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Geist des «Ugly» kehrt zurück nach Richterswil

Vor 50 Jahren öffnete das «Ugly» in der alten Zinggeler-Villa an der Seestrasse seine Türen und schrieb damit Kultur- und Kunstgeschichte. Gründer Ueli Steinle orientierte sich dabei an den Londoner Musikclubs, und das «Ugly» wurde schon bald zum Treffpunkt der Tanzfreudigen und Musikgrössen der Welt. ­Steinle hat zusammen mit dem Ortsmuseum eine Ausstellung auf die Beine gestellt, um diese Epoche nochmals aufleben zu lassen.

Text: Reni Bircher, Bilder: zvg

Der Industrielle Rudolf Zinggeler erbaute 1892/93 neben seiner Seidenzwirnfabrik das rote Backsteinhaus. Seit der aufwändigen Renovation 2010 – im selben Jahr fiel die nebenstehende geschichtsträchtige Fabrik während dem Umnutzungsbau einem verheerenden Feuer zum Opfer – dient die Richterswiler Fabrikantenvilla als Luxusresidenz. 

Ab 1970 jedoch wurde das Gebäude seinem maroden Zustand nach und nach entrissen und avancierte als Privatclub «Ugly» des damals 25-jährigen Ueli Steinle zum Eventtempel schlechthin. Der gelernte Handelsfachmann, Lebenskünstler, Liebhaber guter Küche und begeisterte Musikfan traf mit seiner Vision den Nerv der Zeit und schuf einen Ort, wie er schweizweit nicht zu finden war.

Nicht nur feierfreudiges Jungvolk zog es von weit her ins «Ugly», sondern auch zahlreiche Prominente fanden nach ihren Konzerten den Weg in die Seegemeinde: Carlos Santana, Pink Floyd, David Bowie, Queen, die Rolling Stones, Gianna Nannini, Udo Jürgens und Udo Lindenberg, Emersen Lake & Palmer, Al Jarreau, Cat Stevens… die Liste liesse sich ewig weiterführen. Manche von ihnen wohnten gar zeitweilig im obersten Stock der Villa, um sich ihrem neusten Musikprojekt zu widmen oder Ideen zu sammeln, so etwa Debbie Harry (Blondie). Das «Ugly» schrieb also irgendwie sogar Musikgeschichte.

Eigenwillig bis ins Detail

Auf die Frage, warum der Club ausgerechnet «Ugly», also «hässlich», getauft wurde, meint Steinle: «Damals wurde alles so grossspurig und ‹glänzend› propagiert, wie ‹Golden Life› oder ‹Rolls Royce Club›. In dieser Reihe wollte ich mich nicht einsortieren lassen, sondern die jungen Tanzfreudigen begeistern und anziehen. Mit dem Motto ‹Die Schönsten sind im Ugly› und unserem Konzept hat das ja auch ganz gut geklappt», zeigt er sich zufrieden.

Zusammen mit seiner damaligen Freundin, Judith Morf, gestaltete er in der Villa zwei Billardräume – hier mussten einige Promis dem Gastgeber beim Spiel unterliegen –, ein Pinballraum (Flipper), im ehemaligen Kohlekeller entstand ein Tanz- bzw. Konzertraum (mit Leinwand und JBL-Anlage) für 400 Leute. Auch der Schweizer Künstler H.R. Giger, Schöpfer der «Alien»-Figuren und späterer Oscar-Gewinner, gestaltete einen der Räume mit seinen typischen düster-verstörenden Bildern und Gestalten. Zu dieser Ehre gelangte der «Ugly»-Betreiber dank einer aussergewöhnlichen, wenn auch schwierigen Freundschaft, in deren Verlauf Steinle zu Gigers langjährigem Manager wurde.

Ueli Steinle.

Perfekter Gastgeber

Es sind nicht nur die besonderen Öffnungszeiten bis in die Morgenstunden an Wochenenden und Feiertagen, die Themenpartys, die ausgefallenen Buffets oder von Ueli Steinle selbst zubereiteten «Steaks en gros» nachts um 2 Uhr, die den Club so erfolgreich machten. Es ist eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Gästen, die Durchmischung und Begegnung zwischen «normalen» Partygängern mit Leuten aus der Kunst-, Musik- und Showbiz-Szene – und dem Gespür für Menschen und einem Flair für Visionen des perfekten Gastgebers. Jedoch vergehen auch solche Zeiten irgendwann, und der Nachtclub in der Zinggeler-Villa wurde 1990 geschlossen – nicht ohne nachfolgende Projekte in anderem Rahmen und neuen Lokalitäten. Ganz der umtriebigen Art von Ueli Steinle entsprechend.

Küche im Ugly.

Wiederauferstehung

Erstmals wird Ueli Steinle in beiden Stockwerken des Ortsmuseums in einer exklusiven und sehr persönlichen Retrospektive die Erfolgsstationen und Begegnungen im «Ugly» Tribut zollen, mit Bildern, Filmen, Texten und Musik. Auch der 110 Jahre alte Billardtisch aus China, an dem Tischmeister Steinle so manchen Herausforderer im Carambolagespiel besiegt hat, wird in den historischen Räumen zu besichtigen sein. Des Weiteren werden Giger-Exponate sowie der Fredy-Murer-Film «Second Celebration» über den Ausnahmekünstler gezeigt, und es entsteht ein Hommage-Raum mit Werken von Künstlern, die allesamt «Ugly»-Fans und Wegbegleiter sind, unter anderen Robert Christoph, Dimitri Horta, Marie-Antoinette Zürcher, Guido Varry Varesi, Selina Philip, Rene Fehr und Malu Grendene. Sie alle haben sich dazu bereit erklärt, die Ausstellung mit neuem kreativem Elan und Input aufleben zu lassen.

Neu trifft auf alt

Sogar im «Gamerbereich» tut sich was: Lorenz Kleiser, ein begnadeter Game-Student, hat ein Pacman-Ugly-Spiel gestaltet, denn dieses Spiel war über alle Jahre im Club sehr beliebt. «Ich möchte neue Tools, Gemälde und Initiativen mit dem Jubiläum verbinden», erklärt Steinle begeistert, «nur im ‹Erinnerungsmuseum› zu graben ist keineswegs meine Motivation.»

Für Ende August sind bereits Konzerte mit der Ugly-Revival-Band und verschiedenen Stars-in-Concert-Tribute-Shows auf dem Hornareal geplant (näheres dazu in einer späteren Ausgabe des RA). «Das ist dann mein persönlicher Beitrag zum 50-Jahre-Ugly-Jubiläum», offenbarte Ueli Steinle seinen Plan. Da werden viele Gäste aus der Schweizer Musik- und Partyszene erwartet. n

50 Jahre «Ugly» – eine Retrospektive: 20. August bis 19. September. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 10.00–18.00 Uhr.
Ortsmuseum Haus zum Bären, 

Dorfbachstrasse 12, Richterswil
Weitere Infos: www.ugly-club.ch

Ebenfalls auf der «Ugly»-Homepage können Wegbegleiter dieser Zeit ihre Erinnerungen mit der Community teilen.

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