Wädenswil

Manuela Bisig, neues Mitglied der Schulpflege Schönenberg

Nach dem Rücktritt von Ernst Staub wurde eine Nachfolgerin gewählt. Manuela Bisig, 48, ist die neue Schulpflegerin und wird das Ressort «Pädagogik» übernehmen.

Frau Bisig, wer sind Sie?
Ich heisse Manuela Bisig, bin 48, verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Jungen. Ich bin Fachfrau für medizinisch-technische Radiologie. Ich arbeite immer noch Teilzeit in meinem Beruf, bin aber auch Familienunternehmerin und Mutter. Ich bin sehr gerne Mutter! Seit sechzehn Jahren lebe ich nun in Schönenberg. Aufgewachsen bin ich in Wädenswil.

Warum liessen Sie sich in die Schulpflege wählen?
Man ist auf mich zugekommen mit der Frage ob ich dieses Amt übernehmen würde. In der Regel übernimmt ein Behördenmitglied nach einer Ersatzwahl das frei gewordene Ressort, was in diesem Fall die Pädagogik betrifft. Das interessiert mich. Es geht dabei vor allem darum, für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen entsprechende Massnahmen zu gewährleisten.

Integrative Förderung also?
Nicht nur IF (integrative Förderung), sondern auch integrierte Sonderschulung in der Verantwortung der Sonderschule (ISS) und der Regelschule (ISR). Solange wie möglich werden die Kinder in die Klassen integriert, aber es kann vorkommen, dass dies nicht möglich ist. Besondere pädagogische Massnahmen können auch in dem Bereich der Begabtenförderung fallen. Allerdings möchte ich betonen, dass ich jetzt noch nicht aus Erfahrung sprechen kann, weil ich mein Amt erst antreten werde.

Wie möchten Sie sich persönlich einbringen?
Zuerst möchte ich alle Lehrpersonen kennenlernen. Die Schulpflegemitglieder kenne ich schon. Ich werde mich Schritt für Schritt einarbeiten. Sicher werde ich in der noch laufenden Amtsperiode keine Berge versetzen. Meinem Handlungsspielraum liegen klare Richtlinien zugrunde. Doch ich möchte das Bestmögliche tun, um innerhalb meines Wirkungskreises für die einzelnen betroffenen Schüler gute und individuell angepasste Lösungen zu erarbeiten.
Wenn es sich abzeichnet, dass ein Kind besondere pädagogische Massnahmen benötigt, was geschieht dann?
Die Lehrperson ist in den meisten Fällen die erste Anlaufstelle. Sie involviert die Eltern und das Kind im Planen von ersten Massnahmen. Ist eine Abklärung mit einer externen Fachstelle nötig, leitet sie das mit der Schulleitung in die Wege. Entscheide zur Finanzierung einer Massnahme obliegen der Schulpflege. Das Zusammenspiel aller Beteiligten ist wichtig, um ein Kind optimal zu unterstützen.
Die Schulpflege leitet und beaufsichtigt die Schulen. Sie vollzieht die kantonalen Erlasse und Beschlüsse, soweit auf Grund der Gesetzgebung oder des Organisationsstatutes nicht ein anderes Organ dafür zuständig ist. Sie vertritt die Schulen gegen aussen.

Die Schulpflege ist in der Regel eine Laienbehörde und stand deshalb vor allem mit Bezug auf die Lehrerbeurteilung auch schon in der Kritik: Können Sie als Laie eine Lehrperson und die komplexen Anforderungen, die heute an sie gestellt werden wirklich richtig beurteilen?
Seit der Einführung von geleiteten Schulen liegt der Lead der Lehrerbeurteilung bei der Schulleitung. Diese ist eine Fachperson. Die Schulpflegenden wirken mit ihren Einschätzungen am Prozess mit. Dies gewährleistet eine ausgewogene und fachbezogene Beurteilung. Die Schulbesuche, zum Beispiel, machen wir, um uns einen Eindruck zu verschaffen über das Handeln einer Lehrperson im Alltag. Wir nehmen zum Beispiel die Stimmung wahr, die in einem Klassenzimmer herrscht und sehen etwas von der Arbeitshaltung einer Lehrperson oder von Schülerinnen und Schülern. Natürlich hat das auch mit der Lehrperson zu tun, aber hängt noch von vielen anderen Faktoren ab. Ich bin mir bewusst, dass mein persönlicher Eindruck immer subjektiv ist. Gerade als Laie scheint mir mein Standpunkt relativ unbelastet zu sein, da wir keine pädagogischen Beurteilungen vornehmen. Ich bespreche meine Eindrücke mit der Lehrperson und stelle Fragen zu Dingen, die mir aufgefallen sind. Es ist nicht meine Aufgabe, jemandem einen Stempel aufzudrücken.

Welches sind Ihre Anliegen oder Wünsche?
Ich wünsche mir, dass das heutige Miteinander und die gute Gesprächskultur an dieser Schule weiterhin bestehen bleiben. Im Rahmen meiner Zuständigkeit möchte ich das Optimale für die Kinder erwirken können. Es ist mir sehr wichtig, dass alle Kinder eine gute Zukunftsperspektive haben, egal ob mit oder ohne Förderbedarf. Ich glaube daran, dass jedes Kind entsprechend seinen Fähigkeiten seinen Platz in dieser Gesellschaft finden kann – wenn wir ihm dafür den richtigen Rahmen gewähren.

Wo sehen Sie die Schule Schönenberg in zwei Jahren?
Das hängt vom Abstimmungsergebnis im Mai ab. Ich hoffe, dass die Form, wie die Schule Schönenberg heute besteht, so bleibt. Mein Kind geht gerne zur Schule und kommt immer fröhlich nach Hause. Vielleicht ist das nicht für jedes Kind genau so, doch meiner Meinung nach läuft es an der Schule Schönenberg recht gut. Alles ist sehr persönlich. Man kennt sich, wird immer gegrüsst und es wird grossen Wert auf eine offene Informations- und Gesprächskultur gelegt.
Was meinen Sie, wo steht unsere Gemeinde in zwei Jahren?
Ich bin für einen Zusammenschluss mit Wädenswil. Das sagt eigentlich alles. Ich kann verstehen, dass dies gewisse Ängste hervorruft. Trotzdem wünschte ich mir mehr Offenheit Neuem gegenüber. Zudem stehe ich ein für die freie Meinungsäusserung. Niemand soll dafür bedroht werden, dass er seine persönliche Meinung kund tut.
Bildung ist ein wichtiger Faktor für uns alle. Auf überzogene Sparbemühungen sollte verzichtet werden, aber natürlich müssen wir uns mit gesundem Verstand den finanziellen Realitäten stellen.
Mit dieser Kultur der Offenheit und Konsensfindung kann die Schule Schönenberg ihren Weg in die Zukunft weitergehen.
Das Gespräch führte Ingrid Eva Liedtke

Teilen mit: