Wädenswil

Bahnhofumbau: «Wädenswil darf sich auf viele Neuerungen freuen!»

Bahnhöfe sind die gebauten Visitenkarten der SBB. Das Bahnhofareal ist auch der erste Eindruck, den Reisende – sei’s als Ankommende, sei’s als Durchfahrende – von einer Ortschaft erhalten. Im Rahmen des Ausbauschrittes 2035 wird die Kapazität des Bahnhofs Wädenswil gesteigert, gleichzeitig soll die Umgebung attraktiver werden. 

Text & Fotos: Stefan Baumgartner; Visualisierungen: zvg

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Der Bahnhof Wädenswil steht vor einem grossen Ausbauschritt, mit dem die Kapazität für die Reisenden und für den Bahnverkehr gesteigert wird. Aktuell werden jeden Tag 20 000 Personen durch den Bahnhof Wädenswil geschleust, bis 2030 werden es gemäss der Erwartungen der SBB 26 000 sein. Darum geniesst die Kapazitätssteigerung und der Umbau des Bahnhofareals bei den SBB Priorität. Um für dieses verkehrstechnisch, städtebaulich und denkmalpflegerisch anspruchsvolle Projekt die beste Lösung zu finden, hatten die SBB einen Projektwettbewerb lanciert. Am 11.11. wurde das Siegerprojekt zum Ausbau vorgestellt. Damit konkretisierte sich die Planung des Bahnhofausbaus, der im Rahmen des Ausbauschritts 2035 des Bundes umgesetzt wird. Neun Teams bewarben sich; fünf davon wurden zur Einreichung eines Projekts eingeladen. Die Jury zeichnete nun das Projekt «zickzackzug» des Planungsteams Gruner Schweiz AG mit dem ersten Preis aus. «zickzackzug» überzeugte die Jury unter anderem damit, dass es um den Bahnhof Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität schafft und so das ganze Bahnhofsgebiet aufwertet. Und darum konnte René Batschelet, Gesamtprojektleiter bei den SBB, anlässlich der Präsentation vor den Medien auch verkünden: «Wädenswil darf sich auf viele Neuerungen freuen!»

So sind die Fahrwege und Parkfelder für Velos, Motorräder und Autos gut angeordnet und ermöglichen kurze Wege beim Umsteigen. Dazu trägt auch die gut platzierte, neu zu erstellende Personenunterführung Seehof bei, die mit Liften und Treppen erschlossen wird und so auch für den barrierefreien Zugang zu den Gleisen sorgt. Zudem soll der Personenfluss besser verteilt werden; diese neue Unterführung hat keinen Zugang zum Seeplatz. Bis anhin bemängelten Reisende den zu kleinen, oft defekten, Lift in der «alten» Bahnhofsunterführung, die von der Gerbestrasse zum Bahnhof und weiter zum Seeplatz führt. Von der bestehenden «neuen» Unterführung, die jetzt vom Hotel Du Lac zum Seeplatz führt, führen nur Treppen zu den Perrons. Diese Unterführung würde dann nicht mehr für den Personenverkehr genutzt, die Aufgänge zu den Perrons geschlossen. Der Zugang zum Seeplatz bleibt aber bestehen.

Breiteres Perron zwischen Gleis 2 und 3

Das Umsteigen zwischen den Zügen der SBB und der SOB Richtung Einsiedeln wird erleichtert. Die Gleisanlagen der SOB werden zudem mit einem neuen, zweiten Gleis sowie einem neuen Aussenperron ergänzt, wofür der denkmalgeschützte Güterschuppen verschoben werden muss. Zusätzlich wird das umfassende Bauprojekt genutzt, um notwendige Erneuerungsarbeiten an der Bahnanlage durchzuführen. Weichen muss darum auch die im November 2009 eröffnete «Skateranlage Güeterschuppe», da die SBB im Güterschuppen künftig das Stellwerk und weitere Bahntechnik unterbringen will. Bauvorsteherin Astrid Furrer bemerkte darum an der Vorstellung des Siegerprojekts auch, dass die Stadt Wädenswil für die Jugendlichen an anderer Stelle wieder etwas Vergleichbares zur Verfügung stellen muss. 

