Im Juni zieht die katholische Kirche an vielen Orten mit ihren Fronleichnamsprozessionen durch Strassen und Plätze. «Fronleichnam» tönt ungewöhnlich und meint «Fest des Leibes des Herrn». Manche Menschen bleiben stehen und schauen neugierig zu. Andere fragen sich vielleicht: Warum trägt die Kirche ihren Glauben öffentlich auf die Strasse? Gehört Religion heute nicht eher ins Private?
Diese Frage ist gut nachvollziehbar. Wir leben in einer Zeit, in der viele Dinge sehr persönlich geworden sind – auch der Glaube. Manche Menschen sprechen kaum noch darüber. Andere haben Sorge, mit religiösen Überzeugungen aufzufallen. Umso ungewöhnlicher wirkt eine Prozession mitten im öffentlichen Raum.
Und doch steckt gerade darin eine tiefe Botschaft.
Ich komme aus Indien. Dort ist Religion selbstverständlich Teil des Alltags. Menschen unterschiedlicher Religionen zeigen öffentlich, woran sie glauben. Feste, Prozessionen, Gebete und religiöse Zeichen prägen das Leben vieler Städte und Dörfer. Religion ist sichtbar und hörbar. Sie gehört zum Leben der Menschen dazu.
Als ich nach Europa kam, erlebte ich eine andere Kultur. Hier wird der Glaube oft stiller gelebt. Viele Menschen tragen ihren Glauben im Herzen, aber selten nach aussen. Gleichzeitig spüre ich aber eine grosse Sehnsucht: die Sehnsucht nach Sinn, Orientierung und Hoffnung.
Gerade deshalb berührt mich das Fronleichnamsfest besonders.
Denn Fronleichnam bedeutet: Gott bleibt nicht hinter Kirchenmauern verborgen. Christus geht hinaus zu den Menschen. Die Kirche trägt die Monstranz nicht durch die Strassen, um Macht zu zeigen oder Aufmerksamkeit zu suchen. Sie tut es aus einer inneren Überzeugung heraus: Gott begleitet die Menschen auf ihren Wegen.
Die Prozession führt nicht zufällig mitten durch den Alltag – vorbei an Häusern, Geschäften, Cafés und Strassen. Dort leben Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen. Dort erleben sie Freude, Krankheit, Einsamkeit oder Überforderung. Der christliche Glaube möchte nicht nur im Gottesdienst stattfinden, sondern mitten im Leben gegenwärtig zu sein.
Vielleicht ist diese Botschaft heute aktueller denn je.
Wir leben in einer Zeit voller Informationen, aber oft mit wenig innerer Ruhe. Viele Menschen fühlen sich trotz digitaler Vernetzung allein. Die Gesellschaft wird schneller, leistungsorientierter und manchmal auch kälter. Fronleichnam setzt dazu einen stillen Gegenakzent. Die Prozession unterbricht den Alltag. Sie erinnert daran, dass der Mensch mehr ist als Leistung und Konsum.
Wer eine Prozession beobachtet, sieht keine perfekten Menschen. Dort gehen junge und alte Menschen, Familien, Kinder und Senioren gemeinsam. Manche glauben fest, andere suchen noch. Aber gemeinsam machen sie sichtbar: Der Mensch lebt nicht nur von dem, was er besitzt, sondern auch von dem, was ihm innerlich Halt gibt.
Mich bewegt dabei besonders ein Gedanke: Im christlichen Glauben geht Gott den Menschen entgegen. Im christlichen Glauben wartet Gott nicht in weiter Ferne. Er macht sich auf den Weg zu den Menschen. Genau das wird an Fronleichnam sichtbar.
Natürlich werden manche Menschen mit einer Prozession wenig anfangen können. Das gehört zu einer freien Gesellschaft dazu. Aber vielleicht bleibt trotzdem etwas zurück: ein Gedanke, eine Frage oder ein kleiner Moment der Hoffnung.
Vielleicht fragt sich jemand:
Was trägt mich eigentlich im Leben?
Woraus lebe ich?
Und was gibt mir Hoffnung, wenn vieles unsicher wird?
Als Priester erlebe ich immer wieder, dass Menschen nicht nur Antworten für den Verstand suchen. Sie suchen Trost, Orientierung und Gemeinschaft. Sie möchten spüren, dass ihr Leben einen tieferen Sinn hat.
Darum trägt die Kirche ihren Glauben auf die Strasse. Nicht, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern um ein Zeichen zu setzen: Gott ist mitten unter den Menschen. Nicht fern vom Alltag, sondern mitten in unserem Leben.
