Richterswil

Kantorinnen begeistern mit Prüfungskonzert

Mit einem abwechslungsreichen Programm zwischen Romantik und Moderne füllten Maayan Baram und Flurina Ruoss die reformierte Kirche Richterswil bis auf den letzten Platz. Am Ende bestanden beide Musikerinnen ihre Masterprüfung in Chorleitung mit grossem Erfolg.

Zwei junge Kantorinnen füllten die reformierte Kirche Richterswil bis auf den letzten Platz. Am 31. Mai 2026 fand das Prüfungskonzert von Maayan Baram und Flurina Ruoss für den «Master of Arts in Chorleitung» statt. 120 Musikerinnen und Musiker standen auf der Bühne, darunter Laiensänger:innen, professionelle Solist:innen und ein grosses romantisches Orchester.
Unter dem Titel «Im Harren und Hoffen» widmete sich das Konzert der Sehnsucht, der Unsicherheit und der Hoffnung.
Beide Musikerinnen interpretierten je ein zeitgenössisches Werk und ein Werk des romantischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Zwei Frauen, zwei Epochen, zwei unterschiedliche Herangehensweisen.

Mit Absicht dissonant

Maayan Baram eröffnete den Abend mit «Verses of Love», einer Komposition der Engländerin Elisabeth Lutyens. Das A-cappella-Stück basiert auf und moderner Tonsprache und Rhythmik. Auf diese Weise schufen die Chorstimmen eine spannungsgeladene Atmosphäre im Kirchenraum.
Die Hymne op. 96 von Felix Mendelssohn Bartholdy setzte im Anschluss einen Gegenpol. Das Orchester machte den Auftakt, danach setzten die Solistinnen ein, bevor das Stück in einem gemeinsamen «Lasst uns ewig seiner Liebe freu’n» seinen gewaltigen Abschluss fand.
Maayan Baram, die das Werk dirigierte, arbeitet bereits mit verschiedenen Chören in der Schweiz und Israel, wo sie auch geboren wurde.
Chor musiziert mit Tassen

Erinnerungswürdig blieb auch der Auftakt der zweiten Konzerthälfte unter der Leitung von Flurina Ruoss. Die Chor- und Ensembleleiterin der reformierten und katholischen Kirche Richterswil ist am Zürichsee in Rapperswil-Jona aufgewachsen.
Ein greller, unbequemer Klang füllte die Kirche. Ein technischer Kurzschluss? Ein Handyton? Weder noch – ein gehaltener, hoher Orgelton. Danach ertönte ein Raunen vom Chor, das in Wellen aufwallte und nachliess. Mit dem Klopfen an ihren Tassen schufen die Sängerinnen und Sänger eine Geräuschkulisse, die einem Gewitter gleichkam.
Ruoss führte Sängerinnen, Sänger und Orchester durch eine Gefühlskulisse von Beklemmung zur Panik, bis Musikerinnen und Musiker und Publikum nach einem machtvollen Höhepunkt in die ersehnte Erlösung fanden.
Die Zürcher Komponistin Julia Germann (Jahrgang 1999) komponierte das eindrückliche Stück eigens für diesen Anlass, zum Zitat von Thomas von Aquin: «Omne autem imperfectum tendit in perfectionem» – Alles Unvollkommene jedoch strebt nach Vollendung.
Der nahtlose Übergang zu Mendelssohns op. 42 «Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser», entfachte Gänsehaut und führte stimmungsvoll in das romantische Werk, welches mit einem fulminanten Schlusssatz den imposanten Konzertabend beendete.
Das anwesende Expertenteam bestätigten den anhaltenden Applaus und die Standing-Ovation des Publikums: Beide Musikerinnen bestanden die Prüfung erfolgreich. (e)

Teilen mit: