Wädenswil

Willkommen zur Jubiläumschilbi Wättischwil

Die grösste Chilbi am See feiert Jubiläum. Vor 250 Jahren feierte die Wädenswiler Bevölkerung ausgelassen ihre neue Kirche. Die Einweihungsfeier – Kirchweih – erfolgte am 23. August 1767 mit einem Festgottesdienst. Heute erinnert die Chilbi auf dem Seeplatz sowie den umliegenden Strassen und Plätzen an dieses bedeutsame Ereignis.

Natürlich feiert die reformierte Kirchgemeinde auch an der Chilbi kräftig mit, auch ist der Chilbiauftakt ja traditionell mit der «Chilbimusig» besetzt. Auch diese Veranstaltung feiert Jubiläum: Vor rund 30 Jahren hatte Ursula Hauser die Idee, in der wunderschönen Grubenmannkirche mit einem Auftakt zu diesem allseits beliebten Volksfest aufzuwarten.
«Wättischwiler spiled Wättischwiler Chilbimusig» heisst es diesmal: Peter und Marco Schwarzenbach, Saxophon und Klarinette; Felix Waldmeier und Domenico Emanuele, Trompete; Ursula Bosshardt, Flöte und Piccolo; Georges Pulfer, Klavier/Orgel; Fabio Reichelt & Friends sowie natürlich Ursula Hauser an der Orgel bestreiten das fröhlich-musikalische Programm.

Wenn Sie den Kirchturm und seine besondere Konstruktion einmal von innen erleben und Wädenswil und die Wädenswiler Chilbi vom Kirchturm aus sehen möchten, dann ist am Chilbi-Wochenende eine gute Gelegenheit dazu. Walter Rusterholz und Karl Blickenstorfer begleiten Sie gerne am Samstag und Sonntag ab 14 Uhr auf den Turm und in den Kirchenhimmel und können Interessierten viel Wissenswertes mitgeben.

Am Chilbigottesdienst am Sonntag begegnen sich Teufen und Wädenswil. Die reformierte Kirchgemeinde von Teufen kommt zu Besuch und das Buebechörli Stein und die Trachtengruppe Zürichsee linkes Ufer bringen Zürcher und Appenzeller Traditionen in der Zürcherischen Kirche des Appenzeller Architekten Hans-Ulrich Grubenmann, zusammen.

Auf dem Chilbirundgang

Die Gerbe- und Friedbergstrasse gehört den Marktfahrern und den Vereinen. So steht etwa der einheimische Dani Kägi mit seinen Pasties und Empanadas ganz in der Nähe des Kinderkarussells, das den Eingang vom Kreuz Schönenberg-/Zugerstrasse her bildet. Handball-, Volleyball- und Fussballclub erwarten ihre Gäste entlang der Achse Kantonsplatz bis Alte Post. Auf dem Gerbeplatz – direkt von Chilbi Wetzikon angereist – steht die «VIP» vom Schaustellerpaar Reto und Bea Büttiker-Mathys. Bereits 2015 Gast hier in Wädenswil, schaukelt die Bahn die Mutigen immer höher und höher …
Auch auf dem Plätzli schliesslich eine altbekannte, aber umso beliebtere Bahn: der «Snow Jet» ist schon seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf Tournee, wird aber immer noch von Alt und Jung geschätzt.
Beim Güterschuppen wartet für die Kleinsten der Kinderflieger sowie die Autoscooter – beides Geschäfte, die auf keinem Platz fehlen dürfen und entsprechend immer gut besucht sind. In der Inneren Sust steht die für letztes Jahr angekündigte Neuheit 2016 des schillernden Schaustellers Maier: der «Spin-Tower», die Erweiterung des Swiss Towers, der 2014 und 2015 an der Bahnhofstrasse stand. Der Tower, der sich nun während der Steigung zusätzlich dreht, ermöglicht so einen Rundumblick über die Chilbi und die ganze Stadt.
An der Bahnhofstrasse stehen weiter Patrick Martis «Octopus» sowie «Coco Bongo» des Westschweizers Claude Reymond.
Das als «Krake» bekannte Fahrgeschäft ist ein attraktives Rundfahrgeschäft und für die ganze Familie ausgezeichnet geeignet, wie auch Reymonds «Coco Bongo» viel Spass verspricht. Die vierstöckige Belustigungsanlage wurde in Italien gebaut und feierte 2015 auf der Neuenburger Féte des Vendanges, dem Winzerfest, Premiere. Der Bahnhofplatz gehört dann wiederum den Kleinen; hier stehen die «Junglestreet» sowie die «Etagenrallye», die Grossen verpflegen sich derweil bei den Musikanten der Guggemusig Trubadix mit einem «Trubikafi» oder mit einer feinen Rösti.
Auf dem Seeplatz wartet am gewohnten Standort die Rössliriiti sowie die Konzertorgel. Hier führt die Richterswilerin Denise Moning das Lebenswerk ihres im letzten Jahr verstorbenen Lebenspartner Paul Weber weiter. An der Richterswiler Chilbi hat sie bereits die Feuertaufe als verantworliche Platzchefin mit Bravour bestanden.

