Wädenswil

Wädenswil sehen – mit Ralf Turtschi

Ralf Turtschi ist leidenschaftlicher Fotograf und seit 2022 begeisterter Wädenswiler. Seine Freude an Wädenswil und seiner Umgebung zeigt sich in zahlreichen Fotografien. Seine Begeisterung für die schönen Landschaften, Gebäude, den See und weitere Sujets von Wädenswil und Umgebung wollte der passionierte Fotograf teilen und hat darum ein Buch verfasst mit dem Titel: «Wädenswil sehen»
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bild: zvg

Ralf Turtschi ist ein genauer Schaffer, der nicht ruht, bis sein Projekt die möglichst beste Form erreicht. Tagelang und zu allen Jahreszeiten ist er unterwegs, um mit professioneller Fotoausrüstung das ideale Bild einzufangen. Sein neustes Werk soll einen Einblick in sein umfangreiches Bildmaterial geben.

Werdegang

Ralf Turtschi wurde am 22. Mai 1955 in Neuhausen am Rheinfall geboren. Er machte eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Dabei ist seine Leidenschaft fürs Gestalten entstanden.
1986 machte er sich selbständig und gründete eine Agentur für Visuelle Kommunikation, deren Inhaber er 30 Jahre lang war. Die Agentur war im Bereich Corporate Design tätig, gestaltete Erscheinungsbilder, Werbemittel, Verpackungen, Broschüren und Magazine und arbeitete dazu auch mit professionellen Fotografen zusammen.

Ein Neuanfang und das Erlebnis Wädenswil

Im September 2022 wagten Ralf Turtschi und seine Frau einen Neuanfang in Wädenswil, nachdem sie dreissig Jahre lang in Adliswil und Thalwil gelebt hatten.
«Schon damals haben wir immer mit dem E-Bike die Gegend erkundet. Wir haben einen engen Bezug zum Naherholungsraum vom Sihlwald, über den Zimmerberg, bis zum Etzel. Wir kennen sozusagen jeden Stein und finden die Gegend wunderschön», erinnert er sich. «Meine Coiffeuse schwärmte schon immer von Wädenswil und den Menschen hier. Jetzt habe ich diese Erfahrungen selber gemacht. Nach drei Monaten hier kannte ich schon mehr Leute als in dreissig Jahren in Adliswil und Thalwil. Das hat wohl mit dem dörflichen Charakter zu tun. Man grüsst sich noch auf der Strasse. Ich fühle mich hier sehr wohl, es ist sensationell, wie die Leute hier miteinander umgehen!»

Frühe Leidenschaft für die Fotografie

Ralf Turtschi begann schon als Jugendlicher mit dem Fotografieren. «Seither bin ich Hobbyfotograf», sagt er.
Er engagierte sich jahrelang in der beruflichen Weiterbildung, war als Referent unterwegs und veröffentlichte fünf Fachbücher im typografischen Bereich. Seit den Nullerjahren beschäftigt sich Turtschi vermehrt mit der Fotografie. Während der Coronazeit veröffentlichte er sein erstes Buch im Eigenverlag zum Thema Fotografie. 2023 folgte das Werk «Fotobuchbuch», ein Buch, darüber, wie man Fotobücher auf Internetplattformen gestaltet.

Zum Buch «Wädenswil sehen»

Es begann mit Fragen, die sich Ralf Turtschi stellte: «Warum gibt es über Wädenswil kein Buch?» Es begann auch mit den Palmen. «Warum hat es hier Palmen?» Der Blick schärfte sich und plötzlich sah Ralf Turtschi lauter Palmen, die er selbstverständlich fotografierte. Der Blick schärfte weiter. Er sah die Vielfalt im Kleinen, wie im Grossen und eine nächste Frage stellte sich: «Was möchte ich alles vermitteln von dem, was sich mir in Wädenswil zeigt?»
Wädenswil sei ein Lebensraum. Das bedeute, dass es vieles zu entdecken gebe. Die Stadt, den See, das Land, die Drumlinlandschaft, die sich bis zum Hirzel erstreckt, oder die Landschaft um den Hüttnersee, hoch bis zum Gottschalkenberg.
«Es geht mir nicht um die Grenzen, denn ist man mit dem Bike unterwegs, fragt niemand nach den Grenzen der Gemeinden. Darum hat es auch ein paar Bilder, die in Horgen gemacht wurden. Ich zeige die Erholungsgebiete, welche sich bis nach Horgen (Aabachtobel) oder Richterswil (Horn) erstrecken. Schliesslich geht es um den Gross-Lebensraum Wädenswil.»

