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Brodelt es in der Kirchenpflege Schönenberg-Hütten?

Innert kürzester Zeit gab es in der Kirchenpflege Schönenberg-Hütten (und dessen Sekretariat) Abgänge. Unzufriedenheit macht sich breit. Ist die Fusion der beiden Kirchen misslungen?

Nach jahrelanger gut funktionierender Zusammenarbeit unter den damaligen Kirchenpflegepräsidenten Max Hohl in Schönenberg und Margaretha Ritter in Hütten scheinen die Strukturen und Hierarchien mit der Fusion der beiden Kirchgemeinden und der Neubesetzung des Präsidentenamtes neu gemischt worden zu sein. Unzufriedenheit und auch Betroffenheit machen sich breit, vor allem bei vier Frauen, die nun das Wort ergreifen. Sie haben sich bis anhin mit viel Herzblut für die Kirche engagiert. Aus dieser Betroffenheit heraus wollen sie nicht einfach schweigen. Es gehe doch schliesslich auch um die Steuergelder und vor allem um die Kirche aller.

Es scheint – so der einhellige Tenor –, dass Pfarrer und Kirchenpflegepräsident einen freundschaftlichen Schulterschluss gebildet haben, an dem jede Anregung oder Kritik abprallt. Es macht den Anschein, dem patriarchalen Zweiergespann sei die Wahrung der eigenen Position und «Unantastbarkeit » wichtiger als eine Zusammenarbeit im Sinne aller und für das Seelenheil der Kirchgemeinde.

Der Ärger ist am hochkochen, die Enttäuschung riesengross.

«Wir dachten immer, der Pfarrer ist für uns alle da, sollte um unser Seelenheil besorgt sein und uns in unseren Sorgen und Bedürfnissen abholen können. Sollte er nicht neutral sein, beschwichtigen, vermitteln, anstatt nur mit seinem guten Freund eine Front gegen uns zu bilden?» Man denkt, wir leben nicht mehr im Mittelalter, als patriarchale Strukturen und Diskriminierung die Kirche dominierten und ihren Schäfchen eine eigene Meinung verbot. Doch immer wieder müssen gerade auch Frauen das Gegenteil erfahren – immer noch!

Führt etwa der Mangel an Personen, die sich für solche Ämter zur Verfügung stellen dazu, dass diese, welche sie dann übernehmen, deswegen Narrenfreiheit geniessen? Darf man nicht erwarten, dass ein solches Amt mit Pflichtbewusstsein und auch einem gewissen Einsatz ausgeübt wird? Und immer auch im Namen der christlichen Werte? Es stehen einige Fragen und Vorwürfe im Raum, die nicht einfach wegzuwischen sind, nicht wenn sie von Menschen geäussert werden, die ein langes Curriculum des Engagements in Gemeinde und Kirche aufweisen können. Dazu schreibt die einstige Präsidentin der Kirchenpflege Hütten, Kirchenmitglied der Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten, dem Kirchenratsschreiber: «Die Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten braucht Eure Hilfe. Seid da, mit Eurem Wissen und Können. Ich und die ganze Kirchgemeinde sind Euch dankbar für jegliche Unterstützung. Vier Jahre lang haben die Kirchenpflegen von Schönenberg und Hütten verhandelt, informiert und für einen Zusammenschluss geworben. Nach zweijährigen, intensiven Sitzungen war die Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten «geboren». Die neue Kirchgemeinde ist am 1. Januar 2018 mit sieben Kirchenpflegemitgliedern gestartet, vier Mitgliedern aus Schönenberg (inklusive dem Präsidenten Manfred Geiger) und drei Mitgliedern aus Hütten. Hüben und drüben finden interessante Veranstaltungen und Gottesdienste statt. Im November 2018 kündigt die Sekretärin, weil für sie eine weitere Zusammenarbeit mit dem jetzigen Präsidenten, ohne Unterstützung und Wertschätzung, undenkbar ist. Zwei Kirchenpflegerinnen geben zudem ihren Rücktritt bekannt. Zwei Frauen, die ich als ehemalige Präsidentin der Kirchenpflege Hütten als engagiert, voller Ideen und als immer hilfsbereit erfahren durfte. Das schlägt in der Kirchgemeinde hohe Wellen. Müssen wir zusehen wie das Miteinander zerstört wird? Wir sind eine Kirchgemeinde – die Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten.»

In einem der Kündigungsschreiben der Kirchenpflegerinnen steht: «Mit viel Freude und Engagement habe ich in den vergangenen Jahren in der Kirchenpflege gearbeitet. Wohlwollen und Wertschätzung der damaligen Präsidentin standen im Mittelpunkt unserer Arbeit zugunsten der Kirchgemeinde.

Der Kirchenratsschreiber meint, Konflikte seien nichts Ungewöhnliches

Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten hat sich die Zusammenarbeit in der fusionierten Kirchenpflege zunehmend schwierig gestaltet. Mit seiner geringen Arbeitsmoral, seiner Führung und seinem Verhalten gegenüber Angestellten und Kirchenpflege hat er sich wiederholt unentschuldbare Fehler geleistet. Diese sind auch mit einer weiteren Retraite oder Coaching (Findung von Lösungen der Konflikte) offensichtlich nicht einfach aus der Welt zu schaffen.» Es scheint, dass die Hilfestellung der Bezirkskirchenpflege nur sehr gering und nicht effektiv war, was auch die Frage laut werden lässt, wo denn überhaupt Unterstützung zu finden ist.

