Richterswil

Ehrung der Freiwilligen und Sportler

Volles Haus bzw. voller Haaggeri-Saal am 5. Dezember, wo die Freiwilligenarbeit verdankt und sportliche Erfolge gefeiert wurden.

Text & Bilder: Reni Bircher

Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Gemeindepräsident Marcel Tanner die Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit zu einem Grundpfeiler einer Gemeinschaft. Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung ist regelmässig ehrenamtlich tätig, was nicht nur Anerkennung und Wertschätzung verdient, sondern auch eine Vorbildfunktion hat.
Wie jedes Jahr wird ein Verein oder eine Organisation aus dem Dorf geehrt. Heuer ging die Würdigung an Daphne Rich, Initiantin des Reidholz-Erlebnisweges, einem Outdoor-Abenteuer, bei dem es knifflige Rätsel zu lösen gilt. Für den Unterhalt sorgt das Team meist selbst. Weil das Angebot, auch die dazugehörende App, gratis ist, sind sie auf Spenden angewiesen. Eine Erweiterung des Angebotes kann sich Rich durchaus vorstellen: «Etwas Kürzeres im Dorf vielleicht».
Nächster Gast auf der Bühne war der diesjährige Schützenkönig des traditionellen Zürcher Knabenschiessens, Cla Meier. Die Nervosität war dem 16-Jährigen anzusehen, und auf Tanners Anfrage, wie er sich denn auf den Wettkampf vorbereitet habe, sagte dieser, dass er spontan hingegangen sei und «es isch eifach super gloffe». Nach erneuter Gratulation überreichte der Gemeindepräsident eine Urkunde mit Foto von dem Tag, als der Schützenkönig zuhause mit dem Packard33 für eine Feier abgeholt worden war.

Muskelkraft und flinke Beine

Nach diesen Ehrungen ging es weiter zur Sportlerehrung, welche erneut Livesportkommentator Patrick Schmid übernahm, wortgewandt, souverän und charmant wie immer. Er sprach davon, wie Emotionen im Sport nicht «kreiert» werden müssen, ganz im Gegensatz zu den Protagonisten in Unterhaltungssendungen. Wer Schmid schon mal gehört hat, kann bestätigen, wie sehr der Moderator mit dem Geschehen auf dem Sportplatz mitgeht. Wer das noch nie erlebt hat, bekam nun Gelegenheit dazu: Auf der Leinwand wurde das Rennen der Schweizer Hürdenläuferin Ditaji Kambundji in Tokio gezeigt, wo die 23-jährige den Weltmeistertitel erkämpfte – und Kommentator Schmid total aus dem Häuschen war und sich kaum mehr einkriegte.
«Für die Emotionen heute Abend sind aber die Sportlerinnen und Sportler zuständig, infolge der Ziele, welche sie erreicht haben und heute Abend dafür geehrt werden.» Zum zweiten Mal an der Ehrung dabei war Beat Habermacher und seine beiden Cockerspanielhunde, Mr. B und Mr. Q. In der Sportart Agility Race bestritten beide Hunde alle Europäischen Grosswettkämpfe und liefen ins Finale. Mit Mr. Q (5 Jahre) belegt Habermacher den Vize-Senior-Weltmeister (55–65 Jahre) für die Schweiz und den 5. Platz im Einzel in Portugal (Mr. B, 7 Jahre).
Beim Agility Race muss ein Hindernisparcours so schnell und effizient wie möglich durchlaufen werden. Dabei sind ungefähr 260 Meter mit 22 Hindernissen zu überwinden, bei dem Habermacher sicher fünf Hindernisse im Voraus eruiert, wo er und wo der Hund laufen muss. Dabei muss er sich immer vor dem Tier positionieren, um die entsprechenden Befehle – drei zugleich können es sein – zu erteilen. Eine gewaltige Leistung von Mensch und Tier zugleich.
Marlene Hinterberger ist dem Publikum ebenfalls nicht unbekannt, bislang aber ebenfalls die Einzige in ihrer Sportart: Natural Bodybuilding, also Muskelaufbau ohne leistungssteigernde Substanzen. Die 35-jährige wurde Schweizermeisterin Figure +35, belegt den 3. Platz Figure Open bei den Grand Dutch Naturals und qualifizierte sich für die WM in Los Angeles. Dort erreichte sie in ihrer Kategorie Figure den 3. Platz und bei Fit Body ebenfalls den 3. Platz. Das verschaffte der jungen Frau regen Applaus im Saal.
«Wie gehst Du mit Deinen Emotionen um?», wollte der Moderator wissen. Gerade in Amerika sei das etwas schwierig, erzählt Hinterberger, denn dort sei die Preisverleihung, und nach fünf Sekunden werde man rauskomplimentiert. «Da wird’s schon schwierig mit den Emotionen», schmunzelte sie, unterstreicht aber, was für ein tolles Team sie gewesen seien.
2026 ist eine Wettkampfpause angedacht, bedeutet Essen, Trainieren, Muskelaufbau. Was danach kommt, das lässt Marlene Hinterberger auf sich zukommen.
Auf der Leinwand wurden die Beiträge zweier Teilnehmer gezeigt, welche nicht persönlich am Anlass dabei sein konnten. Dies war der Turnfestsieger am Eidgenössischen in Lausanne, Mehrkampfsportler Reto Fässler. Ausserdem belegt er den 3. Platz an der 10-Kampf-Schweizermeisterschaft und hält den Schwyzer Kantonalrekord im 10-Kampf. Der Jüngste der heutigen Gewinner-Runde ist derzeit in Palma de Mallorca an der der ältesten Segelregatta der Balearen, die Trofeo Abanca Ciutat de Palma. Der 13-jährige Segler Adrian Koller ist Gewinner der Punktemeisterschaft in Pully und der Regatta Sihlsee/Stäfa, belegt den 2. Platz bei der Bestenliste Swiss Optimist und den 3. bei der CH-Punktemeisterschaft.