Gleich neben der Rössliriiti steht mit der «X-Factory» ein fliegender Teppich oder «Scheibenwischer». Buchsers Snow-Dream verspricht rasante Runden durch Berg und Tal – ein Fahrgeschäft, dass an keiner Chilbi fehlen darf und nichts an Attraktivität eingebüsst hat. Das neue Nostalgie-Riesenrad feierte 2015 Premiere, auch dieses Jahr wartet es wieder auf dem Seeplatz, um den Fahrgästen einen einmaligen Rundumblick zu gewähren. Bei der hinteren Bahnunterführung wartet schliesslich noch «Speed» auf Fahrgäste. Wie der Name schon verspricht, macht das Überkopffahrgeschäft rasante Fahrt. «Durch die Neigung der Gondeln nach hinten bei steigendem Tempo ergibt das ein angenehmes Fahrgefühl» verspricht Schausteller Rodel. Oben angekommen dreht sich das Rad über Kopf. «Ein kurzer Zwischenhalt ist nicht ausgeschlossen, damit man die Aussicht geniessen kann.»
Nicht an die Wädi-Chilbi geschafft hat‘s der «Power-Mix» – die neue Bahn steht immer noch im Werk in Italien.

Insgesamt verspricht die Chilbi auch dieses Jahr wieder einen tollen Mix aus Vereinsbeizen, Marktständen und Gahrgeschäften für alle Wünsche und Bedürfnisse, so dass sich Wädenswil auf drei ausgelassene Tage freuen kann!

Senioren-Gedanken zur Chilbi
Die Chilbi Wädenswil war schon immer ein Grossanlass und ein Publikumsmagnet – ist sie doch die Grösste am See.
Das Datum richtet sich nach dem Namenstag des Bernhard von Clairvaux am 20. August und findet immer am darauffolgenden Sonntag statt. Dieses Jahr fällt sie ausserdem mit der Kirchweih in Einsiedeln zusammen, welche immer am letzten Augustsonntag stattfindet. Wenn man schon über 80 Jahre zurückblicken kann, so hat sich doch einiges verändert.
Als Primarschüler aus der Au fuhren wir Kinder 1935 um 14.00 Uhr mit dem Zug ins Dorf. Das Billett kostete damals 25 Rappen für beide Wege. Ein paar Batzen waren unsere Barschaft, die Rössli-Reitschule war der grosse Renner und steht heute noch am gleichen Platz wie früher. Nebenan hatte ein alter Mann einen Quadratmeter abgesteckt und drei Äfflein führten kleine Kunststücke vor. Grossmütig zahlten wir gerne zehn oder zwanzig Rappen in seinen Hut. Am Seeplatz standen auch Schaubuden mit unheimlichen Programm­ansagen: «Das Leopardenweib», «Die dicke Berta» oder die «Dame ohne Unterleib» (was das immer auch bedeuten mochte) lockten Besucher ins Zelt. Das Riesenrad und der «Chetteliflüüger» haben bis in die heutige Zeit kaum an Beliebtheit eingebüsst! Am Bahnhofplatz stand eine Geisterbahn für besonders Mutige. Als Sensation war die Raupenbahn auf dem Postplatz – das war etwa 1938.Der Autoscooter hat sich auch bis jetzt erhalten.
Wir dürfen natürlich das Kulinarische nicht vergessen: Glacé wurde damals nicht verkauft; dafür gab es klebrige Schleckstängel, Magenbrot und Türkenhonig. Die 20er-Mocken waren viel grösser, als jene, die in den örtlichen Bäckereien angeboten wurden. Immer waren sie mit Wespenschwärmen umgeben. An Kleider- und Gebrauchsartikelstände mag ich mich nicht mehr erinnern.
Mit dem Vier-Uhr-Zug mussten wir wieder heim, doch durften wir am Abend mit den Eltern wieder durch das Gedränge. Eine Bratwurst war uns sicher und unsere Mutter kaufte jeweils bei Bettios Früchtestand die ersten Trauben der Saison. Oft zog noch gegen Abend ein Gewitter auf und so war der Chilbiplatz innert fünf Minuten geleert – zur Freude der umliegenden Gastwirtschaften. In den Hotels Du Lac und Engel, Im Gasthof Hirschen sowie im Restaurant Eintracht wurde zum Tanz aufgespielt. Ein Brauch, der im Verlaufe der Jahre verschwand.
Möge die Wättischwiler Chilbi auch in vielen weiteren Jahren noch so jung und attraktiv weiterleben!
Aufgezeichnet von Erika Haltmeier, Naglikon

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