In der Zwischenzeit seien die Differenzen unüberbrückbar geworden.

Laut der Kirchenordnung der Landeskirche käme der Bezirkskirchenpflege unter anderem folgende Aufgabe zu: Vermittlung bei Spannungen innerhalb einer Kirchgemeinde, zwischen Kirchgemeinden sowie zwischen ihren Amtsträgerinnen und Amtsträgern, Angestellten und Mitgliedern. Hat die Bezirkskirchenpflege diese Aufgabe wahrgenommen?

Ein Abschiedsschreiben der Sekretärin an die Kirchgemeinde, das sie im von ihr geführten Kirchenblatt reformiert.lokal veröffentlichen wollte, wird im letzten Moment herausgestrichen und durch ein Bild ersetzt. Aus Enttäuschung über die herrschenden Zustände gibt sie nicht nur den Austritt aus ihrem Job, sondern konsequenterweise – zusammen mit ihrem Mann – den Austritt aus der Kirche. Hinter dieser Kirche kann sie nicht mehr stehen und dafür sollten auch keine Steuergelder mehr einfliessen.

Die Enttäuschung ist gross, sehr gross. Emotionen kommen hoch. Es geht hier nicht nur um Jobs und Unzufriedenheit mit dem Chef. Der Glaube an die Kirche und auch an den Pfarrer, der Gottes Wort nicht nur predigen, sondern leben sollte, ist erschüttert. Ist die Kirche nicht der Ort, wo sich die gläubigen Menschen versammeln um Gott zu huldigen. Ist sie nicht der Ort, der Gottes Schäfchen Zuflucht schenkt? Ein spiritueller Ort des Gebets, der Stille und des Friedens? Auch ein Ort um Gemeinschaft zu leben, ein Ort des Füreinander und Miteinanders. Ein Ort, wo Akzeptanz, Wertschätzung, Freude, Liebe und Mitgefühl gelebt werden? Leider ist die Kirche schon seit langem ein Ort, der zur Sonntagspredigt oft halbleer bleibt. Wen wundert’s?

Pfarrer Thomas Villwock nimmt zu den Vorwürfen folgendermassen Stellung: «Fragen, die Kirchenpflege oder deren Präsidenten betreffend, sind an ihn zu richten. So ist die Kommunikation organisiert. Zudem verbieten mir das Amtsgeheimnis und auch der Persönlichkeitsschutz sämtlicher amtierender wie ehemaliger Mitglieder der Kirchenpflege, nähere Auskünfte zu geben. Als Pfarrer unterliege ich zudem dem Seelsorgegeheimnis, weshalb mir inhaltliche Auskünfte auch untersagt sind. Allgemein ist zu sagen, dass wann immer sich ein Team oder eine Gruppe neu zusammenfindet oder verändert, eine Gruppefindung in Gang gesetzt wird. Da können unterschiedliche Handlungsstrukturen und Vorstellungen aufeinandertreffen. Es gibt auf die ganze Angelegenheit auch eine andere Sichtweise. Die Aussage, dass Manfred Geiger und ich uns gegenseitige Rückendeckung gaben sowie einen hierarchisch- patriarchalen Führungsstil pflegen und uns in unseren Projekten gegenseitig begünstigen, entspricht nicht der Wahrheit. Die Kirchenpflege fasst Beschlüsse stets nach dem Mehrheitsprinzip. An den Sitzungen der Kirchenpflege unserer Kirchgemeinde nehme ich als Pfarrperson gemäss Kirchenordnung mit beratender Stimme und Antragsrecht teil. Ich habe keine Zeichnungsberechtigung im Namen der Kirchgemeinde. Vereinbarungen zur Vorteilsnahme existieren nicht. Aussagen solcher Art entsprechen nicht der Wahrheit.

Mein wichtigstes Anliegen als Pfarrer ist die Verkündigung des Evangeliums, jener Geschichte Gottes mit den Menschen, die in den Erzählungen und Erfahrungen der biblischen Schriften zum Ausdruck kommt: Gott begegnet dem Menschen. Ich versuche – bei allen mir gesetzten Grenzen – solche Begegnungen zu ermöglichen, spirituell oder im Versuch Menschen so zu begegnen, dass sich darin die Menschenliebe Gottes widerspiegelt. Margaretha Ritter und Max Hohl haben als Kirchenpflegepräsidenten der ehemaligen Kirchgemeinden Hütten und Schönenberg den Zusammenschluss unter der Mitarbeit vieler auf einen sehr guten Weg gebracht. Seit 2019 gilt es, diesen Zusammenschluss in der neuen Kirchenpflege und noch mehr in der neuen Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten umzusetzen. Dies ist ein langer und ungleich schwieriger Prozess. Je kleiner eine Gruppe, desto stärker scheint ihre Identität auch hinsichtlich kultureller Besonderheit ausgeprägt zu sein. Dies meine ich sowohl in Hütten als auch in Schönenberg zu spüren. Ein solcher Prozess läuft nicht immer in dieselbe Richtung. Ich glaube, dass Kirchenpflege und Mitarbeiterschaft auf einem guten Weg sind, Kirche auf dem Berg zu sein. Jede beteiligte Person hat im zurückliegenden Jahr Erfahrungen gemacht. Diese gilt es zu reflektieren und darauf zu achten, dass Verletzungen, wie sie offensichtlich geschehen sind, nicht wieder vorkommen.» (iel)

Kirchenpflegepräsident Manfred Geiger nimmt im Interview Stellung.

Bürokratische Details sind nicht meine Passion