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Der Schweizer Soulstar Seven ist Headliner am Arx-en-ciel-Openair

Am 9. Juli wird’s laut in Wädenswil: Ein weiteres Arx-en-ciel füllt den Seeplatz mit Musikfans und beschallt die Stadt. Headliner ist der Schweizer Soulsänger Seven. Wir konnten ihm einige Fragen stellen.

Interview: Stefan Baumgartner; Bild: zvg

Sowohl Du wie auch das Arx-en-ciel-Openair feiern dieses Jahr das 20-Jahr-Jubiläum. Hand aufs Herz: Hast Du von diesem Openair vor diesem Engagement je gehört?

Ich bin eine ehrliche Haut und habe dieses Festival noch nie gespielt. Leider war ich auch als Besucher noch nie vor Ort, aber ich freue mich sehr. Ich habe mir, als wir die Einladung bekommen haben, einige Fotos angesehen und:  Wow! – das ist ja wunderschön bei Euch!

Gehören Engagements auf solch kleinen Bühnen zum Pflichtprogramm – oder freust Du Dich auf Wädenswil? 

Pflichtprogramm? Ich verstehe die Frage nicht. Ich übe diesen Beruf seit 20 Jahren aus und freue mich auf jedes Konzert und bin sehr dankbar, darf ich von der Musik leben. Jeder Gig ist anders. Ganz besonders schön finde ich es auch immer wieder, neue Festivals zu spielen und Orte zu entdecken. Deshalb sind solche «erste Dates» immer etwas ganz besonderes, weil man keine Ahnung hat, wie das Publikum reagiert und wen man vor der Bühne empfangen darf.

Seit einiger Zeit schreibst Du Deine Songs auf Deutsch. Was hat Dich dazu bewogen vom Englischen wegzukommen? War das auch ein «wirtschaftlicher» Entscheid zugunsten des deutschen Publikums?

Vor sechs Jahren habe ich Nenas 99 Luftballons im deutschen Fernsehen gecovert und das hat so Spass gemacht, und der Gedanke, auch eigene Songs zu schreiben, liess mich irgendwie nicht mehr los. Wirtschaftlich ist diese zweite Sprache im Gepäck zu haben kein «schlauer» Move, sondern wie immer aus einem inneren Trieb entstanden. Musik mit deutschen Texten hat es am Radio aktuell nicht leicht, und in der Schweiz ist es noch viel schwieriger. Hinzu kommt, dass es sehr riskant ist, dem Publikum nach 20 Jahren eine zweite Sprache zuzumuten. Aber ich musste immer meinem Herzen folgen. So war es und so wird es immer bleiben *lacht*.

Wie reagierten Deine Schweizer Fans darauf?

Natürlich gab es auch Stimmen, die sich mit den deutschen Tex-
ten nicht anfreunden konnten, und andere haben etwas Zeit gebraucht. Ich habe in den 20 Jahren auf keinen meiner bisher 298 veröffentlichten Songs jemals so viel emotionales und persönliches Feedback be-kommen, wie auf die deutschen Songs. Das hat mich regelrecht überrollt und habe ich überhaupt nicht erwartet, weil ich das so nicht kenne. Wenn man die Musik und Texte mag, dann ist die Bindung durch die Nähe der Sprache viel intensiver, intimer und persönlicher als auf Englisch. Ich mag beides sehr und bin nun sehr glücklich, beide Stifte in meinem Etui zu haben.

Wo findest Du Inspiration für Deine Songs?

Wenn andere zum Therapeuten gehen oder mit dem besten Freund eines trinken, dann schütte ich mein Herz oft zuerst meinem Stift aus. Ich kann da vieles verarbeiten und wie ein Tagebuch einfrieren und mich komplett ausziehen. Musik ist mein Ventil, mein Lehrer, aber auch der Ort, wo ich komplett bei mir bin. Wenn andere bei der Meditation ihre Mitte finden, dann bin ich genau in diesem Zustand, wenn ich singe.

Du stammst aus einer Musiker­familie: Wäre auch eine Karriere in einer anderen Musikstilrichtung eine Option gewesen? Oder welche Musik­richtung haben sich Deine Eltern für Dich vorgestellt?

Mein Weg wäre bestimmt anders verlaufen, wenn ich meinen Eltern die Liebe und Leidenschaft zur Musik hätte erklären müssen. Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, war voll mit Musik. Meine Mutter gab Klavier- und Flötenunterricht im Erdgeschoss, im Dachstock gab mein Vater Gesangsunterricht und im Keller war der Schlagzeugraum meines Bruders. Ich begann mit der Geige, als ich sieben war und fand dann mit zwölf sehr schnell durch Michael Jackson zu meiner grossen Liebe Soul/Funk&Pop. Meine Eltern wussten bald, dass man mich nicht in eine Richtung drängen kann.

Wenn Du keinen Erfolg in der Musikbranche gehabt hättest: Was wäre aus Seven geworden?

Keine Ahnung. Ich denke, ich wäre ohne meine Stimme trotzdem irgendwo im Bereich Unterhaltung gelandet. Showkonzepte oder Regie, aber vielleicht auch in einer Agentur oder in der Werbung oder beim Film hinter der Kamera. Ich liebe es, Menschen zu beobachten, sie auf eine Reise mitzunehmen und zu antizipieren, was Emotionen auslösen und was nicht. Ich liebe Geschichten über alles.

Wo fühlst Du Dich wohler: im Studio oder auf der Bühne?

Ich brauche beides. Sich fürs Songwriting zu vergraben, ohne je daran zu denken, wer diese Songs jemals hört und ob diese überhaupt veröffentlicht werden. Danach alles perfekt vorzubereiten und eine Show mit allem, was dazugehört, zu konzipieren – ich liebe beides. Ich habe eine tolle Crew, die einfach auf jeder Position top und mein grösster stolz ist. Mit ihnen allen unterwegs zu sein und das mit den Fans zu teilen ist die Krönung und die Wirbelsäule meines Schaffens.

Wie geht es mit Seven weiter? Was ist Dein neuestes Projekt?

Momentan bin ich mit meinem neuen Album auf Festival-Tour in der Schweiz und ab Oktober in Deutschland auf Tour. Im Frühjahr 2023 hängen wir noch eine Club-Tour in der Schweiz an. Ich schreibe viel und arbeite auch stetig an neuen Konzepten und Ideen. Bei mir ist das Problem, dass ich zu viele Ideen habe. Aussortieren ist das, was ich am wenigsten gern mache in meinem Beruf.

Openair Arx-en-ciel
18.00 Uhr: Audiodelikt
19.45 Uhr: Count Daisy
22.00 Uhr: Seven
00.15 Uhr: Samora
Samstag, 9. Juli, Seeplatz Wädenswil

https://www.arxenciel.ch/

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