Richterswil

Wenn «gut» nur noch ein Klischee ist

Wer hat auf die Frage «Wie geht’s Dir?» nicht schon standardmässig mit«gut» geantwortet, auch wenn das gar nicht der Wahrheit entsprach? Die Gemeinde Richterswil hakt mit ihrem aktuellen Projekt «Wirklich …?» jetzt bei der Bevölkerung nach.

Die eigenen Emotionen wahrzunehmen und zu verstehen ist für die psychische Gesundheit elementar und muss auch nicht zwangsläufig vor jedem Gegenüber artikuliert werden.
Das Bewusstsein, dass uns diese vielfältigen Gefühle – mal mehr, mal weniger – umtreiben und «etwas mit uns machen», hilft dabei, die Ansprüche des Alltags besser zu bewältigen und sich selbst in ruhigere Fahrwasser zu bringen. Doch so einfach wie es klingt, ist es allerdings nicht. Selbstreflektion muss gelernt werden.
Kinder und Jugendliche stehen in unserer leistungsorientierten Gesellschaft unter starkem Druck. Damit sie ihre Emotionen einordnen und akzeptieren können, sind sie auf ein Gegenüber angewiesen, das diese anerkennt und den jungen Menschen unterstützt, die grossen und kleinen Gefühle zu erkennen und eigene Strategien zu entwickeln, um dieses innere Chaos zu regulieren und die Selbstwahrnehmung zu stärken.
Das vermag eine innere Stärke zu generieren, welche die zunehmenden psychischen Beschwerden und ihre schwerwiegenden Folgen bestenfalls verhindern. Und wer über ein gesundes Selbstwertgefühl sowie eine objektive Selbsteinschätzung verfügt, bringt auch gegenüber anderen Menschen Empathie auf.

Gefühle und Werte benennen

Das Projekt «Wie geht’s dir? Wirklich …», welches die Abteilung Gesellschaft zusammen mit der Kinder- und Jugendarbeit (kuja) der Gemeinde Richterswil entwickelt hat, zielt auf die Stärkung der Selbstwahrnehmung und die Akzeptanz der eigenen Gefühle ab.
In der Werkstatt hat die Projektgruppe unter anderem die sogenannten Emotionen- und Wertebäume selber gefertigt. Die Bevölkerung ist eingeladen, bei diesen Bäumen Tafeln mit verschiedenen Emotionen oder Werten hinzuhängen und diese nach Wichtigkeit nahe dem Baumstamm oder weniger zentral bei den Blättern zu platzieren.
Seit September 2025 werden die Bäume alle ein bis zwei Monate an einem anderen Ort im Dorf platziert. Momentan befindet sich einer an der Dorfstrasse Richterswil und einer bei den Drei Eichen in Samstagern. Manchmal stehen sie auch in Verbindung mit dem gelben «Wie geht’s Dir?»-Bänkchen vor Ort.
Eine kleine Baum-Variante wandert gemeindeintern von einer Abteilung zur nächsten, denn «Wir möchten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibilisieren», erklärt die Jugendarbeiterin und Projektleiterin Ceyda Özek.
Ein weiterer Emotionenbaum kommt in die Gemeindebibliothek – auf Wunsch der dortigen Mitarbeiterinnen – und entsprechende Literatur über psychische Gesundheit, Werte und Emotionen für alle Altersgruppen ist beigestellt.

Einen Moment in sich hineinhorchen

Über die nächsten Wochen hinweg werden aufmerksame Bürgerinnen und Bürger feststellen, dass sich an öffentlichen Orten und in Läden kleine «Hirn-Männlein» tummeln und dabei dem Entdecker spannende und anregende Fragen stellen.
Wie es so richtig heisst kann man nicht in die Menschen reinschauen, aber: «wir möchten, dass sich die Leute auf sich besinnen und einen Moment in sich hineinhorchen», erläutert Ceyda die Entwicklung der «Hirn-Männlein» mit den emotionalen Gesichtsausdrücken.
In der zweiten Märzhälfte eröffnet die Projektgruppe eine interaktive Ausstellung, welche genau dort ansetzt, wo die Basis für psychische Gesundheit liegt: beim Verständnis der eigenen Gefühle und Werte. Begleitet wird die Ausstellung von einem Fachreferat und diversen Workshops zu spezifischen Themenbereichen.

www.richtig-gsund.ch

Ausstellung vom 23.03.–18.04.2026 im ­ehemaligen Kindergarten Rosengarten

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