Erfolgreichstes Jahr der Ruderer

«Ich glaube, Richterswil war im Rudersport noch nie so erfolgreich wie dieses Jahr», leitete Patrik Schmid den zweiten Block des Abends ein. Die vier jungen Leute, welche für diese hervorragenden Leistungen zeichnen, sind Andrin Biberstein, Annik Heuss, Lucas Jordil und neu dabei Adrian Gätzi.
Biberstein erreichte die Top-10-Platzierung EM Beachsprint Solo U19, ist Schweizermeister 2025 im Doppelvierer Junioren U19, Schweizermeister 2025 und nahm an der EM- und WM-Solo-
Beachsprint-Junioren-U19 teil. Der 18-Jährige hat inzwischen seine Vorliebe für den Beach-sprint entdeckt, und auf die Nachfrage des Moderators erklärt Biberstein, wie ein solcher abläuft: «Man muss zuerst 60–70 Meter über einen Strand rennen, um ans Boot zu kommen. Mit diesem rudert man einen Slalom, gerade zurück zum Strand, wo der Athlet aus dem Boot springt und die gleiche Strecke zum Startpunkt zurückrennt».
Das Beach-Sprint-Format des Küstenruderns wird 2026 in das Programm der Olympischen Jugendspiele aufgenommen.
Annik Heuss hatte grosses Glück, dass sie am Coup de la Jeunesse (Spanien) teilnehmen konnte, denn gleich am Trainingstag vor dem Wettkampf stürzte sie so unglücklich ins Boot, dass sie eine tiefe Schnittwunde am Knie davontrug. Ihr wurde die Teilnahme dann doch erlaubt, und sie erkämpfte sich im Doppelvierer Silber und Bronze! Zudem ist Heuss Schweizermeisterin im U17 Skiff und ebenso im Beachsprint U19 Solo.
Wie steht es hier mit den Emotionen der vier Ruderer, will der Moderator wissen. Die sehen bei allen mehr oder weniger gleich aus: Die Anspannung vor dem Rennen ist deutlich spürbar, doch während dessen ist man so hochkonzentriert, dass man einfach funktioniert. Danach fällt alle Spannung ab, und gerade bei Lucas Jordil fliegen die Arme nach dem letzten Ruderschlag durchs Ziel einfach in die Luft – so schilderte es Biberstein –, es wird gejohlt und geschrien vor Erleichterung.
Jordil ist seit langem auf der Liste der Bestplatzierten zu finden, ist aktuell Schweizermeister U19 Doppelvierer, belegt den 2. Platz beim Coupe de la Jeunesse im Achter, Coupe de la Jeunesse Beach Sprint im Doppelzweier. Er kann bestätigen, dass es das erste Mal ist, dass gleich drei Richterswiler Ruderer am Coup de la Jeunesse teilgenommen haben und zu den Medaillengewinnern gehören. Ihnen allen gehört der Traum an, sowohl an EM wie WM teilnehmen zu können.
Gätzi hat das erste Mal an einer Schweizermeisterschaft teilgenommen und sich dort den 2. Rang im Einer U15 errudert. Der 14-Jährige zeigt sich enorm ehrgeizig. Ob er sich bei seinen Sportkollegen auf der Bühne etwas abschauen könne? «Von Lucas hätte ich gerne die Körpergrösse und von Andrin das Durchhaltevermögen.»

Genussvoller Abschluss

Nach grossem Applaus wurde auch der Moderator herzlichst verdankt und von IRS-Präsident Daniel Stiefel gefragt, wie es denn um Schmids Emotionen hinsichtlich der Olympischen Spiele in Italien steht. «Ich bin froh, dass ich selektioniert wurde und freue mich riesig», gestand er. Der «olympische Spirit», von dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählen, der würde auch bei den Journalisten Einzug halten, und bei diesem Ereignis den Schweizer Athleten so nah sein zu dürfen, sei ganz speziell.
Traditionell servierte der Gemeinderat und das IRS-Team den Anwesenden ein feines Raclette, der Verkehrsverein verteilte Rosen, und zum Schluss sorgte der Chor rezeptfrei für musikalische Unterhaltung.

Teilen mit: