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Zuckmücken wohin das Auge blickt

Schwarmweise hocken sie an Fenstern und Hauswänden, sirren wolkig in der Luft und durch unsere Wohnungen: die erste von mehreren Generationen Zuckmücken im Jahr ist geschlüpft.

Stoisch ignorieren sie jedes Fortwinken, verfangen sich in Haaren, und beim Sport fliegen sie dem Menschen in Mund und Nase. An Binnengewässern ist sie die artenreichste Insektenfamilie und es gibt praktisch kein Gewässer, welches nicht mindestens eine Art beherbergt. Selbst in heissen Quellen über 50 Grad Celsius, in arktischen Gebieten und stark salzhaltigem Wasser überlebt die Larve der Zuckmücke. Diese leben in den oberen Schichten des Schlammes am Gewässergrunde in einem Gespinströhrchen, wo sie sich – je nach Art – von organischen Partikeln, Wasserpflanzen oder morschem Holz ernähren. Es gibt auch welche, die als frei herumstreifende Räuber aktiv sind.

Zuckmücken entwickeln sich in vier Larvenstadien, viele überwintern auch als solche. Kurz vor Schlupf kommt die Puppe aus ihrem Gehäuse hervor, treibt zur Wasseroberfläche und fliegt innert weniger Sekunden als flugfertiges Insekt davon. Das zweiflüglige Insekt lebt nur wenige Tage, und das Leben an Land dient einzig der Fortpflanzung. Dazu bilden vorwiegend die männlichen Spezies einen Tanzschwarm. Ihre Flügel erzeugen einen artenspezifischen Summton, welchen die Weibchen derselben Art anlockt. Die Begattung findet in der Luft statt. Die gallertartigen Eikugeln werden danach über dem Wasser abgeworfen oder an eine Unterlage geklebt. Das Geschlecht der Tiere ist anhand ihrer Fühler zu bestimmen: die Männchen haben buschige, Weibchen nur leicht borstige Fühler.

Ökologisch wertvoll
So lästig die Insekten auch sein können für den Menschen, so wertvoll sind sie im ökologischen System. Die Larven der Zuckmücken sind wichtigste Nahrungsgrundlage für Fische, so dass auch Angler sie an ihren Fangplätzen zur Fütterung benutzen. Zudem filtern sie organisches Material aus den Gewässern und tragen zu deren Reinigung bei. Das ausgewachsene Flugtier wird von Vögeln gerne zur Aufzucht der Jungen verwendet, und Zugvögeln dienen sie als Stärkung für die Weiterreise. Auch Wirbellose und Fledermäuse tun sich an ihnen gütlich.

Für den Menschen sind sie gänzlich ungefährlich, denn das Mundwerkzeug der Zuckmücke ist nicht zum Stechen geeignet. Sie ernähren sich allenfalls von Honigtau oder Nektar, und das seit 130 Millionen Jahren. Es ist also nicht nötig, gleich zum Insektenspray zu greifen. Ausserdem kann es spannend sein, solch ein Tierchen zu beobachten oder ihre Schwarmtänze zu bewundern.

Ihren Namen haben die Mücken übrigens bekommen, weil sie im Ruhezustand mit den Vorderbeinen zuckende Bewegungen vollführen. Ob diese Zuckungen einem Zweck folgen, ist leider nicht bekannt. (rb)