Aktuell Wädenswil

Informationen zum AuPark – nicht nur Jubel in der Au

Mit Beginn der öffentlichen Planauflage am 24. November orientierten Stadtpräsident Philipp Kutter und Stadtrat Jonas Erni namens der Stadt Wädenswil, Wolfgang Annighöfer von der Kantonalen Bildungsdirektion sowie Christian Baldinger, Projektleiter bei der Intershop, die Medien zum Projekt «AuPark», der geplanten Überbauung des Industrieareals in der Au. Zwei Wochen später wurde die Bevölkerung vor Ort im AuCenter informiert.

An der Medieninformation wurden dieselben Informationen wie zwei Wochen später an der Publikumsveranstaltung weitergegeben. Christian Baldinger vertrat die Besitzerin des Areals, die Intershop Holding, die sich auf kommerzielle Liegenschaften mit Entwicklungspotenzial spezialisiert hat. Er führte aus, dass das heutige AuCenter einen Leerstand von 60% ausweise und auch keine Nachfrage für eine industrielle Nutzung bestehe. Ausserdem entsprächen die Gebäude nicht mehr den heutigen en­er­gie­technischen und betrieblichen Anforderungen. Daher hat die Intershop ein Nutzungskonzept erarbeitet, das ein Mischquartier mit Gewerbe, Quartierversorgung und Wohnen vorsieht. Ausserdem wurde von Anfang an auch eine mögliche Kantonsschule in die Planung miteinbezogen, wie sie jetzt Realität werden soll.

Visualisierung der Gewerbezone mit Quartierversorgung.
Visualisierung der Gewerbezone mit Quartierversorgung. (zvg)

«Ich bin sicher, dass wir für unsere Kinder und Schüler eine gute Lösung gefunden haben. Und auch für die Stadt Wädenswil, stärkt uns doch das als Bildungsstadt.»

Dazu führte Wolfgang Annighöfer aus, dass die beiden Zürichseeufer Wachstumsregionen seien und man beim Kanton mit einem Zuwachs von 5900 Mittelschülern bis ins Jahr 2027 rechne. Der Kanton sei ausserdem zum «Konzept Gilgen» zurückgekehrt. Der langjährige Zürcher Regierungsrat Alfred Gilgen hatte schon vor 30 Jahren die Dezentralisierung der Mittelschulen angestrebt. Annighöfer bestätigte denn, «dass die Lage in der Au für uns optimal ist. Die Fläche ist gross genug für 1000 Schüler und hat Potenzial für 1500.» Ausserdem verteilte er auch noch Blumen an die anwesenden Wädenswiler Stadtväter: «Wir sind seit über 50 Jahren in verschiedenen Bereichen der Bildung mit der Stadt Wädenswil verbunden, und das Verhältnis war immer sehr gut!» Blumen, die Stadtrat Jonas Erni gerne entgegennahm: «Wir sind froh, dass wir hier in Wädenswil künftig die Mineure unserer grössten natürlichen Ressource, dem Wissen, stärken und fördern können.» Und auch Stapi Philipp Kutter bestätigte: «Ich bin sicher, dass wir für unsere Kinder und Schüler eine gute Lösung gefunden haben. Und auch für die Stadt Wädenswil, stärkt uns doch das als Bildungsstadt.»

Für den Bau der Kantonsschule erfolgte nun ein Antrag des Regierungsrats an den Kantonsrat zur Errichtung einer Kantonsschule in Wädenswil. Der Kantonsrat wird 2018 darüber befinden, und es erfolgt eine Profilzuteilung durch den Bildungsrat, die Wahl eines Rektors und ab 2020 die Anstellung von Lehrpersonen und Betriebspersonal. Das Provisorium, dessen Standort nach wie vor nicht bekannt ist, startet am 20. August 2020, läuft alles nach Plan.

Für das Areal selbst läuft noch bis zum 26. Januar 2018 die Anhörung und öffentliche Auflage, danach folgt die Auswertung und die Ausarbeitung der definitiven Akten. Im Herbst 2018 kommt das Geschäft zur Behandlung in die Raumplanungskommission und danach zum Gemeinderat.

Auf dem Areal selbst sollen etwa 200 Wohnungen entstehen (sollte die Kantonsschule wider Erwarten nicht gebaut werden, entsprechend mehr), davon soll ein Achtel als «preisgünstiger Wohnraum» deklariert sein. Stadtpräsident Philipp Kutter spricht von 4½-Zimmer-Wohnungen unter 2500 Franken. Gegen die Seestrasse hin soll das Gewerbe mit Quartierversorgung platziert werden. Dem Vernehmen nach steht die Eigentümerin Intershop mit einem Grossverteiler in Verhandlungen.

Zwischen den Bauten entsteht ein Park, etwa in der Grösse eines Fussballfeldes. Die Grünanlage werde von der Stadt unterhalten, ­welche 40 Prozent der Unterhaltskosten übernimmt. Den Rest der Unterhaltskosten zahlen die Kantonsschule und die privaten Grundeigentümer durch einen einmaligen Beitrag, der auf 40 Jahre hochgerechnet wird.

Gute besuchte Infoveranstaltung auf dem Areal

Am 7. Dezember informierte die Stadt Wädenswil, Intershop sowie die Bildungsdirektion des Kantons die Bevölkerung im Gebäude der ehemaligen Standard Telephon und Radio. Für die Stadt Wädenswil referierten Stapi Philipp Kutter, Stadtrat Heini Hauser sowie Rita Newnam von Planen und Bauen; von der kantonalen Bildungsdirektion reiste Hans Jörg Höhener an und für die Intershop gab Christian Baldinger Auskunft.

