht überall verstreut, sondern (mit dem gebührenden Abstand!) auf der Gruppe machen. Es hat durchaus seinen Reiz, diese mit den Kolleginnen an der Sonne im Sinnesgarten zu geniessen. Das entschädigt ein bisschen für den ganztägigen Gebrauch der Gesichtsmasken. Denn die sind gewöhnungsbedürftig, insbesondere, wenn an Demenz Erkrankte nur noch unsere Augen sehen. Trotzdem kam eine Bewohnerin fasziniert auf mich zu: ‹Jetzt sehe ich erst, was für schöne Augen du hast! Sonst bin ich immer von deinem Mund abgelenkt.› Ein anderes schönes Erlebnis war die Gestaltung unserer ‹Wunschwimpel›, die wir zu Ostern bastelten, beidseitig mit guten Gedanken beschrifteten und die nun an einer Schnur im Wind tanzen und die Wünsche nach innen und aussen tragen. In diesem Sinne: ‹Hebed Sie sich Sorg!›»

Die 94-jährige Frau M. vermisst den Besuch ihrer Liebsten, kann der Situation aber auch Gutes abgewinnen: «So habe ich wieder mehr Zeit für mich und kann in Ruhe an meinen Socken weiterstricken», sagt sie lachend. Die Teilnahme an der Aktivierung bringe etwas Normalität und Abwechslung und sie hofft auf eine baldige positive Veränderung der Lage.

Frau S., 89, betont, wie froh sie sei, diese Krise nicht in jungen Jahren erlebt haben zu müssen und beobachtet mitfühlend, wie die jüngeren Generationen damit umgehen. «Am meisten fehlt mir der ‹Stammtisch› zum Austausch mit anderen Leuten – und ja, auch Blumen von meinen Liebsten», bedauert sie. Dafür freut sie sich über die Anrufe von netten Menschen, von denen sie schon länger nichts mehr gehört hat. 

Die Familie nicht mehr zu sehen und gesellige Gewohnheiten nicht mehr pflegen zu können, sind für die 83-jährige Frau L. eine grosse Umstellung. «Es beeindruckt mich, wie die Leute zur Verbesserung der Situation beitragen, jedoch sorge ich mich um die Auswirkungen auf die Zukunft.» Sie selber fühle sich nicht eingeschränkt, sie könne in den Garten gehen, habe es gut und werde beschützt.  

«So etwas musste passieren, damit die Menschheit wieder merkt, was Zusammenhalt bedeutet, und das nicht nur unter den Armen», findet die 92-jährige Frau S. und sagt: «Man wird wieder Mensch.» Sie ängstige sich nicht, man müsse zufrieden sein, dass unsere Region bisher einigermassen verschont geblieben sei. Zudem sei Ostern dieses Jahr wie Weihnachten gewesen, so viele Päckli habe sie schon lange nicht mehr bekommen …