Wädenswil

Stillsitzen? „Auf keinen Fall“

Wie kann der Berg Einfluss nehmen auf das Geschehen der Gemeinde Wädenswil? Seit Januar 2019 gehören Schönenberg und Hütten zu Wädenswil. Können die neuen Bürger vom Berg ihre Anliegen einbringen – und wie? Wir sprachen mit dem ehemaligen Gemeinderat von Schönenberg, Antoine Schuler, und dem ehemaligen Gemeindepräsident Willi Schilling (beide FDP) über den künftigen Einfluss der Berggemeinden in Wädenswil. 

Hat sich wirklich etwas verändert in diesen vier Monaten der Zugehörigkeit zu Wädenswil? Was ist besser geworden, was ist für uns Berggemeinden ein Nachteil? 

Wie erwartet geht das tägliche Leben weiter wie bisher. Doch es gibt Stimmen, die das Eine oder Andere bemängeln möchten. Es ist durchaus wichtig, sie ernst zu nehmen. Noch mehr interessieren die Stimmen, die konkrete Anliegen haben und allenfalls sogar Vorschläge einbringen, um Dinge zu verbessern, Missstände zu beseitigen oder Neues anzureissen. 

Können wir, kann der Einzelne Einfluss nehmen?
Durch die verpassten Wahlen sind die Berggemeinden momentan nicht im Stadt- oder Gemeinderat von Wädenswil vertreten. Doch müssen wir uns damit begnügen, die nächsten drei Jahre stillzusitzen und abzuwarten? 

«Auf keinen Fall!», finden Antoine Schuler, ehemaliger Gemeinderat von Schönenberg, und Willi Schilling, ehemaliger Gemeindepräsident. Beide gehören der FDP Wädenswil an, weil sie weiter Einfluss nehmen und den liberalen Gedanken weiterführen wollen. Beide sind aber auch ganz klar in ihrer Überzeugung, dass nicht eine bestimmte Parteizugehörigkeit von Nöten ist um sich für seine Anliegen einzusetzen. 

Willi Schilling dazu: «Anliegen sind primär einmal Sachfragen, für deren Umsetzung dann die politischen Kanäle gebraucht werden. Man muss nicht in einer Partei sein, aber man sollte die Kanäle kennen um so seine Anliegen an der richtigen Stelle deponieren zu können.»

Und dies ist das grosse Anliegen der beiden Herren: Sie möchten die Bevölkerung der Berggemeinden dazu aufrufen, sich zu engagieren und ihre Anliegen vorzubringen. Gleichzeitig möchten sie darauf hinweisen, dass es wichtig ist zu wissen, wie solches vonstatten geht.

Willi Schilling ist Beisitzer im Vorstand der FDP Wädenswil als «Stimme vom Berg». Er ist Ansprechperson und Berater in der Fraktion. Er weiss, dass der Stadtrat von Wädenswil den Zusammenschluss mit den Berggemeinden ernst nimmt und interessiert ist, die Anliegen der Leute zu hören und wenn möglich umzusetzen. 

Antoine Schuler und Willi Schilling fragen sich aber, ob wirklich jeder Bürger weiss, welche Kanäle ihr oder ihm zur Verfügung stehen. Denn Wädenswil ist eine Stadt mit einer viel grösseren Anzahl Einwohner und demzufolge einem Parlament.

Früher war es einfach. Das monieren sicher noch einige, die sich mit der neuen Zugehörigkeit schwer tun. Dies ist durchaus auch verständlich. Noch vor einem Jahr wurde eine Gemeindeversammlung einberufen (zweimal jährlich), woran jeder Bürger der Gemeinde teilnehmen konnte. Man ging an besagtem Abend ins Dorf­huus und da konnte man seine Stimme erheben, wenn einem etwas nicht passte. Das ist oder war die direkteste Form von Demokratie. Die Gemeindeversammlung, bzw. die Bürger sind die Legislative. Der Gemeinderat ist die Exekutive, also das ausführende Gremium. Nun wissen wir alle, die wir schon dabei waren, dass gerade diese direkte Demokratie bzw. das direkte Verhandeln von Anliegen an der Gemeindeversammlung ihre Tücken haben kann. Manchmal sind Mitglieder schlecht oder falsch informiert und tragen auch ihren persönlichen Frust, also Emotionen, in die Versammlung. Sie sind willkommene Empfänger für Verschwörungstheorien und die entsprechenden Fehlinformationen. Dies wiederum zieht wichtige Entscheide unnötig in die Länge oder macht sie manchmal sogar unmöglich.

In Wädenswil nun nimmt man Einfluss, indem man Vertreter in Gemeinderat und Parlament wählt, die einem als geeignet erscheinen. Diese Möglichkeit haben wir durch den Aufschub der Fusion um ein Jahr verpasst. Aber zukünftig können auch die Bergquartiere von Wädenswil Vertreter stellen und diese wählen.

In diesem parlamentarischen System benötigt man zugegebenermassen mehr Zeit, um sich kundig zu machen, da man sich für die einzelnen Parteien, ihre Programme und auch für die Personen, die sich zur Wahl stellen, interessieren muss. So kennt man dann aber schliesslich auch die nötigen Ansprechpartner, an die man allfällige Anliegen richten kann.

Hier ein Beispiel: Jemand möchte einen Vorstoss im sozialen Bereich machen. Damit gelangt er/sie an die Stadträtin für Soziales, Astrid Furrer. Sie bringt das Anliegen in den Stadtrat. Dieser lässt allenfalls eine Studie machen und/oder zieht externe Berater zu, um schliesslich darüber zu befinden, ob solches Sinn macht oder nicht. Dann geht das Thema in die Fraktionen. Jede Partei stellt eine Fraktion, die das Thema bespricht und dann entscheidet, wie sie abstimmen wird an der Gemeinderatssitzung. (Gemeinderat gleich Parlament gleich Legislative; Stadtrat gleich Regierung gleich Exekutive.)

Dort wird schliesslich darüber entschieden, ob das Anliegen angenommen und durchgeführt wird, und der Stadtrat wird es dann ausführen.

Natürlich gibt es auch Themen, die weniger gross sind und daher kürzere Wege gehen können. 

Antoine Schuler dazu: «Fazit ist, dass es auch jetzt schon möglich ist für die Bewohner vom Berg, ihre Anliegen einzubringen. Wir sind nicht auf dem Abstellgleis hier oben. Wir müssen nur wissen, wie wir Einfluss nehmen können. Die Anliegen des Berges sind trotz verpasster Abstimmung wichtig und es gibt Möglichkeiten sie einzubringen! Ansprechperson für die Menschen vom Berg sind die beratenden Personen in der Fraktion.»

Also, machen wir uns stark, hier oben, und machen wir uns schlau, um zukünftig wirkungsvoll am politischen Geschehen der Gemeinde Wädenswil mitzuwirken. Neuwahlen sind in drei Jahren, doch das Engagement beginnt schon jetzt! (iel)