Ihr Vikar Agil Raju
Im Juni zieht die katholische Kirche an vielen Orten mit ihren Fronleichnamsprozessionen durch Strassen und Plätze. «Fronleichnam» tönt ungewöhnlich und meint «Fest des Leibes des Herrn». Manche Menschen bleiben stehen und schauen neugierig zu. Andere fragen sich vielleicht: Warum trägt die Kirche ihren Glauben öffentlich auf die Strasse? Gehört Religion heute nicht eher ins Private?
Diese Frage ist gut nachvollziehbar. Wir leben in einer Zeit, in der viele Dinge sehr persönlich geworden sind – auch der Glaube. Manche Menschen sprechen kaum noch darüber. Andere haben Sorge, mit religiösen Überzeugungen aufzufallen. Umso ungewöhnlicher wirkt eine Prozession mitten im öffentlichen Raum.
Und doch steckt gerade darin eine tiefe Botschaft.
Ich komme aus Indien. Dort ist Religion selbstverständlich Teil des Alltags. Menschen unterschiedlicher Religionen zeigen öffentlich, woran sie glauben. Feste, Prozessionen, Gebete und religiöse Zeichen prägen das Leben vieler Städte und Dörfer. Religion ist sichtbar und hörbar. Sie gehört zum Leben der Menschen dazu.
Als ich nach Europa kam, erlebte ich eine andere Kultur. Hier wird der Glaube oft stiller gelebt. Viele Menschen tragen ihren Glauben im Herzen, aber selten nach aussen. Gleichzeitig spüre ich aber eine grosse Sehnsucht: die Sehnsucht nach Sinn, Orientierung und Hoffnung.
Gerade deshalb berührt mich das Fronleichnamsfest besonders.
Denn Fronleichnam bedeutet: Gott bleibt nicht hinter Kirchenmauern verborgen. Christus geht hinaus zu den Menschen. Die Kirche trägt die Monstranz nicht durch die Strassen, um Macht zu zeigen oder Aufmerksamkeit zu suchen. Sie tut es aus einer inneren Überzeugung heraus: Gott begleitet die Menschen auf ihren Wegen.
Die Prozession führt nicht zufällig mitten durch den Alltag – vorbei an Häusern, Geschäften, Cafés und Strassen. Dort leben Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen. Dort erleben sie Freude, Krankheit, Einsamkeit oder Überforderung. Der christliche Glaube möchte nicht nur im Gottesdienst stattfinden, sondern mitten im Leben gegenwärtig zu sein.
Vielleicht ist diese Botschaft heute aktueller denn je.
Wir leben in einer Zeit voller Informationen, aber oft mit wenig innerer Ruhe. Viele Menschen fühlen sich trotz digitaler Vernetzung allein. Die Gesellschaft wird schneller, leistungsorientierter und manchmal auch kälter. Fronleichnam setzt dazu einen stillen Gegenakzent. Die Prozession unterbricht den Alltag. Sie erinnert daran, dass der Mensch mehr ist als Leistung und Konsum.
Wer eine Prozession beobachtet, sieht keine perfekten Menschen. Dort gehen junge und alte Menschen, Familien, Kinder und Senioren gemeinsam. Manche glauben fest, andere suchen noch. Aber gemeinsam machen sie sichtbar: Der Mensch lebt nicht nur von dem, was er besitzt, sondern auch von dem, was ihm innerlich Halt gibt.
Mich bewegt dabei besonders ein Gedanke: Im christlichen Glauben geht Gott den Menschen entgegen. Im christlichen Glauben wartet Gott nicht in weiter Ferne. Er macht sich auf den Weg zu den Menschen. Genau das wird an Fronleichnam sichtbar.
Natürlich werden manche Menschen mit einer Prozession wenig anfangen können. Das gehört zu einer freien Gesellschaft dazu. Aber vielleicht bleibt trotzdem etwas zurück: ein Gedanke, eine Frage oder ein kleiner Moment der Hoffnung.
Vielleicht fragt sich jemand:
Was trägt mich eigentlich im Leben?
Woraus lebe ich?
Und was gibt mir Hoffnung, wenn vieles unsicher wird?
Als Priester erlebe ich immer wieder, dass Menschen nicht nur Antworten für den Verstand suchen. Sie suchen Trost, Orientierung und Gemeinschaft. Sie möchten spüren, dass ihr Leben einen tieferen Sinn hat.
Darum trägt die Kirche ihren Glauben auf die Strasse. Nicht, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern um ein Zeichen zu setzen: Gott ist mitten unter den Menschen. Nicht fern vom Alltag, sondern mitten in unserem Leben.
Ihr Vikar Agil Raju