Neben den bereits beschriebenen Informationen wurden hier auch die finanziellen Abgeltungen angeschnitten.

Durch die Umwandlung von einer Industrie in eine Mischzone erfährt das Land eine massive Wertsteigerung. Ein Teil davon wird die Intershop an die Stadt Wädenswil abtreten, die Rede ist von einem einstelligen Millionenbetrag.

Auf der obersten Etage des 1959 bezogenen Gebäudes versammelten sich gegen 200 Besucher. Erwartungsgemäss blieben nach der Präsentation Fragen offen, die durch die anwesenden Fachleute beantwortet wurden.

Ein erste Frage betraf die nach Ansicht des Fragenden geringe Grundfläche der neuen Kantonsschule. Hierauf antwortete Hans Jörg Höhener von der Bildungsdirektion, dass «auch die Bildung mit dem vorhandenen Boden sparsam umgehen müsse». Auch die geplante Kantonsschule in Uetikon weise nicht mehr Geschossfläche aus; die Zeit der eingeschossigen Bauten sei vorbei.

Ein Anwohner bezweifelte, dass der Bahnhof Au die steigenden Frequenzen schlucken können, machte sich allgemein Gedanken zum Mehrverkehr. Hierauf antwortete Philipp Kutter, dass der Zürcher Verkehrsverbund schnell auf eine sich verändernde Nachfrage reagieren könne. Ausserdem hätten in diesem Gebäude auch schon mal gegen 2000 Personen gearbeitet, die auch teilweise mit dem ÖV anreisten. Roland Fässler als Präsident der IG Wädenswiler Sportvereine wollte Auskunft zu den Sportflächen. Philipp Kutter bestätigte, dass eine Dreifachturnhalle auf dem Areal des Schulhauses Ort neu angestossen werde. Hans Jörg Höhener ergänzte, dass weitere zwei Turnhallen auf dem AuPark-Areal erstellt würden.

Verschiedene Fragen betrafen die effektiven Gebäudehöhen. Das jetzige AuCenter weise seeseitig eine Höhe von 436,5 M. ü. M. auf, berichtete Christian Baldinger, und verwies auf die Schwierigkeit des ansteigenden Geländes, Gebäudehöhen korrekt anzugeben. Philipp Kutter wies darauf hin, dass die Gebäudehöhen einheitlich mit einer Höhenangabe – 435 M. ü. M. – «gedeckelt» wurden. Auch Rita Newnam verneinte, dass die Gebäudehöhen eine «Mogelpackung» seien, wie von einem Votanten vermutet – die aufliegenden Pläne seien nach Genehmigung verbindlich. Eine Gewerbetreibende fragte sich, ob die geplante Quartierversorgung mit Gewerbeflächen überhaupt vermietbar seien, ob überhaupt ein Bedürfnis bestehe. Christian Baldinger von der Intershop sagte, dass man Bedürfnis und Nachfrage noch nicht genau kenne, man aber bereits Anfragen habe.

Der der Bevölkerung zur Verfügung gestellte Park und dessen Pflege und Unterhalt gab ebenfalls Anlass zu Fragen. Hier präzisierten die Referenten, dass Intershop den Bau des Parks finanziere, die Stadt Wädenswil anschliessend den Unterhalt übernehme. Dafür werde sie von Intershop und Kanton mit einer einmaligen, auf 40 Jahre hochgerechneten Zahlung entschädigt. Darauf bemerkte ein Anwohner, dass die Au bereits den schönsten Park überhaupt besitze – die Halbinsel Au, dass kaum ein Örtler den neuen Park benütze. Überhaupt habe er den Eindruck, dass das Gefühl vermittelt werde, dass uns die Firma Intershop etwas Gutes tue – dabei sei das Gegenteil der Fall: mit der Zustimmung zu Umzonung und Gestaltungsplan werde die Firma Intershop etwa 30 Millionen Franken reicher. Für diese Äusserung erhielt er einigen Applaus aus dem Publikum. Ein weiterer Örtler stellte die Frage nach den Transportwegen für das Baumaterial – er habe von 30 000 Lastwagenfahrten gehört. Hierzu blieben ihm die Verantwortlichen die Antwort schuldig. Auch die letzte Wortmeldung des Abends betraf den Verkehr, insbesondere die Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg. Philipp Kutter meinte dazu, dass mit der Anbindung des Areals an die Seestrasse die Voraussetzungen für einen sicheren Verkehrsfluss gut seien. Die Schulwegsicherheit müsse man aber im Auge behalten.

Interessantes Detail am Rande, das zeigt, dass die Veranstalter nichts dem Zufall überlassen wollten: der Mikrofonträger – also jene Person, die von Fragestellerin zu Fragesteller weibelte – war nicht etwa Angestellter der Stadt oder der Firma Intershop – es war ein Mitarbeiter einer bekannten Zürcher PR-Agentur. Einige haben ihn vielleicht als Ko-Kommentator von Steffi Buchli am diesjährigen Sechseläuten wiedererkannt.

Abschliessend empfahl der Stapi den Anwohnern die aktive Mitarbeit, animierte zum Fragenstellen. Beim abschliessenden Apéro gab es dazu nochmals die Möglichkeit. Stefan Baumgartner