Richterswil

Mit Herzblut für den Verein im Einsatz

Martin Felger ist seit seinem 6. Lebensjahr beim Turnverein Richterswil und organisiert jeweils das «Schnellste Richterswiler»-Rennen, welches dieses Jahr im Rahmen der Jubiläumsfeier des TVR stattfand.

Interview & Bild: Reni Bircher

Martin, Du gehörst nach Mitgliedsjahren zum Urgestein des TVR. Was hält Dich dort?
Mir sagt das Polisportive zu, einen «Einzelsport» zu betreiben wäre mir zu langweilig. Zudem gefällt mir das Zusammensein mit anderen Menschen, auch neben dem Sportplatz, was das Vereinsleben eben mit sich bringt.

Gibt es denn noch weitere Turnbegeisterte, welche Du aus der Schulzeit kennst?
Tatsächlich habe ich mit einem Turnkollegen die Schulbank der 1.–3 Klasse gedrückt, und wir sind jetzt noch sieben Personen, welche seit meinem Eintritt in die Aktivriege den «Ur-Kern» bilden.

Du organisierst seit mehreren Jahren den Wettkampf um den schnellsten Richterswiler, die schnellste Richterswilerin.
Im 2011 haben wir den schnellsten Richterswiler das erste Mal durchgeführt. David Dollé war damals noch Schweizer Rekordhalter auf 100 m und war als Ehrengast dabei. David ist unter anderem in Richterswil aufgewachsen, war hier auch im Turnverein und wir waren in der gleichen Klasse. Das Wettrennen ist eine Möglichkeit für den Verein, sich nach aussen zu öffnen und Einblick in unser Tun zu gewähren.
Spannend ist jedesmal, dass ein paar Wochen vor dem Anlass Eltern mit ihren Kindern vorbeikommen, welche nicht im Turnverein sind, um den Start zu üben. Die Kinder bereiten sich auf den Wettlauf vor, wirklich super. Also, vor allem die «Kleinen».

Du meinst die jungen Jahrgänge?
Ja. Schade, dass diese Begeisterung und der Feuereifer nicht anhalten, wenn sie in die Oberstufe kommen. Da machen fast nur Vereinsmitglieder mit.

Woran liegt das?
Wir haben festgestellt, dass bei den Älteren der Gewinnfaktor stärker gewichtet wird als der Spass am Dabeisein. Wenn also jemand sportlich Aktives mitmacht, dann wollen andere nicht mitlaufen, weil sie sich eine kleinere Gewinnchance ausmalen.
Diese Entwicklung bedauere ich sehr.

Wie könnte das Interesse in der Oberstufe für eine Teilnahme geweckt werden?
Wir versuchen schon seit Jahren Gegensteuer zu geben, aber wir kommen einfach nicht an die Jugendlichen heran. Da müsste wohl viel Zeit investiert werden, vielleicht in Zusammenarbeit mit der Schule, um die oberen Jahrgänge zu motivieren.
Das war zu meiner Zeit anders, da hat man häufig mitgemacht, weil ein Kollege dabei war. Sportlich war ich damals nie wirklich gut, aber immer überall mit dabei *lacht*

Das Jubiläumsfest könnte da womöglich als «Öffentlichkeitsarbeit» betrachtet werden …
Schon möglich. Üblicherweise begleiten Eltern oder Verwandte die Kinder zum Wettlauf, doch diesmal durfte er noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, weil er mitten im Dorf stattfand.

Dazu habt Ihr extra eine dreispurige Tartanbahn auf der Dorfstrasse aufgebaut.
Die wurde uns vom Schweizer Turnverband (STV) gestellt und wiegt ca. 3,2 Tonnen. Das sind Tartanbahn-Rollen von über einem Meter Breite und 20 Metern Länge, jede davon bringt 200 Kilogramm auf die Waage. Diese müssen auf der Strasse ausgelegt und mit Klebeband fixiert werden.
Weil die Bahnen vor der Nutzung noch liegen muss, hat unser Samstag bereits um 5.30 Uhr angefangen.

Die Organisation des Jubiläumsfests des TVR war eine grosse Aufgabe …
… die ein aus 13 Leuten bestehendes Organisationskomitee bewältigt hat.
Hinzu kamen Helferinnen und Helfer, welche am Freitag und Samstag 150 Arbeitsschichten abdecken mussten.

Wie lange wart Ihr mit der Organisation beschäftigt?
Seit anderthalb Jahren.
Das fing damit an, dass wir mit der Gemeinde abgeklärt haben, ob ein zusätzlicher Anlass möglich ist. Da war die Zusammenarbeit sehr gut, nur mit der Einholung von Bewilligungen und welche Vorkehrungen für ein solches Event getroffen werden müssen, das ist gewaltig.

Am Festtag brachte sich die OL-Gruppe ­Zimmerberg mit ein, welche ebenfalls ­Jubiläum feierte.
20 Jahre OLZ. Anschliessend an den «schnellsten Richterswiler» führten sie im Dorfkern einen Orientierungslauf durch.
Dann fand um das Gemeindehaus eine Plausch-Olympiade für Familien statt, kleinere Events für Kinder, und selbstverständlich wurde eine Festwirtschaft betrieben.

Nicht zu vergessen die Einweihung einer neuen Vereinsfahne.
Das mag für manche ein antiquierter Brauch sein, hat aber sehr viel mit Tradition zu tun, welche es meiner Meinung nach unbedingt zu erhalten gilt.
Wir haben das innerhalb des Vereins abgeklärt, ob wir in eine neue Fahne investieren sollen, denn das kostet nicht gerade wenig. Aber selbst die jungen Turner waren von der Idee begeistert, also haben wir eine Gruppe zusammengestellt, welche eine neue Vereinsfahne kreiert hat.

Warum dann eine neue Fahne?
Unsere alte war schon 50 Jahre alt und in solch schlechtem Zustand, dass wir sie nicht einmal mehr am eidgenössischen Turnfest 2025 mitnehmen konnten, sondern nur eine «Kopie».
Am Jubiläumsfest hat unser ehemalige Fähnrich «Fidi» Künzler die alte Fahne ein letztes Mal durch das Dorf getragen, er war vor 50 Jahren Fähnrich und hatte damals diese Fahne eingeweiht – das einzig Alte an der neuen Fahne ist die Fahnenstange, einer der längeren der Schweiz, so sieht man Richterswil immer zuerst *schmunzelt spitzbübisch*.
Dem langjährigen Mitglied und aktuellen Fähnrich Andi Höchner und mir war es denn vergönnt, die neue Fahne zu enthüllen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit dem Aufziehen auf der Stange wird die alte verabschiedet und die neue Vereinsfahne empfangen.
Traditionen sind mir wichtig, und ich finde es schön, dass diese in der Schweiz noch überall gepflegt und gelebt werden. Man hat dies an der Fahnenweihe von A–Z gespürt. Von den Vertretern des ZTV über die Gemeindebehörde und Vereine, bis zum zahlreich erschienenen Publikum hatten wohl alle Freude an diesem Festakt.

Du hast zum Schluss der Fahnenweihe Dein neues Hobby vorführen dürfen …
Ich spiele seit etwa einem Jahr Alphorn und fand, dass bei einem traditionellen Anlass wie einer Fahnenweihe ein Musikstück auf einem ebenfalls traditionellen Instrument gespielt noch passen würde. Zwischendurch ist mir zwar fast die Puste ausgegangen … mein Tag hat ja schon um 4.00 Uhr begonnen …

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