Richterswil

Künstliche Intelligenz – Chance oder Gefahr?

Diese Frage versuchten am Donnerstag, 27. November, zwei Experten in einem spannenden Vortrag von allen Seiten zu beleuchten und etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Text & Bild: Reni Bircher

KI konfrontiert, bewegt, ver­-unsichert. Klar scheint, dass vieles (noch) nicht klar ist.
Für den Informationsanlass zeichnet sich Fabian Blattmann verantwortlich, welcher kürzlich den Bachelor in Betriebsökonomie abschloss und sich neben seinem Job in einer Zürcher Immobilienfirma den Master erarbeitet. Nebst dem eigenen Interesse lag der Fokus der öffentlichen Veranstaltung darin, ein Thema, das in aller Munde ist, zu beleuchten und vielleicht auch die eine oder andere Frage beantwortet zu bekommen.
Die beiden Experten, welche für diesen Abend geladen waren, beschäftigen sich beruflich mit der Künstlichen Intelligenz. Melissa Willhaus und Tobias Thonak bringen als Unternehmensberater Schweizer Firmen bei, wie sie sicher mit Daten umgehen und wie sie KI richtig nutzen können. Um für ein Unternehmen tatsächlich nutzbringend zu sein, müssen ihre Datensätze einheitlich, klar und möglichst vollständig sein. «Eine KI lernt von Daten, die ihr gegeben werden und kann aufgrund dessen Antworten auf Fragen liefern, welche sie noch nie zuvor gehört hat», erklärte Thonak. «Aber dafür muss das Datenmanagement gut sein, damit sie diese KI-Use-Cases – also die Interaktion zwischen einem Nutzer und einem System – anwenden können». Dass Firmen KI nutzen können, scheitert oftmals an der fehlenden Datenlandschaft.

Einschneidende Umwälzungen

In dem folgenden Vortrag übernahm Willhaus den Part der KI gegenüber positiv eingestellten Person, während Thonak mit den möglichen oder tatsächlichen Gefahren den Gegenpol darstellte. In dieser Konstellation gingen die Referenten mehrere Gebiete durch, in der die Künstliche Intelligenz mehrheitlich schon Einzug hielt, es aber in Zukunft noch verstärkt tun könnte.
Die Zuhörerschaft erhielt einen kurzen Diskurs darüber, was KI eigentlich ist, nämlich das Abrufen von Daten, um eine passende Antwort zu liefern. «Wer schon mal ChatCPT genutzt hat, bekommt das Gefühl, die Maschine kann denken – das tut sie aber nicht», erklärt Tobias Thonak eindringlich. Alles «Wissen» kommt von den Menschen, welche die entsprechenden Informationen speichern. Eine wirkliche Intelligenz bei den Maschinen gibt es nicht, sie verstehen nicht, was die Dinge bedeuten, die sie zusammensuchen. Und ihre Antworten sind meist sehr überzeugend.

Mit einem Blick in die Vergangenheit führte Melissa Willhaus den Gästen vor Augen, welch einschneidende Veränderungen durch den Fortschritt stattfanden: Die Erfindung der Dampfmaschine, von Elektrizität, dem Internet. All diese Errungenschaften brachten grosse Umwälzungen. Nach anfänglicher Skepsis und Angst entstanden neue Berufe und Möglichkeiten, die schliesslich zu mehr Lebensqualität und Wohlstand führten.
Gegenpol Thonak rief in Erinnerung, dass diese Umbrüche immer brutal und schmerzhaft gewesen seien. Viele Menschen verloren ihren Job und somit ihre Lebensgrundlage, die Städte waren überfüllt von Leuten, die auf Arbeitssuche waren. «Als die landwirtschaftliche Arbeit weggefallen ist, wurden Hände in den Fabriken gebraucht, die produziert haben», zeichnete er den Weg dieser Entwicklungen auf. Mit der Elektrizität kamen die automatisierten Maschinen und der Mensch wurde ersetzbar. Unsere aktuelle Service- und Business-Gesellschaft braucht vor allem Gehirne, welche in den Büros die Aufgaben erledigen. «Die grosse Frage jetzt ist, was denn noch bleibt, wenn die künstlichen Gehirne kommen.»

Vielfältiges Betätigungsfeld

Die Künstliche Intelligenz wird oder könnte in Zukunft in zahlreichen Bereichen eingesetzt werden: im Gesundheitswesen, den Büros, Schulen, in Berufen, wo körperlich strenge oder gefährliche Arbeiten verrichtet werden müssen, ebenso in der modernen Kriegsführung.
Eine Vision zeigt auf, dass der Mensch weniger arbeiten und vor allem körperliche Arbeit den KI-gesteuerten Alltagshelfern abgibt.
Der technologische Wandel scheint unaufhaltsam, die Frage ist, wie wir damit umgehen. Politik und Gesellschaft sind heute schon Falschmeldungen ausgesetzt; es werden Bilder verfälscht, den Protagonisten in Videos ungesagte Worte in den Mund gelegt, Fehlinformationen gestreut. Ein Beispiel: Die 2023 von den Russen gestreute Nachricht einer grassierenden Bettwanzenplage in Paris. Eine Meldung, welche weltweit von den Medien gierig – und nicht verifiziert – in der Öffentlichkeit breitgetreten wurde. Zwar war ein Anstieg von Bettwanzen in Frankreich und Deutschland verzeichnet worden, die ausgebrochene «Hysterie» deswegen stand jedoch in keinem Verhältnis.
Testläufe haben bewiesen, dass eine KI fähig ist zu «lügen». Und Thonak stellte die Frage in den Raum: Können wir die KI denn wirklich beherrschen? Auf Anfrage aus dem Publikum, ob eine Superintelligenz möglich sei, stellt der Referent klar fest, dass der Mensch nicht weiss, wo die Grenzen sind. Die KI sucht immer nach den bestmöglichen Informationen im Netz, um Antworten zu liefern. Und sie lernt. «Vielleicht erfindet sie tatsächlich einmal eine Intelligenz, welche die ihrige noch überragt.»

Standort Schweiz

Wo steht die Schweiz tatsächlich in dieser Entwicklung? Die Erfahrung der Experten zeigt, dass die Datenlandschaft bei Firmen zu ungenau und unvollständig ist, als dass die KI nutzbringend eingesetzt werden könnte. Die Daten müssen also zuerst zeit- und kostenintensiv bereinigt werden.
Die Schweiz ist das innovativste Land mit den meisten Patentanmeldungen; das Potenzial, welches insbesondere Kleinfirmen durch die Künstliche Intelligenz ausschöpfen könnten, wäre enorm.
Bei diesem spannenden Einblick in ein den meisten noch unbekanntes Gebiet zeigt sich, dass genaue, korrekte Grundlagenarbeit unabdingbar ist, um der KI gesicherte Werte und Informationen liefern zu können. Problematisch ist, dass das Netz von unzähligen Quellen gefüttert wird. Der Mensch ist sowohl im Guten wie Schlechten schier unberechenbar – und ist der Weg zur Hölle bekanntlich nicht gepflastert mit guten Vorsätzen?
Sicher ist, dass jede Nutzerin, jeder Nutzer einer KI genaustens prüfen muss, ob die gelieferten Informationen tatsächlich der Wahrheit entsprechen.

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