Feuilleton Richterswil

Ausstellung über Hans Peter Treichler


Zu Ehren des kürzlich
verstorbenen Hans Peter Treichler hat das Ortsmuseum eine besondere Ausstellung auf die Beine gestellt, um den vielseitig begabten Richterswiler Bürger zu würdigen.

Auf dem Plattenteller kreist eine schwarze Scheibe und die Stimme von Hans Peter Treichler schwebt in Bardenmanier durch den Raum. Diverse Schallplatten mit Minnegesängen, Volksliedern und Erzählungen mit Musik liegen auf. Des weiteren gibt es auch CDs mit Lesungen aus seinen Büchern, auf einem grossen Tisch liegen zahlreiche Bücher und Bildbände zur Ansicht auf, welche vom Historiker verfasst worden waren. Die Wände sind voll mit Zeitungsartikeln, historischen Dokumenten, die ihm bei seinen Büchern als Recherchehilfe dienten und natürlich eine Auflistung aus Treichlers Werdegang und seines Schaffens.

Einige der zahlreichen Besucher sind erstaunt über die Breite des Spektrums, in welchem sich der am 19. Januar 2019 Verstorbene bewegt hat – und das mit Leidenschaft und Talent. Manche erinnern sich an Begegnungen mit Hans Peter Treichler oder erzählen davon, wie sie ihn an einem Anlass erlebt haben und würdigen seine Romane. In einem weiteren Raum geniessen die Besucher den Dokumentarfilm über das Leben in Richterswil von 1925–2015, bei dem Treichler auch als Sprecher fungierte.

Anno 1914
Seine unverkennbare Stimme scheint allgegenwärtig zu sein im Ortsmuseum, denn auch im dritten Ausstellungsraum erklingt sein Gesang. Diesmal ist es das Bellenlied, welches 1712 verfasst, jedoch nie vertont worden war. Es erzählt in 31 Strophen à je 6 Zeilen von 50 Richterswiler Männern, welche bei der Bellenschanze beim Sternenweiher vor dem Einfall der Schwyzer während des zweiten Villmergerkrieges mitgewirkt hatten. Hans Peter Treichler gelang es, eine Melodie dafür zu kreieren, denn Noten zum Bellenlied gab es keine. Anlässlich dem 300-Jahr-Erinnerungsanlass der Schlacht an der Bellenschanze hat der Sänger das Lied eingespielt und 2012 im Bärenkeller vorgetragen.

Kerzenleuchter aus „Anno 1914“

Auf den Ablagen stehen Gegenstände, welche vom Schweizer Fernsehen für«Anno 1914 – Die Fabrik» ausgeliehen wurden, eine sogenannte «Scripted Living History»-Produktion. Hans Peter Treichler hatte das Richterswiler Ortsmuseum empfohlen, um den Film mit Requisiten auszustatten, und das SRF nahm diese Chance wahr. Treichler hatte damals dem Redaktions- und Produktionsteam des SRF als historischer Berater zur Seite gestanden. «Eine ganze Wagenladung voll haben sie mitgenommen dafür», erzählt Anita Pfister stolz. Noch immer kleben die Nümmerchen an den Sammelstücken, eine genau geführte Liste liegt zur Durchsicht auf. «Wir sind jedenfalls x-mal in den Estrich rauf geklettert, um die Teile zusammenzutragen», erinnert sich Trudi Faes genau.

Aus besonderem Anlass wurde die Ausstellung im Bären eine ganze Woche lang gezeigt – eine Rückblende auf das ereignisreiche, vielschichtige und produktive Leben eines Mannes, der Richterswil 1979 zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Die Familie hat privates Material zur Vervollständigung der Präsentation beigetragen. Die Besucher wussten das durchaus zu schätzen. (rb)