Konzept

Das Buch «Wädenswil sehen» ist sehr reichhaltig und vielschichtig. Folgte der Autor einem Konzept?
Als Fotograf zeige man jeweils nur die Oberfläche. «Ich taste mich als Gast an die Oberfläche heran. Ich tauche nicht tief in die Materie. Das Buch ist weder politisch noch wirtschaftlich orientiert, noch geht es um die Darstellung kulturellen Lebens. Ich will die Natur und die Schönheit dieses Lebensraums in die Wohnstuben bringen. Zum Beispiel auch zu den Menschen im Altersheim, die sich ansehen können, was alles in Wädenswil zu sehen ist, auch wenn sie nicht mehr selber alles erforschen können.
Das Buch soll als optischer Spiegel dienen und darauf aufmerksam machen, wie schön wir es hier haben, auch als Gegensatz zu den vielen negative Nachrichten, die momentan auf uns einprasseln. Ich will sagen: Es gibt nicht nur Krieg und Gewalt, sondern man kann rausgehen und so viel Schönes sehen!»
Blättert man durch das Buch, realisiert man, dass der Autor dem Leser beziehungsweise der Betrachterin sehr viel zeigen will.
Um alles zu gliedern, bietet er Schwerpunkte an: die Kernzone, die Aussenbezirke, die Halbinsel Au, Hügelzüge (Drumlin-Landschaft), Wasser – Wasserwelten, auch Weiher, die Sihl als ein beliebter Erholungsraum, Bäume. So haben sich 10 Ansichten herausgeschält – nicht Kapitel! Zu den zehn Ansichten erscheinen auch 10 Köpfe, zehn Menschen, die porträtiert werden. Es sind nicht die üblichen Prominenten von Wädenswil, obwohl auch Peter Ziegler darunter ist.
Dazu Ralf Turtschi: «Ich habe mir vorgenommen, 10 Personen zu Wort kommen zu lassen, die nicht bekannt sind. Es sollten Leute von der Strasse sein, Menschen, wie du und ich.»

Viele Bilder, wenig Text

«Wädenswil sehen» ist ein Bildband. Zu den 560 Bildern auf 304 Seiten gibt es Legenden, die dem Verfasser sehr wichtig sind: «Sie machen auf Details aufmerksam und erklären sie: ‹Schau! Das ist vor deiner Haustüre und du hast es vielleicht noch gar nie gesehen!› Ich leihe mein Auge der Betrachterin des Buches, nehme sie an der Hand, weise auf Muster und Strukturen hin, auf all das Faszinierende, das zu sehen ist. Das ist die Kraft der Fotografie! Über gewisse Themen schreibe ich auch. Da will der Journalist in mir zum Nachdenken anregen. So schaffe ich eine Symbiose mit dem Bild. Ich bin nicht nur Fotograf, sondern auch ein denkender Mensch. So denke ich über Grenzen nach, auch philosophische, über die Kraft der Ruhe in der Natur, in so hektischen Zeiten, wie wir sie heute kennen. Der Wald erfüllt mich mit seiner Grossartigkeit. Es gibt die menschliche Perspektive und die der Natur. Das Werden und Entstehen ist das Thema in der Natur und in der Gesellschaft.»
Die meisten Fotos für das Buch, sind ab 2022 entstanden. Sie haben einen konkreten Bezug zu Ralf Turtschis Vorhaben, dieses Buch zu machen. Ein kleiner Teil, etwa 10 Prozent, stammen aus den letzten 5 bis 6 Jahren.
Ralf Turtschi hat etwa 7000 Fotos gemacht. Für einzelne musste er bis zu drei Stunden einsetzen, bis er das «richtige» Bild im Kasten hatte.
Man gehe los mit einer Idee im Kopf. Fotografie sei Planung, Ausführung und Postverarbeitung. In der Nachbearbeitung lasse sich auch eine Fantasie einbringen, man könne etwas erzählen, eine Stimmung beeinflussen, eine Szene interpretieren. Das sei künstlerische Freiheit.
Diese bearbeiteten Bilder sind im Buch speziell gekennzeichnet. Es gibt aber auch authentische Bilder.

Assoziationen, Emotionen und Leidenschaft

Ralf Turtschis Arbeiten ist oft assoziativ: «Ich will das Schöne zeigen. Darin bin ich vielseitig. Dann offenbaren sich Themen, die mich zum Nachdenken zwingen und die wiederum zu neuen Sujets und auch Texten führen können.»
Es ist offensichtlich, dass in diesem Buchprojekt viele Emotionen und Leidenschaft drinstecken und natürlich sehr viel Zeit. Diese kann sich der Pensionär nehmen, um sich dem Nebel oder einem schönen Sonnenaufgang zu widmen oder die halbe Nacht an der Sihl zu sitzen und auf den richtigen Moment zu warten. Er arbeitet nicht spontan, sondern bereitet sich vor, hat ein Vorhaben, ein Bild im Kopf, das er einfangen will. Der Profi Turtschi nennt das spontane Fotografieren «knipsen». Er weiss, wann und wo er welche Ausrüstung braucht.

Die Schönheit der Welt und die künstlerische Freiheit

«Für mich ist die Fotografie eine Passion. Daran baue ich mich auf und freue mich auch an der Freude, die ich Leuten mit meinen Bildern machen kann. Ich will die Schönheit der Welt teilen.»

Herausforderungen

Es ist kein Leichtes, dieses sehr reichhaltige Buch zusammenfassend zu beschreiben. So ist es auch eine Herausforderung, ein Werk dieser Grösse und dieses Umfangs zu finanzieren.
Aber Ralf Turtschi wäre kein Selfmade-Man, wenn er sich nicht auch um die Finanzierung kümmerte. Er bemühte sich um Sponsoren und lancierte eine Kampagne, um den Vorverkauf anzukurbeln. 315 Bücher wurden seither bereits abgesetzt. Das Werk kostet 46 Franken, ein bewusst niedrig gehaltener Preis, denn möglichst viele sollen sich das Buch leisten können.
Ralf Turtschi ist sich bewusst, dass mit einem solchen Werk möglicherweise kein Gewinn zu erzielen ist.
«Mein Gewinn ist es», wie er sagt «wenn ich den Wädenswilerinnen und Wädenswilern mit meinem Buch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.»
«Dieses Buch ist keine Selbstverständlichkeit und auch kein Selbstläufer. Ich bin froh um die Unterstützung und Motivation von Menschen. Ich bin dankbar, dass es viele gibt, die mich stützten und aufbauten, vor allem, als ich Mühe hatte, die Finanzierung zustande zu bringen. Das hat mir sehr geholfen, denn ich leide, wenn ich ein Projekt nicht voranbringen kann.»
Am 12. März feierte «Wädenswil sehen» Buchvernissage im «Chic & Shabby» mit 80 geladenen Gästen.
Sein Verfasser hofft, dass das Buch «Wädenswil sehen» vielen Leuten eine Freude wird. n

Das Buch:
«Wädenswil sehen» von Ralf Turtschi, 304 Seiten gebunden, 20,5 x 27 cm, 560 Fotos, Eigenverlag, ISBN 978-3-033-09796-4, Sfr. 46.-.
Erhältlich bei Kafisatz, PaBa-Markt, A. Köhler, Foto-Tevy, Chic&Shabby.
Im Buchhandel oder direkt beim Verlag im Webshop: https://turtschi.medienwerkstatt-ag.ch

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