Der Kirchen- und Oratorienchor Wädenswil widmete sich am Konzertwochenende vom 22./23. November den Barock-Komponisten Bach und Haydn.
Text: Reni Bircher
Bild: André Springer
Das leise Murmeln im gut gefüllten Kirchenschiff verstummt und wird zu erwartungsvollem Applaus, als die Solisten und Dirigent Felix Schudel die Bühne betreten. Die Kantate «Bringet dem Herrn Ehre» von Johann Sebastian Bach besteht aus mehreren Sätzen. Sie entstand während seiner Schaffenszeit als Kantor der Thomaskirche in Leipzig, wo der ebenso geniale wie schwierige Musiker an die 300 Kantaten für die sonntäglichen Messen schrieb.
Beim ersten Satz sticht das Trompetenspiel von Immanuel Richter heraus, ist aber weder aufdringlich noch fordernd und fügt sich wunderbar mit den brummenden Celli der Musiker des Neuen Glarner Musikkollegiums ein. Der etwa siebzigköpfige Kirchen- und Oratorienchor Wädenswil steuert sanften Gesang bei, welcher zwischendurch feierlich anschwillt.
Den zweiten Satz bestreiten Cello und Geige. Sie begleiten den Tenor Christiaan Postuma, dessen Gesang so klar und deutlich ist, dass die Konzertbesucher jedes Wort verstehen können. Abgelöst wird er dann von Alt-Stimme Claudia Iten und dem ganzen Orchester. Zwischendurch, wenn die Holzbläser dominieren, erinnert das Stück beinahe an Kammermusik.
Den Schlusssatz der Bach-Kantate beginnt erneut Tenor Postuma, begleitet vom Cello, bevor das gesamte Orchester und der Oratorienchor einsetzen und das Kirchenschiff der reformierten Kirche Wädenswil gänzlich in eine wohlige Klanghülle verwandelt.
Die folgende kurze Motette «Lobet den Herrn, alle Heiden» ist nur für Chor geschrieben. Technisch schwierig, anspruchsvoll und mitreissend, von den Sängerinnen und Sängern hervorragend und glanzvoll vorgetragen.
Messe in Zeiten der Bedrängnis
Der Hauptteil des Konzertes gehört dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn. In seiner Stellung als Hofmusiker der Adelsfamilie Esterházy hatte er die Aufgabe, jeweils zum Namenstag der Fürstin ein neues Werk zu schreiben. Aufgeführt worden soll die Messe sein, als der britische Admiral Horatio Nelson die Esterházys in Eisenstadt besucht hat, weshalb die Komposition auch als «Nelsonmesse» bezeichnet wird.
«Missa in Angustiis» (Messe in Zeiten der Bedrängnis) ist ein beinahe dramaturgisches Werk und profitiert von den neuen sinfonischen Gestaltungsmitteln, welche Haydn während seiner Besuche in England entwickelt hatte. Die Solopartien sind in den Chor eingebunden, eine ganz neue Weise zu jener Zeit, Stimmen einzusetzen.
Für die Messe erweitert sich das Orchester durch mehrere Musiker, und zwei weitere Solisten betreten die Bühne: Stephanie Ritz (Sopran) und Fabrice Raviola (Bass). Die vier Solisten singen in den Sätzen in unterschiedlicher Zusammenstellung ein Thema, manchmal erklingen nur Orchester und Chor. Deren Klangfarben sind klar definiert und die Einsätze so präzise, dass man als Zuhörerin und Zuhörer von einer ungeheuren Disziplin und zahlreichen Proben des Chors ausgehen muss.
Die aufeinander folgenden Sätze sind variantenreich in der Ausführung. Einen besonders harmonischen Part bildete die Zwiesprache von hellem Geigenspiel und den sie umschmeichelnden Hornklängen. Wenn Sopran- und Altstimme nur von den Streichern begleitet werden, bekommt die Musik etwas Dringliches, bevor Tenor und Bass, Chor und Bläser einsetzen und den Raum gänzlich ausfüllen.
Die «Nelsonmesse» hat eine schier unerhörte Kraft, durchbrochen von sanften Partien, die Stimmen mal fordernd, mal bittend. Eine überaus lebendige Messe, die stellenweise die Kopfhaut kribbeln lässt.
Und endlich darf geklatscht, der Begeisterung über diese meisterhaft vorgetragen Werke freien Lauf gelassen werden. Die zumeist säkularen Texte mögen Geschmackssache sein, doch die Ausführung war einwandfrei und ergreifend. Musik, die überdauert.
Matinée
Dem Konzertwochenende war wie immer eine Matinée im reformierten Kirchgemeindehaus Rosenmatt vorausgegangen. Dirigent Felix Schudel macht dort eine Konzerteinführung für alle Interessierten, und die ist wahrlich ein Highlight. Er versteht es, mit seinen fachkundigen Ausführungen und mit Tonbeispielen das Publikum in den Bann der Musik zu ziehen, sie dem jeweiligen Komponisten und deren Zeit näher zu kommen, ebenso wie das Verständnis zu fördern, wie alles miteinander verknüpft ist. Lohnende 60 Minuten!
