Aktuell

E-Mobilität in der Praxis

Ende Februar informierte die Seegarage Müller AG in Horgen über Elektromobilität und deren verschiedenen Technologien. Dass die Garage dabei über die von ihr vertretene Modellpalette hinaussah und auch mit den beteiligten Partnern praktische Fragen zu Energie, Strom und dessen Verfügbarkeit beantwortete, machte den Abend besonders wertvoll.

Text: Stefan Baumgartner
Bild: zvg

Etwa 70 Interessierte konnte Markus Müller, Inhaber der Seegarage Müller AG, begrüssen. Der Anlass sei auf grosses Interesse gestossen, so dass sogar eine Warteliste bestanden habe, wie er später ausführte. «Die Umwelt scheint nicht jedem egal zu sein», stellte er fest, machte aber auch klar, dass heute nicht über Energiepolitik philosophiert werden soll. «Wir wollen einfach zeigen, was zurzeit auf dem Markt ist.» Und der Markt präsentierte sich 2019 so: Von 4,6 Mio. Personenwagen, die in der Schweiz unterwegs sind, haben lediglich 122 654 Autos einen alternativen Antrieb, sind also keine benzin- oder dieselangetriebene Fahrzeuge. Bis Mitte 2019 betrug der Anteil an neu zugelassenen Elektroautos in der Schweiz 3,6% und Hybride und Plug-In Hybride kamen auf einen Anteil von 7,1% – das ist neun Mal mehr als im Jahr 2018. Obwohl Elektroautos immer noch ein relativ kleiner Anteil aller neu zugelassenen Fahrzeugen in der Schweiz ausmachen, ist die Elektromobilität eindeutig auf dem Vormarsch und stellt dank stets verbesserter Technologie eine echte Alternative für Autofahrer dar.

Die «Roadmap Elektromobilität 2022» des Bundes verfolgt nun das Ziel, den Anteil der sogenannten «Steckerfahrzeuge» (reine Elektroautos und Plug-in-Hybride) bei den Neuzulassungen von Personenwagen bis ins Jahr 2022 auf 15 Prozent zu erhöhen. Da ist es sinnvoll, die verschiedenen Möglichkeiten der Elektromobilität zu kennen. So wurden die verschiedenen Hybrid-Systeme und der vollelektrische Antrieb vorgestellt, versehen mit Hinweisen, was die bei der Seegarage vertretenen Marken – Ford und Peugeot – zurzeit und künftig anbieten.

Lademöglichkeiten

Für Plug-in-Hybride und vollelektrisch betriebene Fahrzeuge braucht es Lademöglichkeiten. Dazu konnte Peter Gätzi von Brupbacher Gatti detailliert Auskunft geben. Vor allem empfiehlt sich, bereits vor dem Kauf eines Elektrofahrzeuges die Lademöglichkeiten und Stromkapazitäten abzuklären. 

Theoretisch kann ein Elektrofahrzeug an der normalen Haushaltsteckdose aufgeladen werden, das dauert jedoch relativ lange. Wenn es schneller gehen soll oder wenn mehrere Fahrzeuge geladen werden sollen – wie etwa in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses – ist der Beizug eines Elektroinstallateurs unumgänglich. 

Dazu kommt, dass das stromliefernde Elektrizitätswerk ein Lastenmanagement vorschreiben kann. Dieses sorgt dafür, dass sich die verfügbare Ladeleistung optimal auf alle zu ladenden Elektroautos verteilt und verhindert so Lastspitzen.

Anschaffungs- und Betriebskosten

Während die Anschaffungskosten für ein elektrobetriebenes Fahrzeug im Moment noch deutlich höher als für ein gleichwertiges, thermisch angetriebenes, Fahrzeug sind, sind die Energiekosten im Verbrauch deutlich auf Seite der Elektromobile. Werden für ein thermisch angetriebenes Fahrzeug etwa CHF 9.00 für 100 km fällig, kostet eine Ladung Strom für 100 km etwa CHF 2.95. Dazu kommen – je nach Wohnort – noch steuerliche Vergünstigungen. Oft kann auch gratis getankt und parkiert werden, ist man elektrisch unterwegs. Ausserdem hat ein Elektroauto weniger Verschleissteile.

Und die Reichweite?

Die verbauten Batterien werden ständig besser. Heute sind Reichweiten von 500 km und mehr möglich. Darüber hinaus werden für längere Fahrten verschiedene Apps angeboten, die eine Ferienreise bis ins Detail mit allen Ladepunkten planen kann.

Schliesslich stellten die Gemeindewerke Horgen sich und ihre Energieproduktion vor – damit auch Strom fliesst, wenn der E-Flitzer an der Dose hängt!

Hybridsysteme und Elektroantrieb

Mikrohybride: Die simpelste und zugleich irreführendste Form des Hybridantriebs. Mikrohybride haben nur eine Start-Stopp-Automatik an Bord und gewinnen etwas Energie beim Bremsen zurück. Der Verbrennermotor wird von der Elektrik – anders als bei allen anderen Hybridarten – nicht unterstützt. 

Mild-Hybrid: Mildhybrid-Fahrzeuge haben einen Elektromotor an Bord, der direkt auf den Verbrennermotor wirkt. Er ist jedoch zu schwach ausgelegt, um den Wagen alleine anzutreiben. Deshalb unterstützt die Elektrik den Verbrenner als eine Art elektrischer Turbolader und steigert so die Leistung.

Voll-Hybrid: Elektromotor und Batterie sind kräftig genug, um das Auto auch mal alleine anzutreiben, allerdings nur mit moderatem Gasfuss und über kürzere Distanzen. Die elektrische Energie gewinnt der Wagen hauptsächlich beim Bremsen. An der Steckdose lassen sich die Wagen nicht aufladen. Meist sind Voll­hybrid-Autos Benziner, doch auch die deutlich teurere Kombination aus Diesel- und Elektromotor ist möglich.

Plugin-Hybrid: Die im Vergleich zum klassischen Vollhybrid deutlich grössere Batterie lässt sich auch per Steckdose («Plug in») wiederaufladen. Plugin-Hybride können so grössere Distanzen rein elektrisch zurücklegen. 

Serieller Hybrid: Bei diesem Auto sorgt alleine der  Elektromotor für den Antrieb, zwischen Verbrennungs- und Elektromotor gibt es keine Verbindung. Der Verbrennermotor läuft nur gelegentlich, dann aber im optimalen Bereich, um per Generator Strom zu erzeugen. 

Elektroantrieb: Während ein Verbrennungsmotor bei der Kraftstoffverbrennung auf die Thermodynamik angewiesen ist, machen Elektromotoren diese Umwandlung, indem sie die elektromagnetischen Kräfte nutzen. Elektromotoren benützen Stator und Rotor (und deren gegenseitige Wechselwirkung), um Fahrzeuge anzutreiben. Darüber hinaus kann dieser Elektromotor als Generator fungieren, so dass beim Bremsen die Energie an die Batterie zurückgeführt und wieder aufgeladen werden kann. Die Batterie muss an einer externen Stromquelle geladen werden.