Aktuell Richterswil

Neuer Badibeizer mit konkreten Plänen

Die kommende Badesaison startet mit einem neuen Pächter in der Seebadi Richterswil. Wir wollten von Michel Péclard (Pumpstation Gastro GmbH) wissen, was seine Ideen und Ziele für den Restaurantbetrieb sind.

Text und Bild: Reni Bircher

Michel Péclard, neuer Beizer, Seebadi Richterswil

Wir treffen uns in Thalwil, dem Portofino, einem «seiner» Restaurants zu einem späten Lunch. Der Laden ist proppenvoll, was Michel Péclard an diesem Tag, zu dieser Zeit überrascht, doch sichtlich freut. Gerade noch kriegen wir einen Tisch, die Bedienung nimmt unsere Bestellung auf, und schon sprudelt es nur so aus dem Gastrobesitzer raus, wie sehr er sich auf das Projekt «Richterswiler Seebadi» freue. 

Als Seekind pendelte er fast täglich von Hurden nach Kilchberg, heute paddelt er manchmal in der Freizeit auf dem Seeweg hin und wieder daran vorbei. Die schöne, freie Lage, die optimale Grösse und die Nähe zum Dorf haben ihm schon immer gefallen, ein perfekter Ort, um dort seine Freizeit oder den Feierabend zu verbringen. Als er von mehreren Richterswilern darauf hingewiesen wurde, dass die Gemeinde ab kommender Saison den Gastrobetrieb neu besetzen will, da hat er sofort ein Konzept erarbeitet und sich bei den Behörden gemeldet.

Michel Péclard ist Inhaber der Pumpstation Gastro GmbH, welche schon diversen eher kleineren Restaurants neues Leben eingehaucht hat. Die meisten Betriebe befinden sind in der Umgebung Zürichsee. 

Chaot und Stratege

Er ist der Kreative, der mit den Ideen, die fast schon ins Uferlose driften – unermüdlich, wenn es darum geht, etwas Neues aufzuziehen und umzusetzen. Geschäftspartner Florian Weber bewahrt einen kühlen Kopf, wenn er sich mit Zahlen, Buchhaltung und Personalfragen herumschlägt; der Gegenpool in diesem Unternehmen, ohne den es nicht ginge. Über ihre Stellung im Betrieb findet Péclard klare Worte: «Florian ist der Superintelligente, ich bin der Chaot, der rumspinnt.» Sagt’s und schiebt sich etwas Salat in den Mund.

Für Péclard war rasch klar, dass er in der Badi am See mit Schweizer Möbeln arbeiten will, die man von früheren Badeanlagen kennt, möglichst unkompliziert und gemütlich. Bei jedem Projekt, das der ehemalige Hurdner anreisst, nimmt er zwei Bühnenbildner zur Besichtigung mit. Sie werden seine Ideen umsetzen. «Je schräger, desto besser – die lieben solche Herausforderungen», lacht er. Momentan sind die beiden Profis daran, das ganze Projekt aufzuzeichnen und auszuarbeiten. Eine Knacknuss stellt noch die Überdachung der Badibeiz bei Regenwetter dar. Aber auch dies wird sicher noch zur Zufriedenheit aller gelöst werden können.

Snacken und Speisen möglich

«Eine Badi gehört der Bevölkerung und dann musst du auf diese eingehen, denn schliesslich muss der Badigast glücklich sein.» Es hätte schon Leute gegeben, die ihm vorwarfen «langweilig» zu sein, aber: «Eine Badi funktioniert doch nicht ohne Hamburger, Pommes und Bratwurst. Die Leute wollen diese normalen, einfachen Sachen bekommen zu zahlbaren Preisen, und kein Curry süss-sauer essen.» Und die Kinder sollen am Kiosk ein tolles Glace kaufen können. 

