Wädenswil

Emmentaler rollte durchs Land

Noch nie wurde so wenig Emmentaler AOP verkauft, wie heute. Darum gab die Eyweid-Käserei in Zäziwil Gegensteuer und rollte publikumswirksam einen 100-kg-Laib durch die Schweiz. Am 25. Oktober machten Laib und Begleittross Halt im Weinbauzentrum – denn Käse und Wein, das passt ja bekanntermassen gut zusammen.

Text & Bild: Stefan Baumgartner

Bis der Käselaib in Wädenswil war, hatte er schon eine – in wahrsten Sinne des Wortes – bewegte Geschichte hinter sich. Gestartet am Samstagnachmittag mit einem Käsereifest in Zäziwil, war der Laib Maskottchen für die Tigers in der Ilfishalle, stattete bei Sempach Matthias, Schwingerkönig und Emmentaler-Milchlieferant, einen Besuch ab, rollte über die Luzerner Kapellbrücke und passierte schliesslich – wenige Stunden nach dem Schiff Schwyz, das vom Zuger- in den Walensee wechselte –, den Hirzel.
«Wädenswil lag also auf unserer Route, wir besuchten den Strickhof im Grüental und konnten den angehenden Lebensmitteltechnologen etwas über unseren Käse erzählen», sagte Lukas Liebendörfer von der Käserei Eyweid. Und zum Sinn der Aktion befragt, gab er gerne Auskunft: «Wir produzieren Emmentaler in fünfter Generation, doch noch nie wurde so wenig Emmentaler AOP produziert. Doch statt jammern wollten wir etwas machen für den Käse!» Und so entstand die Idee vom Käserollen. «Wir fragten uns: Wo können wir hinrollen? Und so rollen wir vom Entstehungsort, bis hin in den Laden unseres Vertriebspartners in Winterthur.» In Wädenswil kamen die Käseroller nach dem Besuch im Grüental in den Genuss einer Verköstigung mit Dreistand-Weinen – ein willkommene Pause, nachdem in der Inner- und Zentralschweiz Regen vorherrschte und der Hirzel bezwungen werden musste. Weinbauzentrum-Geschäftsleiter Martin Wiederkehr und Kellermeister Thierry Wins kredenzten Sauvignon Blanc, Souvignier Gris, Cabernello und auch einen Gewürztraminer vom Zürichsee, der schon einige Jahre gereift ist.
Schliesslich rollte der Käse weiter Richtung Zürich und war dort in aller Munde.

Warum wird aktuell so wenig Emmentaler AOP produziert? Nach dem Ende der Käseunion konnten die Käsereien nur noch so viel Emmentaler AOP produzieren, wie auf dem Markt nachgefragt wurde. Das führte zu einem massiven Rückgang. Beim Export wirken sich auch das hohe Schweizer Preisniveau und der starke Franken negativ aus. Die Konkurrenz aus dem Ausland ist gross. In Frankreich, Deutschland und vielen anderen Ländern gibt es Grosskäsereien, die ihr Produkt ebenfalls als «Emmentaler» verkaufen dürfen. Sie unterliegen weniger strengen Vorgaben als die Produzenten des originalen Emmentaler AOP. Bei diesem darf zum Beispiel die Distanz zwischen Milchlieferant und Käserei maximal 20 Kilometer betragen, die Milch muss innert 24 Stunden verarbeitet werden, die Kühe haben mehr Auslauf und der Käse muss vor dem Verkauf mindestens vier Monate gelagert werden.

Der Zusatz «AOP», den das Original dafür tragen darf, fällt vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht auf. Sie sehen einzig, dass das Original deutlich mehr kostet als die Kopien.

Existierten 1999 noch 519 Emmentaler-Produktionsbetriebe, sind es heute nur noch 95. Auch die produzierte Menge von Emmentaler AOP ist so tief wie noch nie: Sie ging innert zehn Jahren von gut 24 000 Tonnen pro Jahr auf unter 15 000 Tonnen zurück.

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