Politik Richterswil

Gemeinderatskandidaten auf der Extrameile

Am Donnerstagabend, 22. Januar, fand das Wahlpodium mit allen Kandidatinnen und Kandidaten statt, die bei der anstehenden Erneuerungswahl um einen Sitz im Gemeinderat (GR) buhlen. Dabei kamen sowohl die Bisherigen wie die Neuen zu Wort.

Text & Bilder: Reni Bircher

Begrüsst wurden die Anwesenden im Haaggeri-Saal Samstagern von Peter Theiler, Präsident der Mitte-Partei Richterswil-Samstagern. Nach einer kurzen Übersicht über den Eventverlauf übergab er das Wort an Claudia Hiestand, welche die Vorstellung der Amtsanwärterinnen und -anwärter moderierte. Sie ist politisch unabhängig, war bis 2017 Redaktorin beim Höfner Volksblatt und erfahrene Moderatorin.
Die Ausgangslage sieht wie folgt aus: Mit dem Rücktritt von Bernadette Dubs (SP), Evelyn Meuter (SVP) und Mira Crivelli-Amstutz (parteilos) werden drei Gemeinderatssitze frei.

Politische Erfolge und Ansinnen der Bisherigen

Die vortretenden bisherigen Amtsträger wurden von der Moderatorin kurz vorgestellt und nach einer Sache gefragt, auf die sie in ihrer politischen Karriere besonders stolz sind und was sie in der nächsten Legislatur in Angriff nehmen wollen.
Hansjörg Germann (Mitte) freut sich besonders darüber, dass mit dem RED-Projekt das Dorf zu dem lebendigen Ort geworden ist, wie er sich das erhofft habe; das Wisli und die Dreifachturnhalle möchte er gut abgeschlossen wissen, um sich auf neue Planungen zu kümmern. Für Marcel Tanner (FDP) ist die Realisierung der «Halle für Alle» ein Meilenstein; er will auf jeden Fall die Baugenossenschaften unterstützen, welche bezahlbaren Wohnraum für Junge und Familien realisieren. Willy Nüesch (FDP) konnte zweimal die Senkung des Steuerfusses durchbringen; nun will er die Verschuldung der Gemeinde in Grenzen halten und nur ausgeben, was nötig ist.
Die längst überfällige Realisierung eines neuen Feuerwehrgebäudes war Renato Pfeffers (EVP) «Sorgenkind», damit die Sicherheit der Bevölkerung weiterhin gewährleistet werden kann; sein grösster Fokus liegt nun auf einem besseren Austausch zwischen dem Ressort Sicherheit und der Schule. Melanie Züger (FDP) hat sich jahrelang für das neue Alters- und Pflegezentrum «Wisli am See» ins Zeug gelegt und will dieses Projekt zu einem guten Abschluss bringen. Christian Stalders (SVP) Stolz ist ebenfalls der neu gestaltete Dorfkern; er möchte sich künftig auf die Realisation des Fernwärmenetzes und die Installation von PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden fokussieren.

Der Mensch im Hintergrund

Um ein bisschen mehr «Gspüri» für die Bisherigen zu bekommen, forderte Claudia Hiestand diese auf, dem Publikum etwas zu verraten, was die wenigsten im Saal wissen.
Züger bezeichnete sich als offen und kommunikativ, deshalb empfand sie die Frage als schwierig zu beantworten. Aber: «Was ich auch erst seit Dezember weiss: Ich werde im Sommer Grossmutter!» Auf diese neue Rolle freut sie sich sehr. Bei den zweimal im Jahr stattfindenden «Auftritten» von Nüesch, probt er seine Reden vorgängig zuhause vor Publikum. «Meistens ist das meine Frau … und wenn sie sagt, dass sie alles verstanden hat, dann kann ich das so präsentieren». Pfeffer hat ein hektisches Jahr vor sich. Er wird im März in den Kantonsrat aufrücken und freut sich, dort die Gemeinde zu vertreten. Zudem wird er umziehen und seinen Verlobten heiraten.
Als gelernter Maurer auf Baustellen tätig, war es für Marcel Tanner unvermeidlich, schmutzig zu werden. Trotzdem sei er eben auch eitel, und «zu wichtigen Anlässen wie heute Abend würde ich nie ungeschminkt aus dem Haus gehen». Christian Stalder nannte einen Abend, wo er miterlebt habe, dass SP- und SVP-Politiker durchaus freundschaftlichen Umgang pflegen können. Das war für ihn Vorbild, in einem Team gut zusammenzuarbeiten, unabhängig von deren Parteiangehörigkeit. In jungen Jahren, verriet Hansjörg Germann, sei er so oft umgezogen, dass in seinem Dienstbüchlein eine Extraseite hat eingeklebt werden müssen, um alle Adressen aufzuführen.