Es sollen jedoch auch aufwändigere Speisen auf der Karte stehen, die zwar teurer sind, aber garantiert von hoher Qualität. «Wenn ich am Abend für 25 Franken Fischknusperli anbiete, dann ist das nicht zu viel, denn wir bieten nur hiesigen Fisch an, von ‹unserem› Zürichseefischer Adrian Gerny.» Auch die anderen Lebensmittel sollen möglichst regional produziert und eingekauft werden, denn: «nur so sind sie auch frisch und für uns vertretbar, sie dem Kunden anzubieten.» Aber das kostet halt etwas mehr. Dafür weiss aber auch jeder, woher die Ware kommt und wie damit umgegangen wurde. Das gilt vor allem auch für die Tiere, und in den eigenen Betrieben kommt nur Schweizer Fleisch auf den Teller. 

Kürzlich hat die Pumpstation Gastro GmbH bei einem Bauern Felder gekauft: «Dann kann ich nämlich sagen, was für Salat und Gemüse wir haben wollen», begeistert sich Péclard. Weine etwa aus Argentinien werden den Weg nicht auf die Karte finden. «Wir sind hier in der Schweiz und um uns herum sind die besten Weinregionen der Welt, es gibt keinen Grund anderweitig Wein einzukaufen.» 

Péclard reckt den Kopf, zeigt aus dem Fenster und sagt: «Dort drüben, am anderen Seeufer, produziert ein Winzer mehr oder weniger fast nur noch für uns einen herrlichen Rosé, sensationell. Wir brauchen 5000 Flaschen davon im Jahr.»

Wissen, was man hat

Beeindruckend ist die unnachgiebige Haltung und die Treue Péclards zu Menschen und Betrieben, die ehrlich, unverfälscht und offen sind. So zum Beispiel zur Brauerei Rosengarten in Einsiedeln; das war die einzige Firma, welche ihm beim Aufbau seines ersten Betriebes, der Pumpstation in Zürich, unkonventionell und rasch finanzielle Hilfe leistete. Als mit den Jahren andere Firmen merkten, wie erfolgreich Michel Péclards Betriebe sind, wollten sie sich ein Stück vom Kuchen abschneiden und boten besondere Konditionen und Boni. Ohne Erfolg. Péclard zeigt sich standhaft und nicht käuflich.

«Ich mag es, mit kleinen Firmen zu arbeiten und die mögen uns», erläutert mein Gegenüber und gibt seiner Freude Ausdruck, wie stolz er sei, dass etwa «sein» Fischer Adrian Gerny dank ihm jetzt sogar drei Angestellte beschäftigen könne. Péclard hat die viel zu seltene Gabe, sich vorbehaltlos für andere zu freuen.

Den Tag in der Badi ausklingen lassen

Die perfekte Lage zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und der grosse Parkplatz bieten sich dem Feierabendbesucher an: ein erfrischendes Bad und danach in aller Ruhe etwas Feines essen. Dadurch, dass sich in unmittelbarer Nähe keine Nachbarn befinden, könnte der Gastrobetrieb bis um Mitternacht offen sein, führt Michel Péclard aus. Er stellt sich das Badi-Restaurant auch als Anlaufstelle für Leute vor, welche mal auswärts speisen wollen, ohne dafür gleich ein Vermögen ausgeben zu müssen, und das natürlich mit traumhaftem Ausblick. Auf Partys will der Enthusiast verzichten, ebenso auf eine Dauerbeschallung auf der Terrasse. «Das braucht jetzt wirklich keiner.» Aber: «Die Menschen möchten doch gerne am See spazieren, sich hinsetzen, geniessen was direkt vor der Haustüre liegt. Dafür ist die Richti-Badi perfekt», ist er sich sicher.

Das Gespräch neigt sich dem Ende zu, noch immer herrscht im Portofino ein Kommen und Gehen. Im Zug denke ich über das Gehörte nach und über den Menschen hinter diesen Worten. Michel Péclard kommt mir ein bisschen vor wie das Meer: überschäumend, überbordend, ausufernd, doch ebenso zu leichtem Wellengang fähig, tiefgründig, den Blick jedoch immer zielgerade auf das Ufer gerichtet. Ich bin gespannt, was der Frühling uns bringt.