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Das Volk entscheidet über den AuPark

Das Wädenswiler Parlament hat am 8. Juli an seiner Sitzung der Teilrevision der Nutzungsplanung und dem dazugehörenden privaten Gestaltungsplan für das Areal «AuPark» zugestimmt. Im Anschluss ergriffen einige Parlamentsmitglieder gegen den privaten Gestaltungsplan das Behördenreferendum. Den dazugehörigen Unterschriftenbogen nahmen daher  Gemeinderatspräsident André Zürrer und Stadtpräsident Philipp Kutter am 15. Juli vor dem Stadthaus entgegen. Die Volksabstimmung dürfte im November 2019 abgehalten werden.

Der «AuPark» ist ein Entwicklungsareal der Intershop-Gruppe. Neben der Kantonsschule für das linke Zürichseeufer sollen im «AuPark» etwas mehr als 200 neue Wohnungen sowie eine ergänzende Quartierversorgung entstehen. Damit das jetzige Industrieareal überbaut werden kann, braucht es eine Zonenänderung sowie einen privaten Gestaltungsplan. Gegen diesen gehen nun die Grünen, die GLP sowie Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der SP und der EVP mit einem Behördenreferendum vor.

Bei der Unterschriftenübergabe erläuterten die Initianten des Referendums ihre Beweggründe. So weiss Ulrich Reiter (Grüne), dass viele Bewohner der Au mit dem Projekt unzufrieden sind, und Urs Hauser von der EVP und ebenfalls aus der Au findet, dass die Lösung quartierverträglicher sein soll. Dies unterstreicht auch Mona Fahmy, SP-Gemeinderätin und Vertreterin der IG Wädi Au (ehemals IG AuPark) und erinnert an die eben aufgegleiste Quartierplanung in der Au. 

Gemeinderatspräsident André Zürrer merkte bei der Unterschriftenübergabe an, dass es legitim sei, ein Behördenreferendum zu ergreifen – und er habe auch damit gerechnet, wie er weiter ausführte. Er gehe jedoch davon aus, da eine Mehrheit des Parlaments dem privaten Gestaltungsplan zustimmte, dass auch das Volk dem Willen des Parlaments folgen werde. Persönlich findet er, dass das markante Gebäude abgebrochen gehöre: «Ich bin aufgewachsen in der Au und mit der ‹Standard›, ich finde, das Gebäude ist ein Schandfleck, der weg muss!» 

Judith Fürst, SP-Ortspräsidentin, betont, dass das Referendum nicht gegen das geplante Gymi gerichtet sei, findet aber ebenfalls, dass das Stimmvolk entscheiden soll. Patrick Höhener (Grüne) merkt an, dass bei einem privaten Gestaltungsplan nur über ein «Nein» oder «Ja» abgestimmt werden könne.

Stadtpräsident Philipp Kutter betonte bei der Unterschriftenübergabe, dass die Stadt Signale von der Bildungsdirektion habe, dass ein Planungsstopp zu einer Überprüfung des Standorts führen könne. Und er findet, dass das Projekt aus seiner Sicht eine Win-win-Situation darstelle.

Mittlerweile haben die Grünen ihre Forderungen konkretisiert. In einem dem Wädenswiler Anzeiger vorliegenden Grundsatzpapier, von Bernhard Brechbühl formuliert, fordern sie ein «Zurück auf Feld 1». Mit der ihrer Ansicht nach «massiven Übernutzung von 133%» (die im Zusammenhang mit der Mewa-Überbauung neu geschaffene Wohn- und Gewerbezone WG5 sieht eine maximale Ausnützungsziffer von 110% vor), befürchten sie eine  Präjudizwirkung für die weitere geplante Aufzonung und Verdichtung entlang der Seestrasse in der Au. Ausserdem befürchten sie, dass die künftige Mittelschule bei Bedarf auf dem Areal nicht mehr erweitert werden könne und dass die Bautätigkeit in der Au den Schulraumnotstand weiter verschärfe.

Im Forderungskatalog stehen noch weitere Punkte wie fehlender  Wohnraum mit generationenübergreifender Belegung, ausserdem müsste ein Drittel statt der vorgesehenen 20% als «preisgünstige Wohnungen» angeboten werden. Die Mietzins-Reduktion sei ausserdem durch den Investor zu begleichen und der Bezug der preisgünstigen Wohnungen müsste spätestens 3 Jahre  nach Baubeginn erfolgen. Auch bezüglich Energieversorgung sehen die Grünen weiteres Potenzial.

Rückweisung des Gestaltungsplan mit neuen Chancen
«Mit der Ablehnung des Gestaltungsplans an der Urne ergibt sich die Chance für einen Neuanfang für eine erweiterungsfähige Mittelschule zu vertretbaren Grundstückpreisen, zeitgemässe Wohnformen mit Mehrwertausgleich für die Kompensation der für die Stadt anfallenden Infrastrukturkosten», heisst es weiter in dem Strategiepapier.

Zudem glauben die Verfasser des Papiers, dass der Investor Intershop mit dem Abrücken von Maximalforderungen und mit einem abgespeckten Überbauungsvorschlag zu Gunsten der Allgemeinheit und der Mittelschule in kurzer Zeit einen neuen Gestaltungsplan vorlegen kann. «Das Mittelschulprovisorium an der Steinacherstrasse wurde für 10 Jahre gemietet, so dass genügend Zeit für eine Überarbeitung des Gestaltungsplans besteht. Es ist gut zu wissen, dass es für die Mittelschule Zimmerberg immer noch alternative Standorte mit wesentlich günstigeren Grundstückpreisen gibt.» 

 Christian Baldinger, Leiter Bau und Entwicklung beim Investor Intershop ist nicht überrascht, dass es zu einem Referendum gegen das Projekt gekommen ist. Er geht jedoch davon aus, «dass wir mit dem Projekt die Bevölkerung überzeugen können.» Auch er verweist auf den Rückhalt, den das Wädenswiler Parlament dem Projekt gegeben hat: «Bereits der Gemeinderat hat dem privaten Gestaltungsplan mit grosser Mehrheit zugestimmt. Der ‹AuPark› schafft dank Wohnen, Gewerbe, Park und Kantonsschule ein neues Quartierzentrum, von dem der Ortsteil Au und ganz Wädenswil profitiert. Das Projekt wurde über Jahre und in engem Austausch mit der Stadt sowie dem Kanton ausgearbeitet. Ebenso ist man den Forderungen aus der Bevölkerung auf verschiedenen Ebenen entgegengekommen. So wurde nach der öffentlichen Auflage unter anderem die Ausnützungsziffer reduziert, Gebäudehöhen beschränkt und der Anteil an bezahlbarem Wohnraum erhöht. Die vorgesehene Bauweise entspricht den aktuellen Erkenntnissen betreffend zeitgemässem Städtebau und ist im Einklang mit der übergeordneten Raumplanungspolitik.»

Was aber würde passieren, wenn das Volk ein «Nein» einlegen würde? «Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dem Projekt die Bevölkerung überzeugen können. Im Fall einer Ablehnung müsste man die Situation neu beurteilen und auch alternative Nutzungen des Areals prüfen», teilt Intershop mit. (stb)