Richterswil Vereine

Wenn einer eine Reise tut…

m Sonntag, 3. Januar, ging das letzte Mal das Singspiel vom Gemischten Chor Samstagern über die Bühne, mit einer Premiere des hauskomponierten «Sunnmattli-Swing». Vorausgegangen waren dem Spektakel monatelange Proben.

Auf dem Wohngruppensofa lümmeln sich Bewohner vom «Sunnmattli»; altersmässig belegen die Damen und Herren eher die höheren Ränge und sind mit der einen oder anderen Gehhilfe ausgerüstet. Das Tagesmenü an der Tafel (Milchreis und Apfelmus) scheint den Kauwerkzeugen angepasst und genauso langweilig wie der Alltag im Altersheim, worin sich die Protagonisten befinden. Die Ankündigung der Heimleitung, dass eine Jelena Popow zur Pflegecrew stossen werde, um die Senioren mit Basteln, Singen und Turnen fit zu halten, stösst nur begrenzt auf Begeisterung. Ernst Hablützel, ehemaliger «Büxen»-Fabrikant, vermutet hinter der jungen Russin gar eine Spionin vom KGB und die leicht verwirrte Berta Hunziker wundert sich über die vielen Leute in ihrer Wohnung.

Wer sich aber ganz besonders echauffiert an diesem Tag ist das Fräulein Lydia Aeberli, denn sie ist von einem der Mitbewohner der Seniorenresidenz versetzt worden. Sehr zum Bedauern der anwesenden Damen sind die Männer sowieso massiv in der Unterzahl, und jetzt scheint Fredi Stalder verschwunden zu sein, denn weder jemand aus der Wohngruppe noch vom Personal kann sich erinnern, besagten Herrn seit dem Vorabend gesehen zu haben.

Es soll gefeiert werden
Glücklicherweise ist da der hundertste Geburtstag von Elsi Habegger, welcher bevorsteht, und der ortsansässige Chor, der regelmässig vorbeikommt, um den «Sunnmattli»-Bewohnern eine Freude zu machen. Trotz aller Zerstreuungen und den beschwichtigenden Worten des gleichgeschlechtlich orientierten Pflegers Sandro Vögeli – er vermisst sein Telefon, welches sich trotz moderner Technik nicht orten lässt – ist Fräulein Aeberli beunruhigt. Angestachelt wird sie vom Rösli Schönbächler, die nicht nur permanent Lebensmittel in allen Schürzen und Taschen hortet, bis die Maden kommen, sondern eine Entführung seitens der Stalder-Schwiegertochter vermutet. Natürlich kann es da nur ums Erbe gehen, welches es abzukassieren gilt.

Ein paar Tage sind schon vergangen, seitdem das Verschwinden des Mitbewohners registriert wurde. Sogar die Polizei ist involviert. Jelena Popow bemüht sich um Fitness und Zerstreuung der Senioren, wobei sich den männlichen «Einsassen», wie sie Rollatorenfahrer und Reimereisser Baptiste Inglin bezeichnet, nicht erschliessen will, weshalb er und sein Kumpel «Büxen»-Hablützel Gewichte stemmen sollen, während das schöne Geschlecht sich die Fingernägel lackieren darf. Die demente Frau Hunziker präsentiert denn auch ganz stolz ihren Nagellack, den sie vor zwei Wochen in der ABM in Wädenswil gekauft haben will.

Ein neuerlicher Auftritt des Chores im «Sunnmattli» machen sich zwei Damen zunutze und fangen im Garten unter dem Rhododendron an zu buddeln, wo sie den Fredi Stalder vermuten. Ans Tageslicht befördert wird etwas, das ein Toupet sein könnte: Es stellt sich jedoch heraus, dass das unfreiwillig exhumierte Haarteil das verstorbene Meerschweinchen der benachbarten Wohngruppe ist. 

Chaos nimmt überhand
Angesichts von Polizeiaufrufen im Fernsehen, nervtötender Anrufe der Nachbarin, vertauschten Gebissen, geplanten Saufgelagen zwecks Entwendung des Passepartout, um in Stalders Zimmer nach Indizien zu suchen und so die Schwiegertochter zu überführen, weist nichts auf den Verbleib des abhanden gekommenen Seniors hin. Es ist die totale «Ufruehr im Sunnmattli». Bis der Postbote eines Tages dem Fräulein Aeberli eine Ansichtskarte von fernen Ufern überreicht: Der Stalder ist klammheimlich ausgebüxt und befindet sich auf einem Kreuzfahrtschiff. Dem betagten Herrn wurde der Alltag in der Seniorenresidenz und das Schwiegertochter-Genörgele zu viel. So war es ihm ein Leichtes, sein Geld von der Bank abzuheben, dem Pfleger sein Telefon einzusacken – das ohne Ladekabel nicht ewig hält – und das Weite zu suchen. Dem Inhalt der Karte nach kann das ein paar Monate dauern, jedenfalls so lange, bis Fredi Stalder sein Geld verprasst habe.

Singspiel aus eigener Feder
Die Rollen wurden den Protagonisten von Barbara Strickler auf den Leib geschrieben. Trotzdem brauchte es seine Zeit, bis bei den ersten Proben die Texte ihre definitive Form fanden und die Schauspieler mit dem Skript arbeiten konnten. Geprobt wurde schon Monate vorher, manchmal ging das bis in die frühen Morgenstunden, wie Vereinspräsident Robert Baier ausführt. Gedankt wurde es dem Chor mit vollem Haus und viel Applaus.

Nachdem die Chorleiterin Andrea Stahlberger den Verein verlassen hatte, um neue Wege zu beschreiten, konnte der gemischten Chor Samstagern den Dirigenten Lev Vernik für sich gewinnen. Für dieses Singspiel wurden zahlreiche bekannte Lieder einstudiert. Zudem erblickte der «Sunnmattli-Swing» das Licht der Welt, eine Zusammenarbeit von Lev Vernik (Musik) und Barbara Strickler (Text), eine Weltpremiere auf den Bühnenbrettern des Haaggeri-Saales.

Dass die Tombola im Foyer jeweils so umfangreich stattfinden konnte, war den grosszügigen Spenden von Sponsoren und Vereinsmitgliedern geschuldet. Der Erlös kommt dem Gemischten Chor Samstagern zugute. (rb) 

www.gemischterchor-samstagern.ch