Mit einem erneuerten, breiteren Mittelperron zwischen den Gleisen 2 und 3 sowie mit der Verbreiterung und Verlängerung des Hausperrons Gleis 1 wird dabei mehr Platz für die Reisenden geschaffen. Gleichzeitig werden die Perrons partiell erhöht, um ein stufenfreies Ein- und Aussteigen durchgehend zu gewährleisten. Das äusserste Gleis zum Seeplatz hin wird zu einem «Multifunktionsgleis», was heisst, dass auch hier Ein- und Aussteigen über eine Perronkante möglich sein wird. 

Der ebenfalls an der Medienkonferenz anwesende Örtler Kurt Schreiber, ehemaliger Präsident von Pro Bahn, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs, bemängelte hingegen, dass die Länge des Mittelperrons von jetzt über 400 Meter auf 320 Meter verkürzt werde, was den langen Fernverkehrszügen den Halt in Wädenswil verunmögliche. Tatsächlich fährt die SOB aktuell auf ihrer neuen Fernverkehrsverbindung Chur–Bern oft mit zwei Traverso- und einer Flirt-Komposition, was eine Gesamtlänge von über 370 m ergibt. Auf Anfrage des Wädenswiler Anzeigers bei den SBB antwortete Reto Schärli, Leiter der Medienstelle, wie folgt: «Die Infrastrukturprojekte des Ausbauschrittes 2035, zu denen auch der Ausbau des Bahnhofs Wädenswil gehört, basieren auf den Anforderungen des Bahnangebotes. Im Planverkehr halten heute keine Züge in Wädenswil, die länger als 300 Meter sind. Auch im Langfristhorizont ist kein Halt von längeren IR-Zügen in Wädenswil sowie an den weiteren IR-Bahnhöfen auf diesem Korridor geplant. Das 320 Meter lange Mittelperron reicht deshalb auch für die Zukunft. Das heutige, 400 Meter lange, Mittelperron erfüllt die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nur auf rund der Hälfte der Länge. Die beiden Perronenden sind lediglich 25 cm hoch. Die künftige Perronlänge von 320 Meter war vorgegeben. Die Wettbewerbsteilnehmenden hatten sich nicht damit zu befassen.»

Auswirkungen

Die Verkehrsführung durch das Bahnhofareal wird radikal geändert. So werden auch die Buslinien, die bis anhin beim Güterschuppen in die Bahnhofstrasse einschwenkten, weiter der Seestrasse entlang fahren und erst auf Höhe Bahnhofplatz in eine neu zu erstellende Buskante einfahren. Die Bauvorsteherin begrüsste, dass auf dem neugestalteten Areal viele Abstellmöglichkeiten für Zweiräder eingeplant sind. Jedoch fallen massiv viele Auto-Parkplätze weg. Dazu meinte Furrer, dass alternative Möglichkeiten geschaffen werden müssen, etwa mit dem ebenfalls in der Planung befindlichen neuen Gerbeplatz. «Diese Chance müssen wir nützen, das ist ein Wädenswiler Thema!», sagte sie. Auf diesem Areal hat die Stadt die Möglichkeit, die wegfallenden Parkplätze zu kompensieren, während das auf dem SBB-eigenen Bahnhofareal nicht mehr möglich ist.

Auch die Organisatoren der grössten Chilbi am See werden sich Gedanken machen müssen, ob oder wie sie Marktstände und Fahrgeschäfte im veränderten Perimeter platzieren können.

Mit dem nun veröffentlichten Juryentscheid gehen die Planungsarbeiten in eine nächste Phase: Die SBB erarbeitet nun zusammen mit dem Planungsteam des Siegerprojekts bis Frühling 2024 das Vorprojekt. Die Stadt Wädenswil zeigte sich zuversichtlich, dass die bis anhin sehr gute Zusammenarbeit weitergeführt werden kann. Verläuft das Bewilligungsverfahren nach Plan, kann der Baustart 2027 erfolgen. Die Bauarbeiten werden daraufhin rund sechs Jahre dauern. Der Ausbau des Bahnhofs Wädenswil erfolgt im Rahmen des Ausbauschritts 2035 des Bundes und wird durch dieses Programm finanziert. Die Kosten für den Ausbau inklusive Unterhaltsarbeiten werden auf rund 125 Millionen Franken geschätzt, wobei die Kosten erst im Rahmen des Vorprojekts genauer berechnet werden. 

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