Vorstellung der Herausforderer

Ebenfalls zu sechst standen die Neuen auf der Wahlbühne. Die Moderatorin bat diese, sich vorzustellen und kundzutun, warum sie für den GR kandidieren. Ernst Brem (Mitte), stellt sich nicht nur für die Schulpflege auf, sondern auch als Schulpräsident. In diesem Amt nähme er automatisch den 9. Sitz im Gemeinderat ein. Brem will die der Schule positiv attestierte Qualität einer Evaluation aufrechterhalten und fördern. Der parteilose Adrian Müller will sich für die bessere Schulwegsicherung einsetzen und hatte sich zuvor schon dafür engagiert. Fabian Blattmann (SVP) wünscht sich für kommende Generationen, dass sie so gut und schön in Richterswil-Samstagern aufwachsen können, wie er das durfte.

Miriam Walter (parteilos) ist motiviert, sich für Bevölkerung und Gemeinde zu engagieren. Francisca Boenders (FDP) glaubt an die Kraft der Gemeinschaft und möchte ihr Wissen und ihre Erfahrung in die zukunftsorientierte Entwicklung des Dorfes einbringen. Ein weiterer Parteiloser ist Beat Bisig, der seine Berufserfahrung positiv in die Arbeit im Gemeinderat einbringen will. Ihnen allen gemein ist die Verbundenheit zu Richterswil.

Grund zur Wahl

Auf Nachfrage, welches Thema die Herausforderer bei einer Wahl angehen wollen und welche Erfahrung ihnen dabei helfen soll, im GR zu bestehen, ergaben sich folgende Antworten:
Da noch offen ist, in welchem Ressort die Kandidatinnen und Kandidaten eingesetzt würden, ist die Nennung eines speziellen Themas schwierig. Boenders strebt übergeordnet den sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen an sowie eine sachorientierte und konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden. Als Geschäftsleiterin ist sie finanzerfahren, sozial und hat gelernt, dass einem Menschen möglichst rasch geholfen werden muss, wieder in ein eigenverantwortliches Leben zurückzufinden. Sie liebt den Kontakt mit Menschen.
Blattmann will die Transparenz und Kommunikation gegenüber der Bevölkerung fördern, ebenso legt er Wert auf gute Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde. Durch die Arbeit auf dem Notariat weiss er, wie eine staatliche Behörde funktioniert. Seit über zwei Jahren arbeitet er in der Privatwirtschaft und studiert nebenbei Betriebswirtschaft. Sein Alter ermögliche es, eine etwas andere Perspektive einzunehmen und er denkt langfristig.
Der Fokus von Müller liegt in der sichtbaren Beschilderung der Schulwege. Als Jugendarbeiter hat er Erfahrung mit dem Verwaltungsapparat. Beziehungen zu knüpfen nennt er als seine Stärke.
Walter sieht sich als verbindliche Partnerin für die Stimmbevölkerung, setzt auf gute Zusammenarbeit («ich bin zwar partei-, aber nicht profillos») und der Erarbeitung guter Lösungen. Die Förderung von Vereinen und bezahlbarem Wohnraum sind ihr wichtig. Seit zehn Jahren arbeitet sie in der öffentlichen Verwaltung und hat es geschafft, in den letzten Monaten zwölf Mittagstischstandorte zu eröffnen. Sie kann sich rasch in neue Aufgaben reindenken und arbeitet gut unter Druck.
Bisig erachtet es als gegeben, die Weisungen des Kantons betreffend Verkehrssituation zu prüfen, besonders auf den Hauptverkehrsachsen. Dann betrachtet er besorgt das digitale «Abgehängtwerden» der älteren Bevölkerung und möchte entsprechende Angebote entwickeln, um diese Menschen digital zu integrieren. Er nahm schon diverse Führungsaufgaben wahr und ist als Berufsschullehrer tätig.
Als einzigem Kandidat wäre Brem das Ressort gewiss, weshalb er die Schulwegsicherung als anzugehendes Thema ausweisen kann. Da die Schulpflege ab der neuen Legislatur höchstens aus einem ehemaligen Mitglied besteht, gelte es vorerst, sich als Team zu finden und dann eine Standortbestimmung zu machen. Der Rechtsanwalt sieht seinen Vorteil darin, dass er sich durch den «Regelungsdschungel» weder verunsichern noch hemmen lassen werde.
Nach der Möglichkeit, Publikumsfragen an sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten zu stellen, wurde von diesen zum Apéro geladen, um auch bei lockerem Beisammensein nochmals auf Tuchfühlung zu gehen.

Wahl-Veranstaltung mit sämtlichen Kandidatinnen und Kandidaten der Behördenwahlen:
7. Februar auf dem Wisshusplatz (siehe Inserat).

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