Neustimmen sind herzlich willkommen.
www.kuow.ch
Der Kirchen- und Oratorienchor Wädenswil widmete sich am Konzertwochenende vom 22./23. November den Barock-Komponisten Bach und Haydn.
Text: Reni Bircher
Bild: André Springer
Das leise Murmeln im gut gefüllten Kirchenschiff verstummt und wird zu erwartungsvollem Applaus, als die Solisten und Dirigent Felix Schudel die Bühne betreten. Die Kantate «Bringet dem Herrn Ehre» von Johann Sebastian Bach besteht aus mehreren Sätzen. Sie entstand während seiner Schaffenszeit als Kantor der Thomaskirche in Leipzig, wo der ebenso geniale wie schwierige Musiker an die 300 Kantaten für die sonntäglichen Messen schrieb.
Beim ersten Satz sticht das Trompetenspiel von Immanuel Richter heraus, ist aber weder aufdringlich noch fordernd und fügt sich wunderbar mit den brummenden Celli der Musiker des Neuen Glarner Musikkollegiums ein. Der etwa siebzigköpfige Kirchen- und Oratorienchor Wädenswil steuert sanften Gesang bei, welcher zwischendurch feierlich anschwillt.
Den zweiten Satz bestreiten Cello und Geige. Sie begleiten den Tenor Christiaan Postuma, dessen Gesang so klar und deutlich ist, dass die Konzertbesucher jedes Wort verstehen können. Abgelöst wird er dann von Alt-Stimme Claudia Iten und dem ganzen Orchester. Zwischendurch, wenn die Holzbläser dominieren, erinnert das Stück beinahe an Kammermusik.
Den Schlusssatz der Bach-Kantate beginnt erneut Tenor Postuma, begleitet vom Cello, bevor das gesamte Orchester und der Oratorienchor einsetzen und das Kirchenschiff der reformierten Kirche Wädenswil gänzlich in eine wohlige Klanghülle verwandelt.
Die folgende kurze Motette «Lobet den Herrn, alle Heiden» ist nur für Chor geschrieben. Technisch schwierig, anspruchsvoll und mitreissend, von den Sängerinnen und Sängern hervorragend und glanzvoll vorgetragen.
Messe in Zeiten der Bedrängnis
Der Hauptteil des Konzertes gehört dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn. In seiner Stellung als Hofmusiker der Adelsfamilie Esterházy hatte er die Aufgabe, jeweils zum Namenstag der Fürstin ein neues Werk zu schreiben. Aufgeführt worden soll die Messe sein, als der britische Admiral Horatio Nelson die Esterházys in Eisenstadt besucht hat, weshalb die Komposition auch als «Nelsonmesse» bezeichnet wird.
«Missa in Angustiis» (Messe in Zeiten der Bedrängnis) ist ein beinahe dramaturgisches Werk und profitiert von den neuen sinfonischen Gestaltungsmitteln, welche Haydn während seiner Besuche in England entwickelt hatte. Die Solopartien sind in den Chor eingebunden, eine ganz neue Weise zu jener Zeit, Stimmen einzusetzen.
Für die Messe erweitert sich das Orchester durch mehrere Musiker, und zwei weitere Solisten betreten die Bühne: Stephanie Ritz (Sopran) und Fabrice Raviola (Bass). Die vier Solisten singen in den Sätzen in unterschiedlicher Zusammenstellung ein Thema, manchmal erklingen nur Orchester und Chor. Deren Klangfarben sind klar definiert und die Einsätze so präzise, dass man als Zuhörerin und Zuhörer von einer ungeheuren Disziplin und zahlreichen Proben des Chors ausgehen muss.
Die aufeinander folgenden Sätze sind variantenreich in der Ausführung. Einen besonders harmonischen Part bildete die Zwiesprache von hellem Geigenspiel und den sie umschmeichelnden Hornklängen. Wenn Sopran- und Altstimme nur von den Streichern begleitet werden, bekommt die Musik etwas Dringliches, bevor Tenor und Bass, Chor und Bläser einsetzen und den Raum gänzlich ausfüllen.
Die «Nelsonmesse» hat eine schier unerhörte Kraft, durchbrochen von sanften Partien, die Stimmen mal fordernd, mal bittend. Eine überaus lebendige Messe, die stellenweise die Kopfhaut kribbeln lässt.
Und endlich darf geklatscht, der Begeisterung über diese meisterhaft vorgetragen Werke freien Lauf gelassen werden. Die zumeist säkularen Texte mögen Geschmackssache sein, doch die Ausführung war einwandfrei und ergreifend. Musik, die überdauert.
Matinée
Dem Konzertwochenende war wie immer eine Matinée im reformierten Kirchgemeindehaus Rosenmatt vorausgegangen. Dirigent Felix Schudel macht dort eine Konzerteinführung für alle Interessierten, und die ist wahrlich ein Highlight. Er versteht es, mit seinen fachkundigen Ausführungen und mit Tonbeispielen das Publikum in den Bann der Musik zu ziehen, sie dem jeweiligen Komponisten und deren Zeit näher zu kommen, ebenso wie das Verständnis zu fördern, wie alles miteinander verknüpft ist. Lohnende 60 Minuten!
Neustimmen sind herzlich willkommen.
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