Richterswil Schaufenster

Künstliche Intelligenz: Ein Abend voller Einblicke und Diskussionen

Am Donnerstag, 27. November 2025, fand in Samstagern ein öffentlicher Informationsanlass zum Thema künstliche Intelligenz (KI) statt, organisiert von der SVP Richterswil/Samstagern. Im gut besuchten Haaggeri-Saal verfolgten zahlreiche Interessierte die Ausführungen der beiden Fachexperten Tobias Thonak und Melissa Willhaus. Moderiert wurde der Anlass vom 26-jährigen Betriebsökonomen und Gemeinderatskandidaten der SVP, Fabian Blattmann.

Ziel des Abends war es, einen politisch neutralen Überblick über eines der zentralen Themen unserer Zeit zu geben. Dabei wurde bewusst weder einseitig für noch gegen künstliche Intelligenz argumentiert. Vielmehr ging es darum sowohl Chancen als auch Risiken aufzuzeigen und eine sachliche Einordnung zu ermöglichen.
Nach einer kurzen Begrüssung durch den amtierenden und zur Wiederwahl antretenden Gemeinderat Christian Stalder stellte Fabian Blattmann die beiden Experten vor und bedankte sich beim Publikum für das grosse Interesse. «Künstliche Intelligenz ist derzeit in aller Munde – selbst wenn man wollte, kommt man an diesem Thema kaum mehr vorbei», hielt Blattmann fest.
Die Experten begannen den Anlass mit einer kurzen Geschichte bisheriger technologischer Revolutionen, von der Erfindung der Dampfmaschine bis zur weltweiten Verbreitung des Internets. Dabei wurde deutlich, dass frühere industrielle Revolutionen das Erscheinungsbild von Städten und Arbeitswelten sichtbar verändert haben. Vergleicht man hingegen Fotos aus der Zeit vor dem Internet mit heutigen Aufnahmen, ist der Unterschied oft weniger offensichtlich, obwohl das Internet unseren Alltag tiefgreifend geprägt hat.
Anschliessend erklärte Tobias Thonak den Gästen, wie die heute verbreiteten «Large-Language-Models» wie etwa ChatGPT eigentlich funktionieren. So können diese Modelle tatsächlich nicht denken oder verstehen, wie man vermuten könnte. Stattdessen berechnet die KI nur die statistisch wahrscheinlichste nächste Wortfolge, basierend auf einer riesigen Menge an Daten, mit der sie trainiert wurde.
In der Folge beleuchteten die Referierenden verschiedene Themenfelder und mögliche Auswirkungen von künstlicher Intelligenz. Wie Tobias Thonak darstellte, gibt es im Gesundheitswesen ein enormes Potenzial für die Anwendung von KI, so zum Beispiel beim sogenannten «Protein-Folding». Proteine steuern nahezu alle lebenswichtigen Prozesse im menschlichen Körper, können ihre Funktion aber nur dann erfüllen, wenn sie korrekt gefaltet sind. Da es unzählige mögliche Faltungsvarianten gibt und experimentelle Methoden sehr aufwendig sind, kann KI hier wertvolle Unterstützung leisten. Sie ist in der Lage aus bekannten Proteinstrukturen zu lernen und neue Vorhersagen deutlich schneller zu berechnen, was die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen kann.
Auch im militärischen Bereich gibt es – im Guten wie im Schlechten – fortschreitende Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz. Während KI zum Schutz menschlichen Lebens eingesetzt werden kann, gibt es auch problematische Entwicklungen. So wurde ein fiktives Video gezeigt, das veranschaulichte, wie künftig Schwärme von kleinen Drohnen mit Sprengladungen durch KI gesteuert werden könnten. Tobias Thonak erläuterte dazu, dass klassische Rüstungsprojekte wie der Bau einer Atombombe frühzeitig durch Satellitenaufnahmen erkannt werden können. Würden hingegen kleine autonome Drohnen in gewöhnlichen Industriehallen produziert, könnte eine solche Entwicklung deutlich schwieriger rechtzeitig zu entdecken sein.
Ferner wurden die Auswirkungen von KI auf die Wirtschaft diskutiert. Melissa Willhaus zeigte auf, dass künstliche Intelligenz erhebliches Potenzial zur Produktivitätssteigerung bietet und Menschen von repetitiven Aufgaben entlasten kann. Gleichzeitig wies Tobias Thonak darauf hin, dass eine weitreichende Automatisierung auch Risiken birgt und je nach Entwicklung zu strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt bis hin zu Massenarbeitslosigkeit führen könnte.
Darüber hinaus bringt künstliche Intelligenz nebst ihren Potenzialen auch erhebliche Risiken für die Demokratie mit sich. Dazu gehört insbesondere die Verbreitung von Falschinformationen sowie die gezielte Manipulation von Bildern, Tonaufnahmen und Videos. Bereits heute ist es technisch vergleichsweise einfach möglich, täuschend echte Videos («Deepfakes») zu erstellen, in denen öffentlichen Personen Aussagen zugeschrieben werden, die sie nie gemacht haben.
Schliesslich richtete sich der Blick auf die Schweiz und ihre Ausgangslage im internationalen Vergleich. Die Experten sehen die Eidgenossenschaft in einer grundsätzlich sehr guten Position. So ist die Schweiz das innovativste Land der Welt mit den meisten Patentanmeldungen pro Jahr und hat sich schon in der Vergangenheit erfolgreich darin gezeigt, mit neuen Technologien umzugehen. Eine zentrale Herausforderung wird jedoch der steigende Energiebedarf sein: Neben der Elektrifizierung von Verkehr und Gebäuden benötigen insbesondere Rechenzentren für KI-Anwendungen grosse Mengen an Strom.
Der Abend machte deutlich, dass künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft langfristig prägen wird – unabhängig davon, ob wir uns aktiv mit ihr auseinandersetzen oder nicht. Mit dem Informationsanlass setzte die SVP Richterswil/Samstagern ein Zeichen für eine sachliche und faktenbasierte Auseinandersetzung mit Zukunftsthemen. Die rege Teilnahme zeigte, dass das Interesse an technologischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auch auf lokaler Ebene gross ist.

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