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Interview mit Kurt Hab ersatter, Trainer HC Wädenswil I

Kurt Habersatter alias Kudi ist eine altbekannte Grösse im HC Wädenswil. Nach längeren Auslandaufenthalten ist er 2011 wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Vorletzte Saison hat er das Traineramt bei den Herren 1 übernommen, um die schwierige Aufgabe «Liga­erhalt» zu lösen. Unterdessen steht das Team ganz woanders.

Der HCW 1 grüsst souverän vom ersten Platz: Wieso ist diese Mannschaft so erfolgreich?
Kurt Habersatter: Weil wir als Mannschaft auftreten mit einem unglaublichen Siegeswillen und nicht als Ansammlung von Einzelspielern. Nach beinahe zwei Jahren harter Arbeit sind wir sehr gut eingespielt und nutzen unsere Stärken gezielt aus.

Was sind deine Erfolgsrezepte als Trainer und/oder Coach? Gibt es Rituale in der Garderobe vor dem Match?
KH: Die sind sehr einfach. Es beginnt bei der Basis: um eine lange Saison mit 22 Meisterschaftsspielen und 5-6 Cupspielen zu bestehen braucht es eine gute Kondition, Schnellkraft und Reaktionsfähigkeit. Jedes Training muss Teile davon aufweisen. Das Wichtigste ist, meine Spieler, ihre Stärken und Schwächen gut zu kennen, sie entsprechend zu fördern und einzusetzen. Und dann kommt die richtige Einstellung auf den Ernstkampf. Hier geht es darum, die richtige Mischung zwischen Aggressivität und Abgeklärtheit zu finden. Natürlich haben wir Rituale. Die sind in einem Teamsport sehr wichtig. Hier geht es um wiederkehrende Abläufe, welche den Spielern Vertrautheit geben.

Wer sind die Überraschungen des Teams?
KH: Ich möchte eigentlich nicht über individuelle Spieler sprechen, weil bei uns wirklich die Mannschaftsleistung im Vordergrund steht. Trotzdem freut es mich zu sehen, wie gut sich Lukas Hitz als ehemaliger Junior bei uns integrieren und zu einem sicheren Torschützen entwickeln konnte. Im Weiteren freut mich zu sehen, wie gut die U19-Junioren Christian und Pascal Gantner bei uns als Leistungsträger integriert sind.

Von wem hättest du mehr erwartet?
KH: Das ist Teil von individuellen Gesprächen mit den Spielern. Ich erwarte grundsätzlich viel von allen Spielern. Wir wollen ja schliesslich nicht nur in der Liga mitspielen sondern das Geschehen bestimmen. Ich bin mit den Leistungen der Spieler meist zufrieden. Trotzdem hat jeder noch Luft gegen oben. Enttäuscht bin ich von denjenigen ehe­maligen Junioren, welche bei uns wenige Trainings bestritten haben und danach nicht mehr gesehen wurden. Schade!

Wem gehört die Zukunft?
KH: Sie gehört diesem Team. Ich rechne für nächste Saison mit fünf U19 Junioren, welche zu uns stossen werden, allesamt sehr gute Spieler. Die Mannschaft wird sehr jung sein und trotzdem bereits sehr gut eingespielt. Sie wird bereit sein, in der 1. Liga zu bestehen.

Was hältst du von der Zusammenarbeit mit Horgen?
KH: Ich denke, sie funktioniert besser und besser. Ich telefoniere praktisch jede Woche mit dem Trainer der 1. Mannschaft von Horgen, Alex Milosevic. Wir unter­stützen uns gegenseitig. Wir beide verfolgen das gemeinsame Ziel, das Horgen-I-Team in der NLB und den HCW in der 1. Liga zu eta­blieren. Als «Farmteam» soll das HCW-I-Team den jungen guten Spielern eine ideale Plattform zur Weiterentwicklung bieten. Die besten werden danach ihre Chance bei HCH I bekommen.

Was erwartest du von den restlichen Spielen?
KH: Wir haben drei «Matchbälle», um die Meisterschaft zu unseren Gunsten zu entscheiden und in die 1. Liga aufzusteigen. Mit dem derzeitigen Formstand den wir haben, sollten wir dies auch realisieren. Am liebsten gleich am Samstag, 15.3., im Derby gegen Horgen. Es wird unser letztes Heimspiel sein und ich hoffe auf möglichst viele Zuschauer.
Wir wollen jedes Spiel noch gewinnen, die Einstellung stimmt. Am 22./23.3. findet zudem noch das Cupfinal-Wochenende statt. Uns winkt die Chance, das «Double» zu erreichen und ich bin überzeugt, dass jeder meiner Spieler dies erreichen will. Die Einstellung stimmt auf jeden Fall.

Ausblick auf nächste Saison?
KH: Man soll den Bären zuerst erlegen, bevor man ihm das Fell abzieht. Trotz aller Vorsicht, bin ich überzeugt, dass wir «den Sack zu machen» und in die 1. Liga aufsteigen. Die erste Saison in einer höheren Liga ist immer hart. Wir werden in ein paar Wochen, mit den Spielern sprechen und die Mannschaft zusammen stellen. Wichtig ist die Einstellung. Wenn diese stimmt und der Wille da ist, die Extrameile zu gehen, wird sich der HCW in der neuen Liga erfolgreich etablieren.

Das Gespräch führte Urs Weiss.

Kurt Habersatter persönlich
Alter: gerade 50 geworden
Geboren und aufgewachsen in Wädenswil, verheiratet,
2 Kinder
Ausbildung: Maschineningenieur ETH (dipl. Ing. ETH) mit anschliessendem Doktorat in Betriebswissenschaften
(Dr. Sc. techn. ETH)
Beruf heute: Unternehmer / Inhaber einer Firma im
Medien-/Druckbereich
Spielposition: Rechter Flügel (Linkshänder)

Habersatter ist Handballer mit Haut und Haaren: 1975 begann er als Sechstklässler mit dem Handballsport beim HC Wädenswil. Er durchlief alle Juniorenstufen bis zur ersten Mannschaft, wo das Ausnahmetalent bereits als A-Junior debütierte. Mit 20 Jahren machte er bereits diverse Trainerausbildungen. Als der HC Wädenswil 1986 aus der 1. Liga abstieg, begannen Habersatters Wanderjahre: TV Thalwil, GS Stäfa (beide damals 1.Liga) und als Highlight TV Unterstrass (NLA). Danach kehrte der Linkshänder nach Wädenswil zurück und übernahm als Spielertrainer die erste Mannschaft. Bereits damals konnte er im zweiten Jahr mit HCW1 den Regionalmeister feiern (Saison 91/92). Der Aufstieg in die Erstliga gelang allerdings erst ein Jahr später. Nach der Saison 93/94, die der rechte Flügelspieler als seine erfolgreichste betrachtet, erfolgte eine Zäsur: Habersatter ging auf Weltreise und hängte die Handballschuhe vorübergehend an den Nagel. Danach folgte mit Horgen noch eine Saison in der NLB und dann das beruflich bedingte Kürzertreten und die Rückkehr zum HCW. Nach einer Achillessehnen-Verletzung war dann Schluss mit Leistungshandball. Anschliessend arbeitete Habersatter als Bereichsleiter elf Jahre im Ausland.

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