Wädenswil

„Zouft Fäldchuchi 39 Wättischwil“ in Feierlaune

Der Kalender wollte es, dass nach längerem Unterbruch der «Zouft»-Geburtstag am traditionellen Damen-­Reisli gefeiert werden konnte. Beide Anlässe geniessen in der traditionsbewussten Zunft einen hohen Stellenwert, wobei dem Anlass mit den Damen jeweils besonderes Augenmerk gewidmet wird. 

In erster Linie sollte mit diesem Anlass den Damen der «Zöifterschaft» dafür gedankt werden, dass sie ihren «Zöiftern» bei den zahlreichen Kocheinsätzen jeweils grosszügig «Urlaub von den familiären Pflichten» gewähren. Ohne diese Grosszügigkeit würde wohl mancher Anlass kaum Eingang in die Zunftagenda finden. Dass sich der Damen-Event, so lautet die offizielle Bezeichnung, bei der holden Weiblichkeit grosser Beliebtheit erfreut, beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass er immer unter einem durch den «Zouftrat» gewählten Motto mit entsprechendem Outfit der Teilnehmer steht. Selbstredend sind das Ziel der Reise und die zu erwartenden Aktivitäten jeweils geheim. Natürlich wurde im Vorfeld des Ereignisses verschiedentlich versucht, Näheres in Erfahrung zu bringen – aber auch am 10. Damen-Event schwieg das Event-OK eisern. Nur gerade das gewählte Motto «Die Zouft fliegt aus» und die Abfahrtszeit wurden bekannt gegeben. Die vom «Lischtenführer» Andi Schüpbach originell gestaltete Einladung versprach durch die eigens für den Anlass kreierten Flugtickets zwar vieles und verriet trotzdem nichts. 

Man durfte gespannt sein, wie sich die «Zöifterschaft» und ihre Damen am Reisetag auf dem Check-in-Platz in der Gerenau präsentieren würden. Das Event-OK, bestehend aus dem «Quartiermeischter» Thomas Stahel, «Fäldwöibel» Urs Fux und «Lischtenführer» Andreas Schüpbach, wurden nicht enttäuscht. Es bot sich ein herrlicher Anblick, als immer mehr Piloten, Stewardessen, Bodenpersonal, Kampfjet-Cracks und Top-Gun-Fighters eintrafen. Man sah aber auch Bordmechaniker, Bruchpiloten, Touristen und sogar einen Flughafen-«Füürweerler». «Zouftmeischter» Bruno Cogliati lobte bei seiner Begrüssungsansprache den Ideenreichtum der Teilnehmer und man konnte seine Begeisterung förmlich spüren. 

Nach dem Check-in, die Flugtickets wurden beim Einstieg in den Neuhof-Reisen-Car professionell entwertet, führte die Reise zum Flugplatz Bad Ragaz, wo Kaffee und Gipfeli auf die Teilnehmer warteten. Die anwesenden Fallschirmspringer staunten regelrechte Bauklötze und stellten einige Fragen zum Outfit und Grund der Reise. Nachdem die Schar den Himmelsstürmern «Hals- und Beinbruch» für ihre Sprünge wünschten, ging die Reise nach Altenrhein, wo das Fahr- und Fliegermuseum als Ziel auserkoren war. Auf der Fahrt dahin wartet das OK mit einem besonderen Gag auf. In einer Schachtel lagen gefaltete Zettel mit dem Namen eines jeden teilnehmenden «Zöifters». Daraus wurde im Car klammheimlich ein Zettel gezogen und der Name des Gezogenen wurde nun im Fliegermuseum verlesen. Dem Genannten, es traf den völlig perplexen Hüttenwart Jürg Haab, eröffnete der «Fäldwöibel», dass er heute in den Genuss eines Rundflugs mit einer PC-7 der Kunstflugstaffel kommen würde. 

Beim Rundgang durch das Museum erfuhr die Gesellschaft viel Interessantes über die berühmten Exponate, wobei vor allem das grosse Modell des Flugschiffs Dornier-Do X herausstach. Nach der geglückten Landung des nunmehr als Kunstflieger-Hüttenwart anzusprechenden Jürg, dislozierte die Zöifterschaft zum Mittagessen ins Bistro im Hundertwasser-Haus. 

Immer noch sehr gespannt, wohin die Reise noch führen sollte, wurde der Car wieder bestiegen. Nach gut einer Stunde Fahrt, und bei herrlichstem Spätsommerwetter über Land, landete die Gesellschaft in der grossen Kreisstadt Ravensburg auf einem Festgelände. Die «Zöifterschaft» wurde von eigenartig gekleideten Männern und Frauen mit grossem Hallo empfangen und es schien, als hätte man auf die Zünfter aus der Schweiz gewartet. Dies bestätigte die Präsidentin der organisierenden «Schwarze Veri Zunft e.V. Ravensburg» bei ihrer Begrüssungsansprache wortreich und lud die «Zöifter» ein, einem traditionellen, aber internen Zunft-Anlass teilzunehmen. Hier ist es angebracht, die «Schwarze Veri Zunft» kurz näher zu beschreiben. Mit rund 1200 (nein, kein Schreibfehler) Mitgliedern darf sich die Zunft «Grösste Fasnachtsgesellschaft im Süddeutschen Raum» nennen. Die Zunft umfasst sowohl Schalmeien- und Trommelgruppen wie auch historische Plätzle- und Hexengruppen und natürlich auch mehrere Majoretten- und Tanzgruppen. Der Zunft obliegt die Gesamtorganisation der Ravensburger Fasnacht.

Zurück zum Geschehen auf dem Festgelände, wo nun ein unglaubliches Schauspiel folgte, welches zu guter Letzt auch noch den «Zouftmeischter» Brauni treffen sollte. Von diversen Henkersknechten an langen Seilen geführt, wurden die 

Neumitglieder zur Bühne geführt. Dort stand ein mächtiger Bottich, der mit Wasser und Weisswein gefüllt war. Hinter dem Bottich hatten zwei kräftige, als Scharfrichter verkleidete, Männer Aufstellung genommen. Der Name des Täuflings und seine geleisteten «Untaten» wurde lauthals verlesen. Hernach wurden sie von den Scharfrichtern im Nacken und an den Beinen gepackt und unter grossem Geschrei der Zuschauer, drei Mal kopfüber in den Bottich getaucht. Wünschte der Täufling eine «Taufe mit Zugabe» liessen die Henkersknechte den Getauften nach dem dritten Eintauchen einfach in den Bottich fallen. Natürlich sehr zum Gaudi der versammelten Festgemeinde.

Nach einer geraumen Zeit des Kennenlernens und der Pflege neuer Bekanntschaften forderte der Cantus Magister Cheesy die «Zöifterschaft» auf, die Chorformation einzunehmen. Mit dem Singen des Refrains der Zunfthymne verabschiedeten sich die Zöifter und ihre Damen von den Schwarze-Veri-Zünftern.

Während für die Damen zum Gala-Diner im historischen Rebleute-Saal lockere Kleidung angesagt war, galt für die Zöifterschaft das Tenü «Zouft-Habitus mit Vollwix». Dies aus dem Grund, weil jetzt auch die Feier zum «Zouft»-Geburtstag auf dem Programm stand. Wie in der Zunft üblich, wird jeweils zu Beginn eines offiziellen Zunftanlasses die vom «Ehren-Zouftmeischter» Cheesy geschaffene «Zouft»-Hymne gesungen. Director Musicae Ralf Peter begleitete den Chor, und in Ermangelung eines Klaviers, mit der Handorgel, wobei er vom «Zouftmeischter» Brauni mit der Gitarre unterstützt wurde und chargengemäss dirigierte der Cantus Magister Cheesy den Chor. Vor allem die vom Ehren-Zouftmeischter Cheesy eigens für den Damen-Event gedichtete 5. Strophe der Zunfthymne, die als eigentliche Ode an die Zöifter-Damen angesprochen werden darf, konnte total begeistern. Die Damen dankten den Vortrag des Zunftchors mit einer Standing Ovation.

Als gelungenes Novum konnte das Statement der «Zöifter-Dame» Rosmarie Brupbacher bezeichnet werden. Sie, die keinen der neun vorangegangenen Damen-Events verpasst hatte, erinnerte in träfen Worten unter dem Titel «Weisch na, deet in …» an dabei erlebte Episoden und Geschichten. 

Nun traten in abwechselnder Reihenfolge verschiedene Gruppen und Abordnungen der Schwarze-Veri-Zunft auf, um den Schweizer Gästen zu zeigen, was sie alles im Köcher hatten. Wer geglaubt hatte, dass mit Schalmeien nur Marschmusik gespielt werden könne, sah sich getäuscht. Der Schalmeien-Zug gefiel mit einem modernen Repertoire und sogar mit bekannten Jazz-Melodien. Als dann die Ravensburger Majoretten den Saal betraten und ihre Tanzdarbietungen boten, war es um einige Zöifter geschehen. Nach einem kurzen Kostümwechsel der Tanzgruppe kam die Gesellschaft in den Genuss eines feurigen Can-Cans, was dann auch die letzten Dämme brechen liess. «Grosses Kino», rief der Hüttenwart in den Saal und es gab niemanden, der ihm nicht beigepflichtet hätte. 

Ein überaus gelungener «Zouft»-Geburtstag, der wieder einmal in Begleitung der Damen stattfand, dauerte für einige Hartgesottene bis in die frühen Morgenstunden, wobei das «Zouft-Singbuch» angeblich von vorn bis hinten und zurück gesungen worden sei.

Nach dem sonntäglichen Frühstück wurden noch die diversen historischen Säle im Hotel Waldhorn besichtigt und alsbald rief «Fäldwöibel» Füxe die Gesellschaft zum Car, denn die Heimreise sollte angetreten werden. Ein Damen-Event der Superlative wurde bei der Rückkehr zum Ausgangspunkt in der Gerenau nochmals frenetisch gefeiert. (e)